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Musizierende Musketiere: Mit glänzend blauem Umhang und Federhüten tritt der Isentaler Schalmeien-Express seit 20 Jahren auf. Gründerin Christel Rudoph (vorne, 2. v. r.) übergibt am Sonntag beim Grasmarkt das Zepter des Spielleiters an Manfred Eberl (3. v. l.). Außerdem dabei: Lilo Sammer, Frank Rudolph, Michaela Meier, Kevin Theiß, Hubert Linner, Doris Klemm, Mario Robert, Steffen Lorenz, Vale Stummer, Franz Güntner, Gabi Heimann, Gitti Grichtmaier, Hildegard Braun, Christa Wimmer, Annegret Holzer, Angelika Schwarzenböck, Sonja Eberl, Christine Pfaller, Franziska Klemm und Andreas Klemm. Nicht auf dem Bild: Annelie Dörfler, Elisabeth Auer, Martina Lechner, Daniel Knoch und Kevin De Oliveira. 

Seit 20 Jahren sorgt der Isentaler Schalmeien-Express für Stimmung

Schöner die Hupen nie klingen

Sie sehen fast aus wie Musketiere mit ihren Federhüten und blauen Umhängen. Und sie spielen auf Martinshörnern. Der Isentaler Schalmeien-Express ist bekannt für seine eher „schrägen“ Töne und die gute Stimmung, die er verbreitet. Am Sonntag, 19. Mai, feiert er sein 20-jähriges Bestehen.

VON BIRGIT LANG

Dorfen–  Im Mai 1999 hat Christel Rudolph den Schalmeien-Express in Dorfen gegründet. Sie stammt aus dem Schwäbischen, wo es mehrere solcher Gruppen gibt. In Oberbayern sind die Isentaler einzigartig. Rudolph brachte die ungewöhnlichen Instrumente aus ihrer Heimat mit. Sie stammen aus dem Nachlass eines aufgelösten Vereins und waren das beste Startkapital. Denn eine Schalmei kostet bis zu 2000 Euro und wiegt zwei bis drei Kilo.

„Im Prinzip machen wir Musik mit Lastwagenhupen oder Feuerwehr-Signalhörnern. Wir haben bloß mehrere Einzelteile mit verschieden großen Martinshörner dran, die verschiedene Töne erzeugen“, erklärt der stellvertretende Spielleiter Manfred Eberl aus Hinterbaumberg. „Diese Musik ist Geschmackssache“, gibt er zu. Aber in der Gruppe zu spielen, mache viel Spaß, denn alle seien gut drauf. Zwischen 15 und 82 Jahre alt sind die Mitglieder, die aus dem ganzen Landkreis und angrenzenden Gemeinden stammen. „So ist zum Beispiel unser Trommler Vale (82) aus Albaching“, sagt Eberl.

Neueinsteiger können schnell musikalischen Erfolg haben und oft schon nach zwei, drei Monaten bei Auftritten mitmachen. Denn der Isentaler Schalmeien-Express spielt nach Zahlen. Jedes Instrument hat eine Breite von acht Tönen. Verschiedene Stimmlagen in der Gruppe ergeben das Lied. „Wir legen mehr Wert auf Melodien“, erklärt Eberl. Seine Frau Sonja spiele die „erste Stimme in der Gruppe und die erste Geige daheim“.

Von Schlagern über Rock’n’Roll und Pop bis Walzer hat die Formation alles im Repertoire. 60 Lieder. Sogar an Beethovens Fünfte hat sich der Schalmeien-Express schon gewagt, zumindest an die Anfangstöne als Showeinlage. „Engagieren kann man uns für alles: Hochzeiten, Gartenfeste, Einweihungsfeiern, Grillpartys oder Maibaumaufstellen. Wir sind immer gut für eine Überraschungseinlage“, sagt Eberl.

Oft sind die Isentaler bei Faschingsumzügen unterwegs, auch bei der Proklamation der Karnevalsgesellschaft Dorfen spielten sie schon auf. Beim Dorfener Stadtlauf feuern sie die Teilnehmer lautstark an. „Das kommt immer sehr gut an. Ein Vorteil der Kapelle ist: „Wir brauchen bei unseren Auftritten keinen Strom und sind energieunabhängig. Nur ein bisschen Beleuchtung zum Zahlenlesen wäre gut.“ So hat der Schalmeien-Express schon bei so mancher Panne einspringen können und die stromlose Zeit für andere Bands überbrückt.

Es muss auch nicht immer die komplette Gruppe mit 25 Leuten gebucht werden. „Wir treten auch in kleineren Rudeln auf“, sagt Eberl. Drei Trommler und zwei Pauker sind im Team, allerdings immer dabei. Dafür gibt es Springer, die auch schlagwerken können. Das Outfit der Musikanten ist stets ein Blickfang: blaue Hüte mit weißen Straußenfedern, blaue glänzende Umhänge, weiße Blusen und schwarze Hosen. Bei manchen Anlässen treten die Isentaler legerer nur mit blauem Hemd, Bluse und schwarzer Hose auf.

Eberl ist seit August 1999 dabei. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde er Vorsitzender. Der Akkordeonspieler war Gast beim ersten Auftritt der Truppe und begeistert. „Ich war fasziniert von der Einfachheit, wie man Musik machen kann, und der Gaudi, die sie gehabt haben.“

Dabei stellt Eberl klar: „Wir sind kein Kasperlverein. Uns ist die Musik schon wichtig – auch, dass sie anders ist als die anderer Schalmeien.“ Ihre Auftritte führten die Isentaler schon nach München oder Thüringen. Eberl siegt den Schalmeien-Express „als Einlage, nicht als abendfüllende Musikunterhaltung, weil irgendwann dapackst es nimmer“.

Nicht jedes Stück ist spielbar, weil es auf den Schalmeien keine Halbtöne gibt. Bisher hat Christel Rudolph die Lieder umgeschrieben. Jetzt versucht sich ihr Stellvertreter und künftiger Nachfolger daran. Der 42-Jährige ist von Beruf Fachkraft für Flugzeugabfertigung am Airport. In Maria Thalheim kennen ihn viele aus seinen Sketchabenden, in Hinterbaumberg durch seine selbst geschriebenen Theaterstücke.

Beim Dorfener Grasmarkt am Sonntag, 19. Mai, will sich der Verein mit einem Stand und einer Diashow auf zwei großen Bildschirmen präsentieren und die Vereinsgeschichte in Bildern Revue passieren lassen. Zusammengestellt hat diese der 2. Vorsitzende Frank Rudolph. Drei Mal – um 11, 13 und 15 Uhr – wird der Isentaler Schalmeien-Express sein musikalisches Repertoire für 45 Minuten vorstellen. Das Programm beginnt mit einer musikalischen Weltreise. Dabei wird Christel Rudolph das letzte Mal als Spielleiterin fungieren. Sie will sich sozialen Projekten widmen und übergibt das Zepter an diesem Tag offiziell an Eberl. Dem Verein bleibt die Gründerin weiterhin erhalten. Im zweiten Programmteil begibt sich die Formation auf eine musikalische Zeitreise, die 1973 beginnt.

Neumitglieder sind beim Schalmeien-Express stets willkommen. Interessierte schauen einfach dienstags bei den Proben von 20 bis 22 Uhr in der Grundschule St. Wolfgang vorbei. Notenkenntnisse sind nicht nötig. „Spätestens nach der zweiten Probe kann jeder ein Lied spielen“, verspricht Eberl. Die Instrumente stellt der Verein gegen eine Leihgebühr zur Verfügung.

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