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Vollblutjournalist: Anton Renner ist seit 40 Jahren bei der Heimatzeitung. 

Redakteur Anton Renner geht mit 62 Jahren in Ruhestand – Vater des „Bierkriegs“

Spitze Feder ohne parteipolitische Scheuklappen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Beim Erdinger/Dorfener Anzeiger geht am heutigen Donnerstag eine Ära zu Ende: Anton Renner, langjähriger Leiter der Redaktion Dorfen, geht in Ruhestand.

Dorfen – 40 Jahre lang recherchierte, schrieb, kommentierte und fotografierte der heute 62-Jährige für die Heimatzeitung. 35 Jahre Jahre davon war er Redakteur und leitete die Redaktion Dorfen. Ins Unternehmen kam Renner am 1. Januar 1985, davor war er bereits fünf Jahre als freier Reporter für den Anzeiger tätig.

Renner war und ist ein Vollblutjournalist, kein Schreibtischtäter. Der Stadtrat war jahrzehntelang sein Metier, Renner berichtete aus unzähligen Sitzungen. Dabei ließ er sich nie von der Politik vereinnahmen und blieb bei allem Dorfener Patriotismus ein unabhängiger, kritischer Geist. Einigen im östlichen Landkreis hat das nicht gefallen. Doch Renner bewahrte sich seine professionelle Distanz. Er kommentierte mit spitzer Feder ohne parteipolitische Scheuklappen. Ins viel beschworene „geliebte Nest Dorfen“ stach er immer wieder – stets an der Sache, nie an Personen orientiert. Seine Wochenendkolumne „(Be-)merkenswertes der Woche“ ist eine pointenreiche, wortgewaltige Begleitung der jüngeren Dorfener Stadtgeschichte.

Und dennoch ist Renner ein Dorfener mit Liebe zu seiner Stadt, in der er seit seiner Kindheit lebt. Und deswegen schlug er sich auf die Seite der Menschen, die jahrzehntelang gegen die A 94 gekämpft haben, ohne dabei die Gegenseite auszublenden.

Vor 25 Jahren wurde Renner selbst zum Gegenstand der Berichterstattung: Gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Sepp Beil und Alex Schubert inszenierte der dreifache Familienvater den legendären Bierkrieg, ein Theaterstück über die Revolution, die wegen einer lapidaren Bierpreiserhöhung über der Isenstadt losbrach. Ehrenamtlich engagierte er sich auch im Rettungsdienst beim Bayerischen Roten Kreuz.

Renner war übrigens nicht sein ganzes Berufsleben Journalist. Er war Versicherungskaufmann bei der Bayerischen Versicherungs Bank AG der Allianz Versicherung und zuletzt bei der Raiffeisenbank Feldkirchen Versicherungsreferent sowie Kundenberater im Innen- und Außendienst. In den 80er Jahren merkte er dann, wie erfüllend und vielseitig der Journalistenberuf ist – und wechselte.

Einige Kollegen erinnern sich an die gemeinsame Zeit mit Renner. Timo Aichele, der den Anzeiger in der Isenstadt repräsentiert, meint: „Anton Renner – dieser Name ist quasi ein Synonym für den Dorfener Anzeiger. Bestens vernetzt und informiert hörst du in deiner Heimat jeden Grashalm wachsen. Respekt für deine Arbeit. Als Nachfolger in der Dorfener Redaktionsstube sind das für mich große Fußstapfen.“

Wolfgang Krzizok hat lange Jahre mit Renner in Dorfen zusammengearbeitet. Er ruft seinem Kollegen nach: „Ich habe dem Toni beigebracht, dass man nicht für jede Lösung ein Problem braucht und der Weltfrieden nicht bedroht ist, nur weil in Dorfen ein Gartenstuhl umgefallen ist. Ich habe auf der anderen Seite vom Toni gelernt, dass man sich durchaus auch unbeliebt machen darf und man zu seiner Meinung stehen muss, auch wenn der Wind mal kräftig weht. Außerdem hat er mir die Stadt in allen Facetten gezeigt und auch – bei der einen oder anderen Feierabend-Halbe – die Dorfener, sodass ich mich in der Isenstadt fast daheim fühle. Danke für alles.“

Toni Renner will „seinem“ Anzeiger als freier Autor verbunden bleiben. Wir bedanken uns für viele spannende Jahre, großartige Kommentare und kenntnisreich geschriebene Beiträge. Lieber Toni, für Deine Zukunft wünschen wir Dir alles erdenklich Gute und sagen Vergelt’s Gott! ham

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