Verärgert und enttäusch t ist Stadtrat Josef Jung über Bertram Arendt.

ÜWG-Kritik an Ex-Fraktionskollegen

„Regelmäßig mit Abwesenheit geglänzt“

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Der bisherige ÜWG-Fraktionssprecher Josef Jung reagiert auf den Austritt von Bertram Arendt aus der Fraktion mit Verärgerung und massiven Vorhaltungen.

Dorfen – Die Begründung für Arendts Abkehr von den Überparteilichen sei „nicht korrekt“. Über „unterschiedliche Ansichten“ habe man mit Arendt nicht diskutieren können, da dieser in Sitzungen und Versammlungen der ÜWG „regelmäßig mit Abwesenheit geglänzt hat“.

Wie berichtet, arbeiten die Stadträte Bertram Arendt (ÜWG), Josef Wagenlechner und Christian Holbl (beide Gemeindewahl Tegernbach, TEG) ab sofort mit der CSU zusammen. Ein Jahr vor den Kommunalwahlen werden mit dem Schritt der drei Stadträte die politischen Machtverhältnisse im Dorfener Stadtrat gewaltig durcheinandergewirbelt. Besonders bitter kommt es für die ÜWG: Mit dem Austritt Arendts aus der Gruppierung verlieren die Überparteilichen ihren Fraktionsstatus. Der bisherige Fraktionssprecher Josef Jung und Seniorenreferentin Doris Minet büßen dadurch ihre Ausschussposten ein.

„Eine Diskussion war nicht möglich“

Für die ÜWG ist Arendts Schritt nicht nachvollziehbar, da er an einer Aussprache kein Interesse gezeigt habe. „Eine Diskussion war mit Bertram Arendt leider nur selten möglich“, fasst Jung die vergangenen Jahre aus seiner Sicht zusammen. Aufgrund seiner angekündigten Zusammenarbeit mit der Liste Gemeinwohl Tegernbach (TEG) verhelfe Arendt jetzt Christian Holbl und Josef Wagenlechner, die der Landlisten-Ausschussgemeinschaft den Rücken gekehrt haben, zu einem Fraktionsstatus.

Für Jung ein Grund zum Nachrechnen: „Wenn man die Wählerstimmen vergleicht, die bei der letzten Kommunalwahl auf Holbl und Wagenlechner entfallen sind, dann möchte ich erwähnen, dass dies insgesamt nur zwei Drittel der Wählerstimmen sind, die Doris Minet alleine bekommen hat.“ Ohne die Mithilfe Arendts hätten Holbl und Wagenlechner mit ihrer Abspaltung von der Ausschussgemeinschaft Landlisten selbst ihre Ausschussposten verloren. „Da ist es für die beiden erfreulich, dass man jemanden aus Freundschaft gewinnen kann, und dieser für die restliche Stadtratsperiode auch hilft“, so Jung zu der neuen Zusammenarbeit der drei Stadträte. Und er macht klar: „Für solch eine Kommunalpolitik stehen wir von der ÜWG nicht.“

Laut Jung habe Arendt schon seit Längerem geäußert, „dass die vielen Diskussionen in den Stadtratssitzungen nicht seine Sache“ seien. Aus diesem Grund sei die ÜWG bereits auf der Suche nach einem Nachrücker für Arendt gewesen. Als „nicht korrekt“ zurückgewiesen hat Jung die Aussagen Arendts zur fehlenden Zusammenarbeit in der Auseinandersetzung um den früheren Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Figl. „Ich kann zu meiner Person sagen, dass ich erst als Nachrücker im Mai 2016 in den Stadtrat kam. Somit erst nach der Causa Figl, ich war bei der besagten Abstimmung noch nicht im Stadtrat.“ Dass seine Stadtratskollegin Minet eine andere Meinung zu dem Fall habe, sei „bei einer Vielzahl von Meinungen zulässig“, konstatiert Jung.

Erst gegen, dann für Grundner

Das Thema sei im Übrigen in der ÜWG-Fraktion nicht weiter thematisiert worden. Jung: „Darum ist für mich nicht nachvollziehbar, was zum jetzigen Zeitpunkt der Verweis auf Karl-Heinz Figl bedeutet und warum dies für seinen Austritt aus der ÜWG-Fraktion ausschlaggebend sein soll.“ Jung erinnert auch daran, dass ursprünglich auch Arendt damals für die Absetzung des Bürgermeisters Heinz Grundner als Geschäftsführer der Stadtwerke gestimmt habe. Jetzt aber begründe er seinen Austritt aus der ÜWG auch damit, dass er Grundner unterstützen wolle. Sowohl Arendt als auch Holbl und Wagenlechner hatten gemeinsam betont, dass der politische Kurs Grundners „weitgehend der Richtige ist“. Nicht zuletzt wegen der jahrelangen Verweigerungshaltung im Stadtrat seien die Grundstückspreise in Dorfen auch so exorbitant gestiegen, hatten alle drei betont.

In der Sache Bahnausbau räumt Jung ein, dass es in der Fraktion verschiedene Auffassungen gebe. „Meine Fraktionskollegin Minet und ich vertreten die Auffassung, der Trog solle so tief wie möglich sein. Für uns ist es auch ein Wählerauftrag, diesen Standpunkt zu vertreten und zu forcieren.“ Zu Arendts Haltung sagt Jung, dieser „möchte lediglich das glauben, was die Deutsche Bahn AG plant und verwirklichen will.“

Arendt hat auf Anfrage unserer Zeitung auf die Vorwürfe Jungs sarkastisch reagiert. Er habe nicht an vielen Veranstaltungen teilnehmen können, „weil in den vergangenen Jahren kaum welche waren.“

„Eine Diskussion
war nicht möglich“

Erst gegen, dann
für Grundner

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