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Historischer Moment: Erdingers Oberbürgermeister Max Gotz (l.) und Innenminister Joachim Hermann unterzeichnen die Verträge für den S-Bahn-Ringschluss.

Erdings OB Gotz zum Bahnausbau in Dorfen

„Realistisches Ziel erkenne ich bisher nicht“

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Erding bekommt beim S-Bahn-Ringschluss einen Tunnel durch die Stadt. OB Max Gotz hat bei den Verhandlungen mit Freistaat und Bahn das Maximum für die Kreisstadt herausgeholt. Kann Dorfen in Sachen Bahnausbau davon lernen?

Dorfen – Die Projektkosten für den Südtunnel in Erding belaufen sich auf 68 Millionen Euro. Die Stadt beteiligt sich mit rund 35 Millionen Euro. Diese Summe wird auch bei steigenden Baukosten nicht höher, da es ein Festbetrag ist, den der Oberbürgermeister ausgehandelt hat. Wie sieht Gotz die Bahnausbau-Diskussion in Dorfen? Wir sprachen mit dem Erdinger OB.

Herr Oberbürgermeister, Sie haben beim S-Bahn-Ringschluss die Forderungen Erdings durchgesetzt und damit bewiesen, dass Kommunen sehr wohl Einfluss auf die Planungen des Freistaates nehmen können. Woher kommt Ihre Durchsetzungskraft?

Max Gotz: Die große Kraft der Stadt Erding kommt von der Fähigkeit, nach intensivem Beraten eine geschlossene Position zu finden. Die Kunst eines Bürgermeisters ist es, dabei allen das berechtige Gefühl zu geben, dass man gemeinsam an einem Ziel sich orientiert und Teil des Erfolgs sein kann. Eine wichtige Scharnierfunktion hatte die Bürgerinitiative, die stets auf Augenhöhe mitgenommen und informiert wurde. Mein Netzwerk hat sicher auch geholfen – aber auch das gegenseitige Vertrauen. So haben wir uns auf die inhaltlichen Ziele kraftvoll konzentrieren können. Ich bin aber auch, zugegeben, ein sehr zielorientierter, pragmatischer Verhandler.

Wie haben Sie es geschafft, im Erdinger Stadtrat wie auch in der Bürgerinitiative so viel Geschlossenheit zu erzeugen?

Gotz: Zunächst darf ich sagen, dass alle Beteiligten das gleiche Ziel verfolgt haben, nachdem der Variantenentscheid getroffen wurde. Es gab aber unheimlich viele Gespräche mit Rückkoppelung und stetem Informationsaustausch. Ich denke aber auch, dass Stadtrat und Bürgerinitiative spürten, dass der Oberbürgermeister die Ziele durchsetzt und mit Realitätssinn verhandelt. Am Ende möchten doch alle bei einer solchen historischen Entscheidung am Erfolg teilhaben.

Bei der Dorfener Bürgerversammlung wurden Stimmen laut, was für Erding recht sei, müsse für Dorfen billig sein. Kann man den S-Bahn-Ringschluss mit dem Bahnausbau in Dorfen überhaupt vergleichen?

Gotz: Die Situation ist meiner Meinung nach kaum vergleichbar. Erding wäre altstadtnah komplett getrennt worden und zudem in seiner Entwicklung stark beschnitten worden. Zudem habe ich immer versucht, mitzugestalten und den Planungsprozess zu prägen. Die Stadt leistet zudem einen hohen Beteiligungsbetrag. Außerdem lag mir stets daran, auch „Verbündete“ außerhalb des Stadtgebietes zu gewinnen. Als Bestandteil der Flughafenerschließung gelang es, das Vertrauen und die Unterstützung vom Ministerpräsidenten über den Innenminister, den Bahnvertretern und vielen mehr von der in Erding notwendigen Lösung mit einem möglichst weitreichenden Tunnel zu überzeugen. Die Gegenseite wusste stets, dass ich für die Akzeptanz und Durchsetzung stehe. Ohne eigenen Anteil geht nichts – auch das muss allen klar sein.

Wenn Sie die Diskussionen in Dorfen zum Bahnausbau sehen, was läuft da Ihrer Meinung nach schief?

Gotz: Es steht mir nicht zu, Ratschläge zu geben, aber nachdem der ABS 38-Ausbau auch uns in Erding wichtig ist, darf ich vielleicht folgendes sagen: Will man Erfolg, muss man ein realistisches Ziel definieren. Das erkenne ich bisher nicht. Dann müssen vertrauensgeprägte Netzwerke das Thema an die Entscheidungsträger so hintragen, dass die Argumente überzeugen. Kompromissbereitschaft, ohne alles über den Haufen zu werfen, ist unabdingbar und vor allem ein Unterstützen des Verhandlungsführers ohne Wenn und Aber.

Wenn Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner Sie um einen persönlichen Rat in der Auseinandersetzung um den Bahnausbau fragen würde. Was würden Sie ihm ans Herz legen?

Gotz: Ich sage dazu nur: Wenn ich gefragt werde, ob ich mithelfen kann – dann sehr gerne mit Rat und Tat.

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