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Fühlt sich als Frau einsam in der Kabarett-Szene: Claudia Pichler. 

Premiere im Jakobmayer-Saal Dorfen 

Zwei Kabarettisten, ein Lyriker und eine Frau

Kabarett war schon immer ihr Ding. Als Mädchen hörte sie Polt-Kassetten. Aus ihrer Leidenschaft hat Claudia Pichler schließlich eine Wissenschaft gemacht und über Gerhard Polt ihre Dissertation geschrieben. Jetzt möchte sie mit ihrem ersten Solo-Programm die Kleinkunstbühnen selbst erobern. Am Samstag, 9. März, kommt sie kurz nach ihrer Premiere mit „Ned blöd ... für a Frau!“ in den Jakobmayer-Saal nach Dorfen. Wir sprachen mit der 33-jährigen Münchnerin über mangelnde Gleichberechtigung in der Kulturlandschaft, ihr Vorbild Gerhard Polt und die Themen ihres ersten Solo-Programms.

VON ALEXANDRA ANDERKA

Dorfen – Wie kam es zu Ihrem ersten eigenen Kabarettprogramm?

Ich bin schon länger mit der Gruppe „Die drei Haxn“ unterwegs. Neben mir sind das Michael Well und Anni Preuß. Wir waren übrigens auch schon mal im Jakobmayer. Wir haben uns aus Spaß gegründet und spielen ein paar Auftritte im Jahr. Dabei habe ich gemerkt, dass die Bühne meine Sache ist. Mit Kabarett hatte ich auch schon immer aus verschiedenen Richtungen zu tun. Im Lustspielhaus in München habe ich am Einlass gearbeitet, für das Fraunhofer Theater das Programm gemacht. Jetzt will ich es mit einem Solo-Programm probieren.

Man kann also sagen, Sie sind schon ein bisschen Bühnen erprobt?

Ja. In München, wo ich wohne, gibt es ja auch viele Stand-up-Bühnen, bei denen man sich für sieben Minuten als Einzelkünstler ausprobieren kann. Da habe ich einiges getestet.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem ersten Solo-Programm?

Das wird eine Mischung aus Geschichten aus meinem Alltag, Musikstücken und Liedern. Ich bin quasi zweisprachig in München aufgewachsen, nämlich neben Hochdeutsch mit bayerischem Dialekt. Der beschäftigt mich sehr und spielt auch im Programm eine Rolle. Am vergangenen Wochenende war meine Premiere im Altbau in Irsee. In die Kleinkunstbühne passen 100 Leute und so viele waren auch da. Ich war selbst verwundert, aber natürlich sehr erfreut. Es war ein toller erster Abend.

Gratulation! Wieso heißt das Programm „Ned blöd ... für a Frau!“ Fehlt es Ihnen an Gleichberechtigung?

Manchmal schon. Jetzt bin ich 33, habe studiert und promoviert, arbeite im Künstlermanagement der Agentur Well und bin selbst künstlerisch tätig. Trotzdem werde ich oft unterschätzt und muss mir Respekt erst erarbeiten. Männer haben es da vielleicht einfacher, auch in der Kultur. Da sitzen auf entscheidenden Posten meist ältere Männer.

Bei uns im Landkreis ist das nicht so. Jutta Kistner leitete die Stadthalle und Birgitt Binder den Jakobmayer.

Deshalb freue ich mich auch sehr auf meinen Auftritt im Jakobmayer. Vergangenes Jahr hatte ich dort übrigens meinen ersten 20-minütigen Solo-Auftritt beim Oktoberbrettl. Bei den Kabarettbrettln sind die Männer übrigens auch meist in der Überzahl. Einmal hat mich ein Veranstalter angefragt und mir das Konzept von seinem Kabarettbrettl erklärt: Da sind nämlich immer ein Kabarettist, ein Musikkabarettist, ein Lyriker dabei – und eine Frau.

Okay, das irritiert wirklich ein bisschen.

Oft kommt es vor, dass bei einem Brettl nur Männer auftreten. Ich bin auch bisher bei gemischten Abenden meist die einzige Frau gewesen. Männer haben offenbar weniger Scheu vor der Bühne und auch davor, sich mal zu blamieren. Wenn es mal nicht so gut läuft, sagen sie gern, das Publikum war heut aber fad.

Sie haben Ihre Doktorarbeit über Gerhard Polt geschrieben. Wie sind Sie darauf gekommen?

Ich bin mit Polt-Kassetten aufgewachsen. Nach meinem Studium habe ich als Volontärin beim Kein & Aber-Verlag in Zürich seine Werkausgabe betreut, die zu Polts 70. Geburtstag erschienen ist. Dafür habe ich jeden seiner Texte gelesen. Das Wissen wollte ich gern noch weiter nutzen und habe mich dann für die Doktorarbeit entschieden. Das ist die erste längere wissenschaftliche Arbeit über sein Werk.

Wie fand es Gerhard Polt, dass er Gegenstand einer Dissertation ist?

Anfangs war ihm das nicht so ganz geheuer. Aber das Thema, um das es in meiner Arbeit geht, nämlich Fremdheit, das interessiert ihn sehr. Er hat sich damit angefreundet und die Arbeit am Ende sehr gern gelesen.

Zu welchem Ergebnis sind Sie bei Ihren Recherchen gekommen?

Polt lässt seine Figuren immer über andere reden. Er macht das ganz raffiniert, denn während seine Figuren andere ausrichten, erzählen sie ganz viel über sich selbst.

Haben Sie sich etwas von Ihrem Vorbild abgeschaut?

Wir haben ein ähnliches Humorverständnis, und Polts Sicht auf die Welt hat mich auf jeden Fall geprägt. Aber abschauen möchte ich mir gar nicht viel, ich muss schon meinen eigenen Weg finden.

Verfolgt er Ihre Karriere?

Er hat mich schon gefragt, wie die Premiere gelaufen ist, und freut sich mit mir. Gerhard Polt ist sehr interessiert an seinen Mitmenschen, er ist empathisch, neugierig und nimmt jeden auf Augenhöhe wahr. Das schätze ich sehr an ihm. Alle paar Monate lädt er mich auf ein Wiener Schnitzel ein, das schätze ich natürlich auch enorm.

Karten

für die Vorstellung am 9. März gibt es für 15 Euro bei Ticket Treff Dorfen unter Tel: (0 80 81)13 93.

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