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Interessiertes Publikum: Professor Dr. Tim Lorentzen (l.) referierte im Evangelischen Gemeindezentrum über die evangelische Bewegungen im Raum Dorfen.

100 Jahre Evangelische Gemeinde Dorfen

Reformation war eine Rebellion aus dem Innersten der Kirche

„Die Reformation war kein Angriff von außen, sondern eine Bewegung aus dem Innersten der Kirche.“ Diese These hat Professor Dr. Tim Lorentzen an den Anfang seines Vortrages zum Thema „Reform oder Rebellion? Evangelische Bewegungen im Herzogtum Bayern unter Berücksichtigung des Raumes Dorfen“ gestellt.

Dorfen – Die Veranstaltung der Evangelischen Gemeinde Dorfen und des Historischen Kreises hat den Beginn der Festwoche „100 Jahre Evangelische Gemeinde Dorfen“ markiert.

Lorentzen hat 14 Jahre an der evangelisch-theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München gewirkt und ist seit wenigen Monaten Professor für Neuere Kirchengeschichte an der Universität Kiel. In seinem Vortrag in Dorfen beleuchtete der den Zeitraum von 1520 bis 1570. Geprägt gewesen sei die Kirche am Anfang des 16. Jahrhunderts von einem Nebeneinander von Reformhunger, der Rückkehr zum Armutsideal und einem Heilshunger, in Form tiefster Frömmigkeit, so der Theologe. Dabei war beispielsweise das Münchener Augustinerkloster ein Ort reformatorischer Predigt, der einstige Leiter Johannes von Staupitz traf in Wittenberg auf Martin Luther. Im Folgenden stellte Lorentzen zwei reformatorische Bewegungen vor, die auch in Bayern ihre Spuren hinterließen. Die „Täufer“ lehnten die Kindertaufe ab und praktizierten die Glaubenstaufe ausschließlich an mündigen Gemeindemitgliedern. Wegen ihrer Verweigerung jeglicher Hierarchie, auch der weltlichen, wurden die Täufer hart verfolgt. Einer ihrer Wortführer, Claus Felbinger, wurde in der Burg Trausnitz in Landshut inhaftiert und getötet.

Ein beachtliches Ausmaß, auch im Herzogtum, hatte die Kelchbewegung, die die Teilnahme von Laien an der Eucharistie forderten und praktizierten. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestimmte die Konfession des Herrschers die Konfession der Untertanen. Andersgläubige durften auswandern. Der Haager Reichsgraf Ladislaus von Fraunberg setzte in seinem Territorium evangelische Prediger ein.

Besonders hervor hob Lorentzen den St. Wolfganger Pfarrer Veit Gilger, dem die Protestanten aus umliegenden Herrschaftsgebieten zuströmten. Nach 1566 wurde Haag Teil des Herzogtums Bayern und damit wieder katholisch. Die nächste Station der Feierlichkeiten der evangelischen Gemeinde ist am kommenden Samstag ein Erinnerungsgang vom Gründungsort, dem ehemaligen Gasthof „Eigner Bot“, zur Versöhnungskirche.  fh

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