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Ein uriger Typ ist der Mundwerker Norbert Kober, der im Tagwerk-Laden erzählte.

Mundwerker im Tagwerk-Laden

Pure Freude am Geschichten erzählen

Er ist Doktor in Erzählkunst und Vorsitzender der Goldmund-Erzählakademie in Österreich. Norbert Kober, ein Mann in Lederhosen und weißem Wuschelkopf, hat dem Dorfener Tagwerk-Laden einen Besuch abgestattet und dort die vielen Mittagsgäste mit seinen Geschichten erfreut.

Dorfen – Vom einfältigen Bauern, der beim Wildern erwischt wird und dem der Richter drei Rätsel stellt, erzählte Kober. Und von der jungen, klugen, schönen Bauerstochter, die den Richter bezirzt. Vom kleinen Michi, der trotz Schlammhose und Gummistiefel immer ganz nass vom OASE-Naturkindergarten heimkommt, aber auch vom Biene-Maja-Autor Waldemar Bonsels und seinen rauschenden Festen am Starnberger See mit den nackert tanzenden Frauen der Münchener Bohéme war zu hören. Amüsiert lauschten die Tagwerk-Gäste dem Geschichtenerzähler – und sie sparten auch nicht mit Applaus.

Kober war mit den Mundwerkern in der Gegend auf der Walz. Auch die Grundschüler in Moosen und Taufkirchen sowie die Besucher im alten Pfarrhofgarten in Unterhofkirchen und des Moosener Bauernmarktes kamen schon in den Genuss seiner Erzählkunst. Immer mit ihm dabei war Marile Götz, die Vorsitzende des OASE-Lebenskreis Taufkirchen. Sie hat die Mundwerker nach Taufkirchen und Dorfen geholt. Auch Götz selber erzählt gerne Geschichten, und so hat sie als Tagwerk-Gründungsmitglied extra eine Tagwerk-Geschichte erzählt.

Im illustren Kreis der Mundwerkwalzer befinden sich auch die drei Lehrlinge Michael Fröhlich aus Thann bei Lengdorf, der in Wasserburg lebende Hamburger Rainer Teichmann und Gabi Zinngraf aus Aschaffenburg. „Wir Lehrlinge müssen alle auf die Walz gehen. Das ist Bestandteil unserer Ausbildung, und das war jetzt die erste Gelegenheit wieder seit Jahren“, verriet Fröhlich. Auch von ihrer bisher abenteuerlichen Walz wusste der Thanner einiges zu berichten. Auf ihrer ersten Station durften sie im alten Pfarrhof schlafen, am zweiten Tag war es nicht mehr ganz so komfortabel. In Teufelsöd bei Taufkirchen nächtigten sie aufgeteilt in der Scheune, im Bauwagen und im Zelt unter der Eiche bei Regen, Wind und Sturm. Richtig luxuriös war es im Moosener Sportheim, im Trockenen und mit warmer Dusche, schwärmte Fröhlich.

Auch die vielen Begegnungen auf ihrer Walz, die Anekdoten und die neuen Geschichten, die sie erfahren haben, gefallen Fröhlich sehr. Ganz begeistert ist er von den strahlenden Kinderaugen, die er beim Geschichtenerzählen immer wieder beobachten konnte. Begleitet wurden die Mundwerker auch von zwei Eseln, die ihr Gepäck trugen. Und sporadisch gesellte sich noch Anton Empl aus Dorfen mit seiner Quetsche zu den Mundwerkern.

Die „fahrende Mundwerkerei“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem modernen Menschen etwas aus seiner eigenen Tradition zurückzuschenken. Und zwar die Freude am freien mündlichen Erzählen – der persönliche Austausch in Form von Geschichten, Schwänken, Schrullen und biografischen Episoden.  mel

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