Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

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Live in der Redaktion des Dorfener Anzeigers: Helga Brenninger spielte für ihre Fans das Lied „Merkst das“. Zu hören ist es auf unserem Onlineportal Merkur.de/dorfen.

Liedermacherin Helga Brenninger

Neues Lebensgefühl ganz auf Boarisch

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Wer träumt nicht davon: Mitten im Leben stehen, noch einmal durchstarten, etwas ganz anderes machen. Helga Brenninger aus Schwindkirchen lebt diesen Traum. Die Mutter und Ehefrau komponiert und singt Lieder auf Boarisch. In ihrer Musik verarbeitet die 44-Jährige auch ihre eigene Lebensgeschichte.

Dorfen – Die Lieder von Helga Brenninger stecken zum großen Teil voller Emotionen und einer unbändigen Liebe zu Heimat und Natur. Sie singt über persönliche Erfahrungen und Gefühle. Es sind Melodien und Texte, die aus dem Bauch kommen und die vor allem sensiblere Menschen unheimlich berühren. Doch auch Krankheit und Abschied spielen in ihren Liedern eine Rolle.

Diese dunkleren Seiten des Lebens waren es auch, die Helga Brenninger zum Komponieren gebracht haben. Gitarre gespielt und Musikunterricht gegeben hat die 44-Jährige schon lange. Aber als ihr Ehemann 2013 für längere Zeit erkrankte, versuchte sie, ihre Gedanken und Gefühle in Lieder zu formen. Herausgekommen ist damals ihr erster Song „Boid bist wieder do“ – gewidmet ihrem Mann. In dieser Zeit legte Brenninger auch den Grundstein für ihre erste CD, die den Titel „Mitten im Leb’n“ trägt.

Die gebürtige Niederheldensteinerin ist musikalisch eine Spätberufene. Mit ihrem Leben war sie zwar nie unzufrieden, aber trotzdem träumte auch sie den Traum, einmal raus aus dem Hamsterrad zu kommen. Mit ihrer Musik hat die 44-Jährige das auch geschafft. Dass sie jetzt ihr Leben leben kann, dafür ist sie ihrem Ehemann Anton sehr dankbar. „Es ist wahnsinnig huifreich, das mi mei Mo in jeda Hinsicht unterstützt.“

Lieder sollen zum Nachdenken anregen

In ihren Liedern verarbeitet Brenninger viele selbst erlebte Sachen, Dinge, die sie beschäftigen, oder einfach Eindrücke, wenn sie Leute beobachtet. Es sind Geschichten in Liedern, mit denen sich viele Menschen identifizieren können: Von „Danke für die Freundschaft“, über den bewussten Umgang mit unserer Welt in „Merkst das“ bis zum „I woas ned wos i wui“. Die 44-Jährige bezieht ihre Kraft daraus, sich musikalisch mit ihrem eigenen Leben zu befassen und das, was in ihr vorgeht, nach außen zu tragen. Ein wenig Sendungsbewusstsein ist da schon auch dabei: Brenninger hofft, dass der ein oder andere Zuhörer durch ihre Musik zum Nachdenken gebracht wird. Etwa mit dem Titel „Des verstäh i ned“. Es geht dabei um sensationslüsterne Leute. Viele würden sich tierisch freuen, wenn etwa Dieter Bohlen bei DSDS einen Kandidaten mit blöden Sprüchen zusammenstauche. Oder wenn es irgendwo brenne, würden Leute hinrennen, das Fotografieren, und dann ins Internet stellen.

Merkst das from Anton Renner on Vimeo.

Ihre ersten Lieder hat die Singer-/Songwriterin übrigens in hochdeutscher Sprache geschrieben. „Aba i hob dann gmerkt, des basst ned. Boarisch ist ja vui bessa.“ Brenniger liebt ihre bayerische Heimat. Und so gibt sie sich auch autentisch – als Bayerin.

Ihre erste CD hat sie selbst veröffentlicht. Derzeit entsteht ein neues Album – produziert mit Unterstützung eines Münchner Labels. Trotzdem macht Brenninger alles selbst, will und kann alles selbst entscheiden. Das war ihr wichtig.

Verbiegen lassen würde sie sich der Karriere wegen nicht, beteuert sie. „Na, des mächd i ned. Mia is wichtig, das i so bleibn ko, wia i bin, des so mach, wia i des wui.“

Mittlerweile tourt Brenninger durch halb Bayern, steht auf Bühnen zwischen München, Rosenheim und Bad Kötzting. Sie ist Solo unterwegs, aber auch mit ihrer Band bestehend aus Bertram Liebmann (Piano), Marcel Diehl (Bass) und Bernd Mayer (Percussion). Auch Radiosender wie etwa Bayern 2 und die Bayernwelle spielen Lieder von ihr. Und kürzlich brachte auch das Regionalfernsehen Oberbayern einen Bericht über die Liedermacherin. Das alles hat ihr Leben schon verändert. Aber sie selbst hat sich nicht verändert. Allüren ist für sie ein Fremdwort, ihre Freundschaften pflegt sie wie eh und je. „Warum soi i obhebn?“, stellt sie die Frage. Brenningers 13-jährige Tochter Anja kann übrigens mit Mamas Musik nicht so viel anfangen. Sie findet ihre Lieder nicht so cool. Aber in dem Alter hören junge Mädchen eben andere Musik.

Dass der Zustand der Welt in den vergangenen Jahren nicht friedlicher geworden ist, bewegt und beschäftigt natürlich auch Helga Brenninger. Gedanken darüber tauchen auch in ihren Liedern auf.

„I glaab an des Guade in da Woid“

Trotzdem will sie nicht in Depressionen verfallen, alles schlecht sehen. „I glaab an des Guade in da Woid“, sagt die junge Frau. Für sie sind kleine Sachen wichtig, etwa, andere Menschen glücklich zu machen. „Soichane Sachan brauchd de Woid.“

Und so transportiert Brenninger in ihren Lieder auch ihre Lebensphilosophie. Und die heißt, ein einfaches und zufriedenes Leben zu führen. Auch wenn das in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, weil einem soviel suggeriert werde, was man zum glücklichwerden brauche. Brenninger geht oft alleine in die Berge auf eine ganz einfache Hütte. Da gibt es im Freien noch ein Plumsklo, zum Waschen muss man hinter die Hütte zu einem Bach gehen. „Wenn i do bin, merk i wieda, wos des Wesentliche is. Wichtig fia mi is, sich imma wieda zruckhoin aus der hektischen Woid.“ Man müsse eben lernen, was wichtig für einen sei, und was nicht. In ihrem Fall ist das Wichtigste das Zwischenmenschliche, die Familie, die Natur – und natürlich die Musik.

Im Herbst erscheint die zweite CD von Helga Brenninger. Insgesamt werde das Album etwas fröhlicher, als das erste. Vom Stil her wird es aber wieder bunt gemischt: Von Balladen über Blues bis hin zu Pop-Klängen ist alles zu hören. Präsentiert wird die CD am 23. September im E 3-Eiskeller in Dorfen. Karten dafür gibt es ab sofort in der Geschäftsstelle des Dorfener Anzeigers und Intelligenzblattes.

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