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2018 kam auch Shishuis Bürgermeister Yasuhisa Konsaka (sitzend, r.) mit einer Delegation nach Dorfen und trug sich im Beisein von Bürgermeister Heinz Grundner (sitzend, l.), Mitgliedern des Stadtrates und Andrea Hafner (l.), Schulleiterin des Gymnasiums, ins Goldene Buch der Stadt ein.

Gegenbesuch in Japan

Shisui, Shisui, wir fliegen nach Shisui

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Trotz der Widerstände im Stadtrat und des nur mit einer Stimme Mehrheit denkbar knappen Ergebnisses für einen Gegenbesuch in Shisui wird im Oktober doch eine Delegation aus Dorfen nach Japan fliegen.

Dorfen – „Es ist zwar nur eine knappe Mehrheit, aber es ist eine Mehrheit“, sagte Bürgermeister Heinz Grundner auf Anfrage unserer Zeitung. Die Fraktionen im Stadtrat werden noch diese Woche aufgefordert, jemanden aus ihren Reihen zur Teilnahme an der Reise zu benennen.

Nach dem knappen Beschluss im Stadtrat hatte Grundner zunächst in Frage gestellt, ob man der Einladung von Shisuis Bürgermeister Yasuhisa Konsaka folgen und im Oktober an der Feierlichkeit zum 130-jährigen Jubiläum der japanischen Kleinstadt teilnehmen werde. Mit Shisui, das 50 Kilometer östlich von Tokio liegt, bestehen seit 2014 Kontakte. Fünf Mal schon waren offizielle Delegationen aus dem Land der aufgehenden Sonne in Dorfen. Zwischen dem Gymnasium Dorfen und Shisui gibt es bereits eine Schulpartnerschaft. Zwischen Dorfen und Shisui ist auch eine Städtepartnerschaft im Gespräch.

Weißblaue Herzlichkeit: Die Schule in Shishui hat einen Schaukasten mit Gastgeschenken des Dorfener Gymnasiums ausstaffiert.

Die Entscheidung für eine Reise nach Shisui begründete Grundner damit, dass die Argumentation mancher Gegner der Flugreise, dass dies aus Klimaschutzgründen „unverantwortlich“ sei, „unehrlich ist“. Er wisse beispielsweise von einigen Vertretern der Grünen im Stadtrat, die gegen die Reise gestimmt hätten, dass diese sehr oft mit dem Flugzeug unterwegs seien. Zu den 15 000 Euro, die im Haushalt für die Reise eingeplant sind, rechnete Grundner vor, „dass dies nicht einmal 0,5 Promille vom Gesamthaushalt sind“. Im übrigen werde sowohl er als auch die mitreisenden Stadträte „einen hohen Eigenanteil an den Reisekosten übernehmen“. Lediglich die zur Delegation zählenden Mitarbeiter der Rathausverwaltung und die mitreisende Dolmetscherin müssten nichts bezahlen.

Vertreter von Grünen und SPD werden nicht nach Japan mitfliegen. Dies haben die beiden Fraktionen bereits im Stadtrat erklärt. Wie berichtet, war es wegen der Japan-Reise im Stadtrat zu einer heftigen Diskussion gekommen. SPD, Grüne und ein Teil der Landliste halten den Gegenbesuch aus Klimaschutzgründen für „unverantwortlich“. SPD-Rat Heiner Müller-Ermann hatte vorgerechnet, dass jeder Teilnehmer der Flugreise über sechs Tonnen CO2 emittiere. Wenn aus dem Gegenbesuch eine Städtepartnerschaft werde, dann würde künftig noch viel mehr geflogen. „Wir beschließen dann ein Anheizen des Flugverkehrs.“ Landlistensprecher Martin Heilmeier lehnt eine Reise sowohl aus Gründen des Klimaschutzes ab, als auch deswegen, weil seiner Meinung nach eine Städtepartnerschaft auf 10 000 Kilometer Distanz nicht funktionieren könne. Als „Höflichkeitsbesuch“ sei die Reise „total überflüssig“. Er plädierte lieber für eine Städtepartnerschaft im Umfeld, etwa in Kärnten.

Mittlerweile hat sich auch Grünen-Fraktionssprecherin Ursula Frank-Mayer nochmals zu Wort gemeldet. „Ich finde es für die jungen Leute des Gymnasiums Dorfen in Ordnung, dass sie die Welt erkunden wollen und sich für fremde Kulturen interessieren. Aber es ist doch nicht die Aufgabe von einzelnen StadträtInnen, mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt und somit aus dem ,Steuertopf‘ nach Japan zu reisen. Und für einen ,Höflichkeitsbesuch‘ ist mir die Umweltbelastung zu groß,“ argumentierte sie gegenüber unserer Zeitung. Für Frank-Mayer gilt: „In der Funktion als Mitglied des Stadtrates braucht es keinen Höflichkeitsbesuch, der mit einer Fernreise verbunden ist.“ Es sei in der Diskussion im Stadtrat auch nicht klar geworden, welchen Nutzen die Stadt Dorfen und somit die Bürgerinnen und Bürger von dieser Reise haben sollen. Das Gymnasium mache den Schüleraustausch mit Japan auch ohne den Stadtrat, „das ist also kein Argument“, so Frank-Mayer.

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