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Eine anspruchsvolle Rolle: Rosa Tempel (M.) überzeugte als Alfred Ill, auf den eine Milliarde Euro ausgesetzt wird. Hier wird er von den Dorfbewohnern bedrängt. 

Oberstufentheater führt Dürrenmatt-Klassiker auf 

Geldgier: Ein Dorf geht über eine Leiche

Was tut mal alles für Geld? Wie weit geht man? Das waren die bestimmenden Fragen im aktuellen Theaterstück „Geld regiert die Welt“ der Oberstufe am Gymnasium Dorfen. 

DorfenNachdem die jungen Schauspieler vergangenes Jahr mit dem Thema Amoklauf für Betroffenheit im Publikum gesorgt hatten, entschieden sie sich diesmal für einen Klassiker: „Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt.

Die 15 Schülerinnen und Schüler – mehr als die Hälfte davon im Abitur-Jahrgang – bewiesen erneut ausgesprochenes schauspielerisches Talent. Die Zuschauer in der gut besuchten Aula folgten dem Psycho-Krimi bei der Premiere gebannt.

Das Dorf Güllen ist pleite. Da kündigt sich die Milliardärin Claire Zachanassian an. Sie stellt die nötige Finanzspritze in Aussicht. Aber nur unter einer Bedingung: Ihre Jugendliebe Alfred Ill, der sie einst verraten hat, muss sterben. So möchte sie sich ihre Gerechtigkeit erkaufen.

Reagieren die Dorfbewohner anfangs noch entsetzt auf das Angebot, wendet sich das Blatt im Laufe der Geschichte, da jeder nur noch seinen eigenen Vorteil vor Augen hat und dafür bereit ist, im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen. Selbst der Pfarrer schaut für eine neue Kirchenglocke weg.

Eine der schwierigsten Rollen hatte Rosa Tempel zu spielen: den von Angst, Enttäuschung und Verzweiflung gepeinigten Alfred Ill, auf den die Milliarde ausgesetzt war. Mit überzeugender Mimik und ganz im Spiel versunken meisterte die junge Schauspielerin diese anspruchsvolle Aufgabe.

Grandios auch der Auftritt von Elena Bernstetter als Milliardärin Claire. Begleitet von James Browns Song „It’s a Man’s World“ stolzierte sie aus den Zuschauerreihen heraus erhabenen Hauptes in Pelz gehüllt und schmuckbehangen auf die Bühne, im Schlepptau ihre Dienerschaft samt Ehemann Nummer sechs, der sich bis zum Ende des Stücks bis Ehemann neun durcharbeiten musste – ein Lob an Rado Heidrich, der sich wunderbar von der alten Dame herumkommandieren ließ, mit amerikanischem Akzent glänzte und für viele skurrile Szenen sorgte.

Während des ganzen Abends verzog Elena Bernstetter gemäß ihrer Rolle keine Miene. Sie gab sehr überzeugend die arrogante und kalte Milliardärin, der man ihre Herzlosigkeit sofort abkaufte.

In einer weiteren Hauptrolle war Lillian Binder als jovialer Bürgermeister zu sehen. Die Regisseurinnen, Lehrerin Julia Bauer und Schülerin Anna-Lena Heinisch, hatten sich hier für die bayerische Variante entschieden. Im Trachtenjanker gab Lillian Binder das gstandene Gemeindeoberhaupt. Die Verwandlung vom gönnerhaften und wohlwollenden Politiker zum skrupellosen Kriminellen meisterte sie mit Bravour, Souveränität und Witz.

Alle jungen Mimen machten ihre Sache gut. Viviane Gasch hatte ihren großen Auftritt als betrunkener Lehrer, den das Gewissen noch am meisten plagte.

Die Jüngste im Ensemble, die Neuntklässlerin Chiara Gerbl, die vergangenes Jahr schon als Magersüchtige im Mittelstufentheater ihr Talent gezeigt hatte, bewies auch dieses Mal ihr Können, vor allem in der packenden und berührenden Szene, in der sich Alfred Ill kurz vor seinem Tod von seiner Familie verabschiedet. Gerbl spielte seine Frau, versetzte sich so in den Abschiedsschmerz, dass tatsächlich Tränen über ihr Gesicht flossen.

Ein großes Lob hat die Technik (Paul Robl, Lukas Huge, Lukas Jaworski und Domimik Rammelsberger) verdient. Mit dröhnenden Bässen während der Mordszene ließen sie das Publikum auch körperlich erschauern. Bei dem gekonnt ausgesuchten Song „Frozen“ von Madonna in der Schlussszene gefror so manchem Zuschauer das Blut in den Adern, ob der Dramatik des Textes: „You Only See What Your Eyes Want To See.“ Sichtlich bewegt von den Leistungen der Schüler war auch Schulleiterin Andrea Hafner: „Beeindruckend, wie ihr diese Rollen gelebt habt! Passt auf, dass ihr da wieder gut rauskommt“, gab sie den jungen Mimen augenzwinkernd mit auf den Nachhauseweg.

Weitere Aufführung

Am heutigen Freitag um 19 Uhr ist das Stück nochmals in der Aula des Gymnasiums zu sehen. In weiteren Rollen: Paula Bode, Anna-Lena Heinisch, Ella Krings, Richard Kurz, Sophia Rausch, Janina Saam, Laura Schick, Linda Schmid und Sophie Wehner. 

ALEXANDRA ANDERKA

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