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Interview in der alten Schneiderstube im Heimatmuseum: Hermann Huber erzählt Autorin Justina Schneider von seiner Lehrzeit.

Porträt über Schneider

Saubas Gwand und Watschn vom Chef

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Lange Arbeitszeiten und Watschn vom Chef. Das sind Erinnerungen von Hermann Huber, der in Dorfen Anfang der 50er-Jahre das Schneiderhandwerk erlernt hat. Für eine Radiosendung erinnern sich der 81-Jährige und andere Dorfener an die Zeit damals.

Dorfen – Es gibt viele Geschichten um den Beruf des Schneiders. Etwa die vom armen Schneider und die vom tapferen Schneiderlein. Auch wenn es für einen Schneider früher mühsam war, den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zusammenzunähen, so war er doch ein wichtiger Mann im Dorf. Auch in Dorfen gab es zahlreiche Schneidereien. Eine davon hat Georg Moser in der Apothekergasse betrieben. Die original Schneiderstube ist im Heimatmuseum zu sehen.

Geschichten von damals sind am morgigen Samstag, 1. Dezember, von 8.05 bis 9 Uhr im Radio Bayern 2 zu hören. Die Sendung „Bayerische Berufungen und Instanzen“ setzt sich mit dem Thema „Der Schneider und die Schneiderin“ auseinander (Wiederholung Sonntag, 2. Dezember, 20.05 bis 21 Uhr). Autorin Justina Schreiber hat dazu unter anderem mit Herbert Moser, dem Sohn des Dorfener Schneiders, und Hermann Huber, der beim Moser das Herrenschneiderhandwerk erlernt hat, gesprochen. Huber erinnert sich vor allem an zwei Sachen während seiner Lehrzeit: An lange Arbeitszeiten von bis zu zehn Stunden täglich – und an Watschn. Letztere hat er die ersten beiden Lehrjahre fast täglich bekommen, so Huber, „weil i in da Arbat imma eigschlaffa bin“. Er war einfach „übernachtig“ vom Vortag – denn Huber ging mit seinen Spezln gerne ausgiebig feiern. Punkten konnte er dafür vor allem bei Müttern von Mädchen, die er für fesch hielt. „I bin immer sauba daherkemma vom Gwand. Des hod an guadn Eindruck hinterlassn.“

Beim Schneider ließen sich die Leute früher nicht nur ihr Gwand nähen, dort liefen auch alle Fäden zusammen. Dort konnte das Neueste über Tratsch und Klatsch, Politisches und Privates in Erfahrung gebracht werden. Vor allem der Herrenschneider galt lange als gesellschaftliche Schlüsselperson, weil er den jungen Männern zu Ansehen und gutem Aussehen verhalf – mit Hilfe von Schulterpolstern und einem schnittigen Revers. Das kreative Geschäft der Schneider von früher erledigen heutzutage Designer und Kostümbildner. Doch Umsetzen muss das immer noch jemand, der das gute alte Handwerk erlernt hat – ein Schneider oder eine Schneiderin, Nicht nur Kleider machen Leute, sondern vor allem Schneider.   

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