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MdB Andreas Lenz (r.) hat Verkehrsminister Andreas Scheuer umgestimmt: Jetzt könnte es Verbesserungen beim A94-Lärmschutz geben.

Pilotversuch: Wartungstunnel unter der Fahrbahn zweier Querungen sollen gedämmt werden

Scheuer lässt bei A 94-Brücken nachbessern

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angekündigt, den Lärmschutz an der A 94 verbessern zu wollen – allerdings (vorerst) an nur zwei Stellen im Rahmen eines Pilotforschungsprojekts.

Es geht um die Wartungstunnel unter der Fahrbahn, die im Verdacht stehen, für einen unerwartet hohen Schallpegel zu sorgen. Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz (CSU) freut sich, dass sich die Beharrlichkeit von Anwohnern sowie Politik nun auszahlen könnte.

In einem dreiseitigen Schreiben an Lenz, das unserer Zeitung vorliegt, betont Scheuer erneut, dass die vor fast genau zwei Jahre in Betrieb gegangene Isentalautobahn zwischen Pastetten und Heldenstein ordnungsgemäß gebaut worden sei. Das hätten Lärmmessungen ergeben (wir berichteten). Die Anrainer hätten also keinen gesetzlichen Anspruch auf Nachbesserung. Allerdings räumt Scheuer ein, dass es in der Tat zu einer nicht absehbaren Lärmentwicklung vor allem an den Brücken komme.

Bekanntlich werfen die Anlieger der Isentalautobahn GmbH als Betreiber vor, beim Schallschutz gespart zu haben. Die transparenten Wände auf den Brückengeländern minderten den Lärm nur unzureichend. Im Bundesverkehrsministerium gibt man zu, dass Fahrbahnübergänge „nicht selten“ Krach erzeugten, auf der A 94 sei in diesen Bereichen deshalb ein schallschluckender Belag eingebaut worden.

Nun rückt eine andere mögliche Lärmquelle in den Fokus. Im Verdacht stehen die Wartungstunnel unter den Brücken. Es wird vermutet, dass die „Wartungsgänge als Resonanzraum schallverstärkend wirken“, heißt es in Scheuers Schreiben. Es bestehe eine direkte Kopplung. Dies gelte insbesondere für die Isental- und die Rimbachtal-, teils aber auch für die Lappachtal-, die Goldach- sowie die Grimmelbachbrücke. Derartige Wirkungen „waren bisher nicht bekannt“, gibt der Verkehrsminister zu.

Bei vorerst zwei Brücken soll im Rahmen eines Pilotforschungsprojekts „im Sinne einer statistischen Absicherung“ nachgebessert werden – für 2,2 Millionen Euro und auf freiwilliger Basis: bei der Isentalbrücke, weil sich an ihr die meiste Kritik entzündet, sowie an der Rimbachtalbrücke, da sie den kürzesten Abstand zur nächsten Bebauung aufweist.

Die Wartungsgänge sollen eingekapselt werden – ein Verfahren, das danach bundesweit angewendet werden könnte.

Konkret sind Lärmschutzmatten an der Unterseite der Fahrbahnübergänge vorgesehen. Damit könnte die Kopplung des Schalls gestoppt werden. „Von Bedeutung ist dabei, inwiefern es gelingt, einerseits die Schallenergie durch diese Einkapselung abzubauen und zum anderen den Resonanzraum zu isolieren, sodass eine Schallübertragung weitgehend verhindert wird“, heißt es in dem Papier. Dabei könnten verschiedene Konstruktionen angewandt werden, unter anderem solche, die schon auf dem Markt sind. Der Pilotversuch wird von Lärmmessungen flankiert – getrennt nach Lkw- und Pkw-Verkehr, deren Immissionsfrequenzhöhen sich unterscheiden.

Auch wenn sich Scheuer zum Zeitplan nicht äußert, erste vorbereitende Maßnahmen seien bereits angelaufen: Die – neue – Autobahn GmbH des Bundes (früher Autobahndirektion) sowie die Isentalautobahn GmbH hätten den Ist-Zustand bei der Lärmentwicklung an beiden Brücken bereits erhoben.

Lenz, der mit seinem Bundestagskollegen und Staatssekretär Stephan Mayer seit langem Verbesserungen fordert, erklärt, er freue sich, „in einem ersten Schritt erfolgreich gewesen zu sein“. Er erwarte eine Optimierung beim Lärmschutz. „Trotzdem werde ich weiter Verbesserungen fordern.“ Lenz spricht sich für ein automatisiertes Verkehrsleitsystem aus. Auch will er an den Lärmschutz-Grenzwerten rütteln. Sie sind ihm zu hoch.

ham

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