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Parlamentarier auf Zeit wurden 60 Dorfener Gymnasiasten beim „Planspiel Landtag“. Die Schüler hatten viel zu tun.

Gymnasium Dorfen

Schüler als Politiker

Für einige Stunden war das Dorfener Gymnasium Schauplatz einer politischen Bühne. Beim Planspiel „Der Landtag sind wir“ sind 60 Schülerinnen und Schüler in die Rolle von Parlamentariern geschlüpft.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Wie entstehen eigentlich unsere Gesetze im Landtag, wie läuft die Arbeit dort in den Ausschüssen ab, und wie sind fraktionsübergreifende Mehrheiten zu organisieren? Oder wie positioniert man sich im Plenum? All das sind Fragen, die an der Schule im Unterricht beantwortet werden sollen. Doch das Kultusministerium sieht nur eine Stunde Sozialkundeunterricht wöchentlich für Bayerns Gymnasiasten der 10., 11. und 12. Klassen vor. In den effektiv maximal 40 Minuten sollen Lehrer politische Bildung vermitteln, die heute in Zeiten von Politikverdrossenheit, Rechtspopulismus und EU-Feindlichkeit dringend nötig ist. Deutliche Worte fand dazu die Sozialkundelehrerin am Dorfener Gymnasium, Michaela Feß, am Rande des „Planspiel Landtag“ gegenüber unserer Zeitung. „Nur eine Stunde Sozialkunde für politische Bildung ist ein Armutszeugnis.“

Deshalb sei es ihr ein „großen Anliegen“ gewesen, außerhalb des normalen Unterrichts „was zu organisieren“, sagte Feß. Nach mehreren Versuchen gelang es der Lehrerin das Planspiel „Der Landtag sind wir – parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren“ ans Dorfener Gymnasium zu holen.

Eifrig Argumente ausgetauscht

Dabei können Schüler selber aktiv Politiker sein, Gesetze beraten und bis zur Entscheidung bringen. 60 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen durften sich als Parlamentarier versuchen. Bei dem landes- und bundesweit einzigartigen interaktiven Lernprojekt, entwickelt von der Forschergruppe Jugend und Europa im Auftrag des Bayerischen Landtags, schlüpfte jeder Schüler in die Rolle eines Landtagsmitglieds, samt verschiedenen Namen und beruflicher und persönlicher Vitas. Thema war die Schulreform. Das Gymnasium wurde quasi zum Landtag. Bevor sich die jungen „Parlamentarier“ zum Schlussplenum traf, tagten sie den ganzen Vormittag als „Landtagsfraktionen“ von CSU, Bündnis 90/Grüne, SPD und Freie Wähler in verschiedenen Räumen. Dort wurde harte Fraktionsarbeit geleistet und an Gesetzestexten und Änderungsanträgen gefeilt. Dazu wurden eifrig Argumente ausgetauscht, kontrovers diskutiert, um Formulierungen gerungen und Kompromisse gesucht.

Im Schlussplenum wurden dann die einzelnen Anträge abgestimmt, etwa ob das Sitzenbleiben abgeschafft werden soll, freiwilliges Wiederholen einer Klasse möglich sein soll oder Klassen an Grundschulen kleiner werden sollen. Zum Schlussplenum waren auch drei echte Landtagsvertreter gekommen. Benno Zierer (Umweltpolitischer Sprecher der Freien Wähler), Doris Rauscher (Sozial- und familienpolitische Sprecherin der SPD) und Rosi Steinberger (Sprecherin Verbraucherschutz, Tierschutz Bündnis 90/Grüne) stellten sich Fragen aus dem „Schülerlandtag“.

Alle drei Politiker waren zunächst der Auffassung, dass das Planspiel als „sehr sinnvolle“ Sache zur politischen Bildung beitrage und junge Menschen für aktive Politik interessiere. Das habe man auch bei den Dorfener Schülern spüren können. Die Fragen der Schüler an die Politiker waren ganz unterschiedlich, etwa zur 3. Startbahn am Flughafen. Dazu bezogen alle drei Abgeordneten klare Position gegen den Bau einer dritten Startbahn.

Für dritte Startbahn besteht kein Bedarf

Zierer sagte, „de braucht’s ned, es ist kein Bedarf da“. Es wäre viel besser „das Geld ins Bildungssystem zu investieren“. Steinberger sagte, leider habe Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) ja nicht kommen können. Sie sei persönlich gegen die 3. Startbahn und das gegen den Rest der Landtags-CSU. Scharf „darf quasi für CSU als Feigenblatt dagegen sein“. Zum Thema Sitzenbleiben und Wiederholung einer Klasse sagte Rauscher, die SPD plädiere für längeres, gemeinsames Lernen. Die Klassenstärke hält die SPD-Abgeordnetes „nach wie vor zu groß. Wir brauchen kleinere Klassen“.

Auch die Haltung zur Massentierhaltung wurde nachgefragt. Zierer meinte, „wir müssen weg von Haltungsformen, die nicht tiergerecht sind“. Man müsse versuchen, Lösung mit allen Beteiligten zu finden, was besser sei, als aufeinander einzuschlagen. Steinberger sagte, es könne nicht sein, dass ein Schwein nicht mehr als knapp einen Quadratmeter Fläche habe und Hühner und Puten „quasi aufeinander hocken“.

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