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Gelungene Vorstellung (v. l.): Simone Ascher, Tini Tüllmann, Felix Schäfer und Greta Bohacek hatten Spaß beim Frage-Antwort-Spiel im Dorfener Kino. 

Erstlingswerk der Dorfener Filmemacherin Tini Tüllmann

Psychothriller mit Herzblut

Mit so viel Idealismus wird selten ein Film realisiert – und mit einem Budget von nur 75 000 Euro kaum eine solche Professionalität erreicht, wie dies Tini Tüllmann mit ihrem Erstlingswerk „Freddy/Eddy“ gelang.

Dorfen Die Zuschauer im ausverkauften s’Kino in Dorfen waren von dem Psychothriller begeistert. Auch all diejenigen, die dieses Genre eigentlich nicht so sehr lieben und nur gekommen waren, um die Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin persönlich kennenzulernen, die aus Dorfen stammt.

Spannend, teilweise nervenaufreibend wie der Hollywood-Klassiker „Shining“ war der Plot, sphärisch dicht inszeniert und authentisch von den Darstellern in Szene gesetzt. Bis zum Ende fieberte das Publikum mucksmäuschenstill und hoch konzentriert mit, nur ab und an hörte man ein kurzes Aufschrecken, aber kein Aufatmen.

Nach der Vorführung trat Tüllmann vor die Leinwand, um den Zuschauern Rede und Antwort zu stehen. Überaus sympathisch und leger erzählte sie ganz offen von der schwierigen Entstehung ihres Films. Da es keinerlei Förderung gab, musste sie ihn selbst finanzieren und jetzt auch noch selbst vermarkten. Weshalb das Publikum viele Anregungen gab, für welche Medien und Kanäle der Film bestehens geeignet wäre.

Ein solcher Film koste normal an die 1,3 Millionen Euro, meinte sie. Ihn für gerade mal 75 000 Euro zu produzieren, sei nur möglich gewesen, weil fast alle Mitwirkenden auf Rückstellung gearbeitet hätten. Auch Hauptdarsteller Felix Schäfer, in seiner Doppelrolle als Freddy und Eddy, sowie die junge Greta Bohacek, die seine junge Nachbarin Mizzi spielt. Tüllmann hatte die beiden im Schlepptau und erklärte: „Sie alle haben für null Euro gespielt.“ Ihrer Motivation und Spielfreude tat das keinen Abbruch, wie sie bestätigten. „Für mich macht es von der Herangehensweise keinen Unterschied aus, ob ich fürstlich bezahlt werde oder nicht“, meinte Schäfer. Und die 17-jährige Bohacek gab zu: „Ich brauche noch kein Geld, also ist es mir nicht so wichtig. Alle haben mitgemacht, weil sie das Projekt so gut gefunden haben.“

Deshalb ist das Trio auch schon eine Woche auf Promo-Tour in Bayern. Dorfen war die letzte Station. Dorfen musste unbedingt sein. Denn Tüllmann lebte hier bis zur Grundschule und hat noch einige Freunde und Bekannte in der Gegend.

Eine Freundin ist auch die Dorfener Schauspielerin Simone Ascher, die wie Tüllmann in Berlin wohnt und im Film einen kurzen Auftritt als Supermarkt-Kassiererin hat. Tüllmann bat Ascher mit vor die Leinwand, und beide erzählten von dem kurzen Dreh im Berliner Supermarkt. Die Regisseurin: „Ich brauchte jemanden, der Bairisch spricht und um 4 Uhr in der Früh drehen mag.“ Für Ascher war das super. „Da kann ich mein Kind nachher gleich in die Kita bringen“, verriet sie und schwärmte davon, wie intensiv Tini Filme macht, und dass es „ein toller Dreh“ war. Es durfte ja nicht zu lange dauern, weil der Supermarkt aufmachen musste, relativierte Tüllmann sofort..

Ein Zuschauer warf ein, dass man dieses Herzblut spüre und keine Sekunde das Gefühl hatte, dass es sich um einen Low-Budget-Film handle: „Der Film ist klasse.“

Gedreht wurde 26 Tage und eine Stunde, weil die erste Szene nachgedreht werden musste, erklärte Tüllmann weiter. Drei Wochen am Tegernsee, unter anderem im alten Haus ihrer Großeltern. 30 Leute dort fünf Wochen unterzubringen, war nicht so einfach, deshalb wurde der weitere Dreh dann zwei Wochen lang nach Berlin verlegt. Geschnitten wurde der Film in ihrem Büro und aus der Not heraus auch in Neuseeland, von einem Cousin von Schäfer: „Der schneidet auch ein bisschen und sieht fast genauso aus wie Felix.“

Das war aber nicht das einzige Erlebnis, von dem die Schauspieler berichteten. Bohacek erzählte, dass sie mit einer weiteren Greta beim Casting war und schon Bedenken hatte, dass es sich um eine Verwechslung handeln könnte, als sie die Zusage für die Rolle erhielt.

„Wie geht es weiter?“, fragte ein Gast. Problem sei, dass immer weniger Leute ins Kino gehen würden und Thrillern gegenüber große Skepsis herrsche. Aber sie habe Freddy/Eddy schon nach China und Russland verkaufen können. Deshalb antwortete sie auf die Fragen nach ihrem nächsten Projekt: „Dass ich sie alle überzeuge, dass sie mit ihren Freunden den Film nochmal anschauen.“

In Dorfen läuft Freddy/Eddy nur noch einmal, nämlich am Samstag, 10. Februar, um 17.30 Uhr.

Birgit Lang

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