Schnappschuss: Mit dem Handy gelangt einem Nachbarn von Hans Rampf ein Bild der Rehgeiß und ihrer drei Kitze.

Geiß mit drei Kitzen

Der Jäger und das Reh

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Das ist eine ganz besondere Geschichte über eine Beziehung zwischen Mensch und Tier. Seit fünf Jahren erfreut eine fast zahme Rehgeiß die Schwindkirchener. Jetzt gibt es einen Grund zum Jubeln: die Geiß hat drei Kitze bekommen.

Schwindkirchen – Wenn Jäger Hans Rampf vom Schwindkirchener Reh zu erzählen beginnt, dann klingt seine Stimme voller Begeisterung. Begonnen hat alles am Pfingstmontag 2015. Rampf kam am späten Nachmittag aus München zurück. Da stand an seinem Gartenzaun ein Reh, das nicht weglief. „Ich konnte mir das zwar nicht erklären, vermutete aber, dass das Reh aus dem etwa 50 Meter hinter meinem Haus liegenden Wald stammen müsste. Vielleicht waren in der Nähe ihre Kitze, weswegen sie nicht weglief, um diese zu beschützen“, erzählt der Jäger. Doch als Rampf dann die Autotür öffnete und ausstieg, lief das Reh doch weg in den Wald. Zunächst war die Sache damit erledigt. Zwei Tage später berichtete dann Rampfs Sohn, dass er vorhin im neuen Friedhof gewesen sei und dort ein Reh angetroffen habe, das gerade ein paar Blumen pflügte und nicht scheu war. Erst als er sich auf etwa 15 Meter näherte, lief das Tier durch das offene Zauntor davon.

Für den 69-Jähigen war nun klar, dass es sich hier nur um das Reh vom Pfingstmontag handeln konnte und das es nicht so scheu sein musste. Von nun an war die Rehgeiß fast jeden Tag zu sehen, erzählt Rampf begeistert. Sogar im Gemüsegarten des Pfarrers habe es sich bedient. Schnell wurde das Reh in Schwindkirchen bekannt und zum Gesprächsstoff.

Von Spätherbst an und über den Winter hielt sich das Tier im angrenzenden Wald auf. Rampf erzählt: „Doch wenn es Frühjahr wurde, tauchte es wieder auf, meist Anfang Mai und es war hochtragend, das heist es hatte Kitze im Bauch. Manchmal eins, manchmal auch zwei.“ Rampf kümmete sich all die Jahre darum, die Kitze bei der anstehenden Grasmahd zu schützen. Immer einen Tag vor der Mahd stellte er Scheuchen auf, erzählt er, um die Rehgeiß von der Wiese zu vergrämen und ihre noch im Gras befindlichen Kitze durch Fipen (das ist ein besonderer Ruf der Geiß), aus der Wiese zu locken. Rampf: „Bei einem zahmen Reh hilft das aber nichts, da es von der Scheuche keine Angst hat und es somit nicht funktioniert. Also suchte ich mir in meiner Nachbarschaft Leute, die mit mir die Wiese unmittelbar vor der Mahd absuchten und die Kitze aus der Wiese entfernten. Das geht aber nur indem man die Kitze nach Möglichkeit mit einem Grasbuschen umfasst, nicht mit der blosen Hand, den sonst besteht die Gefahr das es vom Muttertier wegen des Menschengeruchs nicht mehr angenommen wird.“

So vergingen inzwischen fünf Jahre. Und viele freuten sich darauf, im Frühjahr wieder das Reh zu sehen. Doch heuer hat es ein ganz besonderes Erlebnis gegeben. Die Rehgeiß tauchte erst Ende Mai auf – und hatte keine Kitze dabei. Doch vor einigen Tagen wurde Rampf ganz nervös. „Mein Nachbar hat mich angerufen und gesagt, schau mal aus dem Fenster, die Geiß ist gerade wieder da.“ Rampf traute seinen Augen nicht: „Sein“ Reh war da – und hatte drei Kitze dabei. Rampf überschwänglich: „So etwas ist einmalig in der Natur und kommt höchst selten vor.“

Rampf sorgt sich nun um die Sicherheit der Tiere. Er hat inzwischen ein Schild aufgestellt und verweist auf die zahme Rehgeiß mit ihren drei Kitzen. Die Hundebesitzer bittet der Jäger, ihre Tiere an der Leine zu lassen. Denn eines ist für Rampf wichtig: Der Geiß und ihre drei Kitzen darf nichts passieren. So könnte Schwindkirchen weiter ein Reh-Ort mit einem zahmen Reh bleiben. Und das sicher nicht nur zur Freude von Hans Rampf.

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