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Präsenz schafft Sicherheit: Eine Fußstreife am Erdinger Herbstfest. Davon könnte es bald mehr geben.

Reaktion auf Amok und Terror

Polizei sucht Kontakt mit dem Bürger

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Erding - Freistaat und bayerische Polizei wollen das Sicherheitsgefühl der Menschen nach den Bluttaten von Würzburg, München und Ansbach wieder stärken – mit bis zu 2000 zusätzlichen Beamten und mehr Präsenz in der Öffentlichkeit. Die Polizei vor Ort lobt das, warnt aber vor zu viel Euphorie.

Der Rosenheimer Polizeipräsident Robert Kopp hat nach den Anschlägen dazu geraten, die Prioritäten der Polizei neu zu setzen. Er möchte so viele Beamte wie möglich vor Ort haben, um den Bürgern ein Gefühl von mehr Sicherheit zu vermitteln. Anderes könnte hintan stehen. Die Staatsregierung schnürte wenige Tage nach Würzburg, München und Ansbach ein milliardenschweres Sicherheitspaket mit verbesserter Ausrüstung und vor allem bis zu 2000 zusätzlichen Beamten in den nächsten Jahren.

Ulrich Milius, Leiter der Polizeiinspektion Dorfen, erklärt: „Grundsätzlich ist der Ansatz gut, dass die Polizei wieder deutlich mehr Bürgerkontakt hat. Das ist das, was das Sicherheitsgefühl der Menschen positiv beeinflusst.“ Ein guter und enger Kontakt sei wünschenswert. Allerdings, so Milius weiter, sei ein Verschieben der Prioritäten in der Praxis nicht so einfach. „Es ist bis dato ja nicht so, dass wir Dinge tun, die eigentlich gar nicht erforderlich sind.“ Schon jetzt seien die Wachen nicht üppig besetzt. Zusätzliche Polizistenstellen seien da der richtige Ansatz. „Prävention fängt beim Bürgerkontakt an.“

Bodo Urban, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Erding, verspricht, dass man der Forderung nach mehr sichtbarer Polizei gerecht werden wolle. Dafür werde man neu disponieren. Der Anfang, so der Polizeihauptkommissar, sei gemacht: „Mit mehr Präsenz etwa beim Sinnflut-Festival und beim Sat1-Sommerfest in der Therme. „Zum Glück haben wir Unterstützung vom Polizeipräsidium Ingolstadt beziehungsweise durch den in Erding ansässigen Einsatzzug erhalten.“ Urban glaubt aber auch, dass man es nicht übertreiben dürfe: „Zu viel Polizei kann die Bevölkerung auch abschrecken.“ So schlimm die Gewalttaten waren, Urban hat in der Folge auch eine positive Feststellung gemacht: „In der Öffentlichkeit steigt das Ansehen der Polizei wieder, unsere Arbeit findet deutlich mehr Anerkennung.“ Der Ruf habe zuletzt gelitten, so Urban mit Hinweis auf so manchen in der Öffentlichkeit umstrittenen Einsatz rund um Flüchtlingsheime und -ansammlungen. Er erinnert an die Ereignisse im Januar in der Erdinger Innenstadt, als ein regelrechter Mob die Beamten beim Schlichten eines Streits umringt hatte.

Der Amoklauf von München hat laut Urban aber auch gezeigt, „wie gut die taktischen Konzepte sind, und wie groß der Einsatz auch der Erdinger Polizisten ist, wenn Gefahr im Verzug ist“. 65 Prozent aller Beamten im Schichtdienst seien in der Nacht und am nächsten Tag aktiv gewesen.

Auf einem „absolut richtigen Weg“ sieht Konrad Sigl von der Gewerkschaft der Polizei seine Kollegen. „Wir müssen der Bevölkerung stärker zeigen, dass wir da sind. Fußstreifen kennt man doch heute gar nicht mehr.“ Allerdings mahnt Sigl dringend mehr Beamte an. „Deren Zahl hält mit der Entwicklung der Region schon lange nicht mehr Schritt.“ Die Ankündigung von Innenminister Joachim Herrmann, 2000 neue Stellen zu schaffen, hört der GdP-Funktionär gerne. Allerdings erinnert er an rund 1000 Pensionsabgänge in den nächsten Jahren sowie eine heute schon überlastete Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei. Die oft geforderte zusätzliche Ausbildungsstätte in Niederbayern müsse endlich geschaffen und personell vernünftig ausgestattet werden. Sein Kollege vom Bund der Kriminalbeamten, Robert Krieger, freut sich über jeden neuen Kollegen, erinnert aber daran, dass die Ausbildung drei Jahre dauere. „So schnell geht das mit neuen Kräften nicht. Versäumnisse können nicht so schnell geheilt werden.“ Er gibt zu bedenken, dass man nicht nur neue Streifenpolizisten benötige, sondern auch Kriminaler. Dennoch hält Krieger die bayerische Polizei für sehr leistungsstark. Die Terroreinsätze der vergangenen Tage hätten das bewiesen.

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