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Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Profi-Auktionator Sepp Mittermeier (l.) brachte die Fundsachen an die Meistbietenden unters Volk.

Fundsachen-Versteigerung beim Volksfest

Sepp Mittermeier bringt auch "Anrüchiges" unter die Leute

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Dorfen - Wenn er spricht, prasseln seine Worte auf die Zuhörer nieder wie eine Salve aus einem Maschinengewehr. Der Dorfener Auktionator Sepp Mittermeier ist ein Phänomen. Heute Mittag hat er beim Dorfener Volksfest mehr als 300 Fundsachen des Flughafen München an den Mann, die Frau gebracht. Darunter auch skurille und etwas anrüchige Dinge.

"5, 10, 15, 20, 25, 30, ...", hallt es durch die Festhalle, als Mittermeier die Versteigerung zelebriert. Es gibt nichts, was er nicht unter die Leute bringen kann. An diesem Nachmittag sitzen an die 600 potentielle Käufer und Neugierige in der Festhalle, die sich an der Versteigerung von Fundsachen am Münchner Flughafen erfreuen. Schöne Dinge sind dabei, wie Armbanduhren, Ringe und Halskettchen. Aber auch Laptops, Handys, Fotoapparate und Videokameras gehen weg wie die warmen Semmeln. Es ist die 75. Versteigerung des Flughafens, seit er im Erdinger Moos heimisch geworden ist, sagt Josef Rankl, der Leiter des FMG-Flughafenfundbüros. 

Da müssen auch Autionator und FMG-Mitarbeiter lachen: Im Angebot sind Handschellen, Peitsche, Halsband, Höschen und Corsage.

Sepp Mittermeier ist seit 30 Jahren Auktionator, seit zehn Jahren versteigert er die Fundsachen des Münchner Flughafens. Inzwischen ist er über 70, und dass er seinen Beruf liebt, ist nicht zu übersehen und zu überhören. Wenn Mittermeier in Aktion ist, kann auch gelacht werden. Er ist ein Entertainer. "Sie wollen doch damit nicht ihren Bart schneiden", ruft er dem bärtigen Mann zu, der gerade für 40 Euro eine Motorsäge ersteigert hat. "Eine Motorsäge?, wie kann man so etwas am Flughafen verlieren?", fragt ein Mann am Nachbartisch in die Runde. Doch das ist nicht die einzige, sonderbare Fundsache. Im Angebot sind auch Gehstöcke, Badesachen, ein Dampfbügeleisen, ein Feuerlöscher, ein Beatmungsgerät, eine Anhängerkupplung und Überraschungskoffer. Der Flughafen scheint ein wahrer Ramschladen zu sein. Ein Raunen geht durch die Halle, als der Auktionator ein "Erotikpaket" anpreist. Handschellen, Peitsche, Halsband, Höschen und Corsage kommen unter den Hammer. Fünf Euro ist der Startpreis. 

Gut gelaufen: Der siebenjährige Tommi mit seinem Opa Christian sind mit der Versteigerung zufrieden.

Zunächst zögern die Leute in der Halle, ein Gebot abzugeben. "Da traut sich wohl jetzt niemand", frotzelt Mittermeier. Doch dann streckt die erste Dame die Hand in die Höhe – zehn Euro will sie für das anrüchige Paket ausgeben. Mittermeier ist das nicht genug. "Die Dinge sind doch mehr wert, die machen Spaß", preist er die Ware an. Den Zuschlag erhält dann - auch zur Überraschung des Auktionators - der siebenjährige Tommi Ellinger aus Vilsbiburg. 40 Euro bezahlt er, respektive sein Opa Christian dafür. Mittermeier ist baff: "Na ja, vielleicht spielt der Bub damit, oder der Opa kann es brauchen ..." Tommi steigert an diesem Tag übrigens noch mehr Dinge: unter anderem Badesachen.

Am Ende hat der Dorfener Auktionator alles unter die Leute gebracht. Mehr als 10.000 Euro dürften es sein, die durch die Versteigerung eingenommen wurden. Den Reinerlös aus der Versteigerung stellt die FMG für soziale Zwecke in Dorfen zur Verfügung. Wer genau Geld bekommt, das wird mit der Stadt noch geklärt.

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