Gerhard Motschmannwird am Dienstag offiziell verabschiedet. Foto: Renner/Archiv

Motschmanns letzte Tage am Gymnasium Dorfen

„Die Schule ist gut aufgestellt“

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Dorfen – Zu seinem 60. Geburtstag wurde er vom Lehrerkollegium als „Lichtgestalt“ gewürdigt. Fünf Jahre später geht der Schulleiter des Dorfener Gymnasiums, Oberstudiendirektor Gerhard Motschmann, in Pension. Neun Jahre lang trug er am Gymnasium die Verantwortung. Am Dienstag wird Motschmann bei einer Feierstunde verabschiedet.

Eine „herausfordernde Zeit“ war es für ihn, sagt der angehende Pensionist rückblickend. Tief beeindruckt hat ihn das „breite Wohlwollen von Politik und Wirtschaft“ gegenüber der Schulgemeinschaft und seiner Person. Das habe die Arbeit „erheblich erleichtert“. Während der Zeit Motschmanns wurde das Gymnasium 2006/07 und 2015 zwei Mal erweitert. „Die Schule ist mit Raumflächen top ausgestattet“, sagt er.

Doch das Wichtigste waren dem Schulleiter immer die Schüler. Ihnen eine fundierte Bildung, umfassendes Wissen zu vermitteln und damit zu einer guten Persönlichkeitsbildung beizutragen, das stand für den Pädagogen stets im Fokus.

Motschmann weiß: „In früher Jugend wird die fundamentale Basis für Wissen und Kompetenzen angelegt. Das gilt auch, was die Offenheit anderer Kulturen gegenüber betrifft.“ Zentrales Anliegen sei dem Oberstudiendirektor daher immer gewesen, „Jugendlichen außer einem breiten Wissen auch ein gutes Wertesystem mitzugeben.“ Vor allem „zentrale Werte der Menschheit“ zu vermitteln, darin sieht Motschmann die Basis dafür, um möglichen Radikalisierungen von allen Seiten her früh entgegenzuwirken.

Die Gesellschaft, Eltern und das Lebensumfeld hätten sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Jugendliche bräuchten daher eine gute Kritikfähigkeit, um mit offenen Augen durch die Welt gehen und alles hinterfragen zu können.

Schulen würden längst auch erzieherische Aufgaben wahrnehmen. „Was früher das Elternhaus abdeckte, machen heute immer öfter die Schulen“, weiß Motschmann. Das Beispiel Paris etwa zeige, wie gefährlich es sei, wenn sich in einer Gesellschaft Subkulturen beziehungsweise Randkulturen bildeten. Dort seien viele Jugendliche sich selbst überlassen, und damit oft nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft. Doch wer ausgegrenzt werde, neige leichter dazu, Hass gegen die Gesellschaft zu entwickeln. Auch Deutschland müsse da aufpassen, „dass uns das nicht auch passiert“. Denn auch bei problematischen Schülern hierzulande zeige sich oft, dass eine Ursache dafür „die fehlende Herzenswärme“ in der Familie sei.

Motschmann ist froh darüber, dass ihm in seiner Zeit als Schulleiter in Dorfen „große, negative Erlebnisse Gottseidank erspart geblieben“ sind. Dass es dennoch auch einmal zu Problemen ihm Kollegium kam, hat für Motschmann nur einen Grund: „Bei mir standen immer die Schüler im Mittelpunkt, nicht das Personal. Manche konnten oder wollten diesen Weg so nicht mitgehen.“

Die Zukunft des Dorfener Gymnasiums sieht Motschmann positiv. Die Schule sei „gut aufgestellt“, und die „demografische Delle“ durch den Rückgang der Schülerzahlen werde in den nächsten Jahren durch den Zuzug behoben werden. Den Landkreis Erding sieht der Pädagoge, was die Unterstützung und Förderung der Schulen angeht, als einen der großzügigsten in ganz Bayern.

Vor dem Lebensabschnitt als Pensionist hat Motschmann keine Angst, sagt er. Er werde seine Freizeitaktivitäten verstärken und die Zeit genießen. Motschmann mag gerne in die Berge gehen, Segeln und liebt Opernmusik. „Ich freue mich auf die Zeit und bin dem Herrgott dankbar, dass ich gesund in den letzten Lebensabschnitt gehen kann“, erzählt er zufrieden.

Zum Landkreis Erding und der Stadt Dorfen will er eine intensive Bindung beibehalten. So will Motschmann etwa weiterhin im Arbeitskreis Bildung, Schule und Sport tätig sein. Dorfen hält der Pädagoge für eine liebenswerte Stadt. Er hofft inständig, dass in der Stadt „endlich einmal politische Ruhe einkehrt“ und sich die Verantwortlichen auf wichtige Herausforderungen wie etwa Verkehr und Wirtschaft konzentrieren.

Motschmanns Nachfolgerin am Gymnasium Dorfen wird Andrea Hafner, bis dato stellvertretende Leiterin des Korbinian-Aigner-Gymnasiums in Erding.

Anton Renner

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