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Per Handschlag begrüßte Martin Frank sein Publikum im voll besetzten Jakobmayer-Saal. 

Martin Frank im Jakobmayer-Saal

Oper gegen Presssack-Trauma

Für Martin Frank war es „das beste Freitagabendpublikum der Woche“, vor dem er im vollen Jakobmayersaal auftrat. Noch bevor der 24-jährige Kabarettist, der bereits mehrere Preise, wie den Niederbayerischer Kabarettpreis 2014, gewonnen hat, richtig loslegt, lässt er sich auf Kommando bejubeln. Und überrumpelt einige Gäste mit einer Begrüßung per Handschlag. Die Auserwählten werden dann auch im weiteren Verlauf wiederholt in sein Programm einbezogen. Dabei ist diese „Rückmeldung des Künstlers“ nur ein Beispiel für seine rege Interaktion mit dem Publikum.

Dorfen– Der Rahmen der folgenden zwei Stunden ist schnell aufgespannt. Die Bühnenfigur Martin Frank ist in seinem aktuellen Programm „Alles ein bisschen anders! – Vom Land in d’Stadt“ ein niederbayerischer Bauernbua, aufgezogen von seiner Oma, der ohne jegliches technische Talent nach München geht, um dort Schauspiel zu studieren und Gesangsunterricht zu nehmen. Dort prallen Welten aufeinander: Der Bayerische Wald trifft auf die Landeshauptstadt. Der naiv-konservative Hinterwäldler, zudem frustrierter Single, versucht immer wieder vergebens, sich zu integrieren. Die Missverständnisse beginnen schon auf der Straße oder in der U-Bahn. Als wohlerzogener Katholik begrüßt er das ganze Bahnabteil mit „Grüß Gott“, sofort wird ihm religiöser Fanatismus unterstellt.

Wie viel vom realen Martin Frank in der Bühnenfigur steckt? Diese Frage stellt sich der Zuschauer während des Programms immer wieder. Eine offensichtliche Parallele ist der Schauspiel- und Gesangsunterricht, den er auf der Bühne bestens zu präsentieren weiß. Er imitiert gekonnt eine Vielfalt an Stimmen – von der hysterisch kreischenden Businessfrau bis zur autoritären Oma, die in seinem Programm eine ganz besondere Rolle spielt.

Mit Operngesangsstimme widmet er seinem „Presssack-Trauma“ eine Arie, die gesamte Schulzeit über habe er „schon leicht bräunlich verfärbten Presssack in einer Tupperdose“ mit zur Pause bekommen.

Die Kunstfigur Martin Frank bleibt zwischen den Welten stecken. Kleidet er sich modisch mit einer hautengen Hose, muss er das Urteil „a Warmer“ von seinem Vater über sich ergehen lassen. Macht er sich bei einem Blind Date auf die Suche nach einer Partnerin, kann er als bodenständiger Bua vom Land weder etwas mit gepiercten, tätowierten Frauen anfangen, noch mit solchen, die von Beruf Tochter sind.

Frank macht sich sowohl über die Beschränktheit der Landbevölkerung, als auch über die Lächerlichkeit wichtigtuerischer Stadtmenschen lustig. Eigentlich gegen seinen Willen, aber um kritischen Zuschauern zu gefallen, formuliert er dann doch noch eine „Message“: „Schauts auf eia Oma und besuchts sie wieder mal.“


Fabian Holzner

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