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Nachruf auf Josef Aigner: Sein Leben war die Bahn

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Von: Anton Renner

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„Herr Aigner, wir vermissen dich so“: Im DB-Reisezentrum Dorfen wird mit einem Bild des Verstorben an ihn gedacht.
„Herr Aigner, wir vermissen dich so“: Im DB-Reisezentrum Dorfen wird mit einem Bild des Verstorben an ihn gedacht. © Anton Renner

Er verkörperte wie kein anderer jahrzehntelang die Bahn in Dorfen: Der Bundesbahnbeamte Josef Aigner ist überraschend im Alter von 61 Jahren verstorben.

Dorfen - „Da musst zum Aigner gehen“. Das war der Standardsatz, wenn jemand von Dorfen aus in Deutschland oder Europa mit der Bahn verreisen wollte und Wert auf einen perfekten Fahrplan und den günstigsten Ticketpreis legte. „Der Aigner“ vom Dorfener Bahnhof war Jahrzehnte lang Kult. Jetzt ist der Bundesbahnbeamte Josef Aigner im Alter von 61 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.

Sein Leben könne man mit einem Satz beschreiben: „Sein Leben war die Bahn“, sagt seine Schwägerin Rosmarie. Geboren wurde Aigner als zweites Kind seiner Eltern Johann und Anna Aigner in Dorfen. Aufgewachsen ist er mit seinem Bruder Hans auf dem elterlichen Anwesen in Oswaldberg. Nach dem Besuch der Haupt- und später der Realschule begann Aigner 1977 seine Ausbildung bei der Deutschen Bahn. Bis zu seinem Tod blieb er der Bahnfamilie treu und war am Reisezentrum in Dorfen tätig.

Mit Leidenschaft war Aigner für die Kunden da. Und der Stress in dem kleinen DB-Reisecenter konnte noch so groß sein, er war freundlich und zuvorkommend, nahm sich viel Zeit für die Beratung. „Er war die Ruhe in Person“, sagen Kunden. Auch deswegen war er beliebt.

Wie sehr er Wertschätzung genoss, zeigen unter anderem über 120 Kommentare unter einem Post auf der Dorfen-Seite bei Facebook. „Herr Aigner hat mein negatives Bild vom Bahnbeamten gehörig positiv zurechtgerückt“, ist dort von einer Userin zu lesen. Ein anderer kommentiert: „Geht uns zu Herzen und tut uns unendlich leid. Ein herzensguter, freundlicher, unheimlich hilfsbereiter Mitmensch ist da gegangen.“ Und eine Frau aus Erding bekennt, dass sie bei anstehenden Bahnreise nach Dorfen gefahren ist, weil Aigner „so nett und gut beraten hat“.

2008 bekam Aigner eine unerwartete Ehrung. Er wurde mit dem Umweltpreis der Stadt Dorfen ausgezeichnet. In der Begründung hieß es, er habe in seiner Eigenschaft als äußerst kompetenter Berater am Fahrkartenschalter der Bahn im Dorfener Bahnhof „einen großen Beitrag zur CO2-Minderung geleistet“. 2016 wurde der Verstorbene auch von seinem Arbeitgeber ausgezeichnet. Im Wettbewerb „Reisezentrum des Jahres“ schaffte Aigner bundesweit den dritten Platz. „Er gibt dem Dorfener Bahnhof seit vielen Jahren ein Gesicht“, wurde der Bahnbeamte in der Begründung umschrieben.

SPD-Stadtrat Heiner Müller-Ermann, der selbst oft mit seiner Familie mit der Bahn verreist ist und Aigners Kompetenz schätzte, bringt es auf den Punkt: „Ach, ihr DB-Obermanager in eurem Berliner Glaspalast, die ihr uns andauernd mit irgendwelchem Marketing-Geseier nervt und gleichzeitig Bahnhöfe und Strecken verkommen lasst. Von unserem Mann am Dorfener Bahnhof hättet ihr lernen können, wie man mit Leidenschaft und Fachwissen den Kunden, und damit auch der Bahn, Gutes tut.“

Die Bahn war Aigners große Leidenschaft. Doch er hatte auch noch eine zweite: die Landwirtschaft. Sein Bruder Hans, dessen Frau und deren Töchter, das war Aigners Familie. Für die war er da. Er half in der Landwirtschaft in Oswaldberg mit, als ob es sein eigener Bauernhof gewesen wäre. Das war seine Freizeitbeschäftigung. Mit dieser Familie unternahm er manchmal auch Ausflüge oder ging mit ihnen zum Essen.

Ansonsten war der Verstorbene zuhause glücklich. Aigner war in keinem Verein, ging auch nicht zum Wirt. Josef Aigner war, wie es in Bayern anerkennend heißt, „ein fleißiger, kreizbraver Mo“, wie die Schwägerin des Verstorbenen sagt.

Mit seinem Tod hat niemand gerechnet. Zumal er nicht an einer schweren Krankheit litt. Er brach zuhause plötzlich bewusstlos zusammen. Im Krankenhaus ging es ihm rasch wieder besser. Die Ärzte waren zuversichtlich, Aigner auch. In der Nacht ist er dann aber plötzlich verstorben. Seine letzte Ruhe hat der Verstorbene im Friedhof in Schwindkirchen gefunden.

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