Die Volksfestumzüge früher waren prächtig. 1926 etwa zogen Hella Schmied und Karl Prechlt als Rokokoschäferpaar mit.

140 JAHRE VOLKSFEST

Sonderzüge brachten tausende Besucher

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Dorfen - Mit dem traditionellen O’zapfa gibt Bürgermeister Heinz Grundner heute den Startschuss für das 140. Dorfener Volksfest. Früher war das Volksfest ein Besuchermagnet, das Menschen aus dem weiten Umkreis nach Dorfen brachte. Die Bahn setzte sogar Sonderzüge ein.

Das Bachmayersche Festzelt 1903.

Die ersten Presseberichte über das Volksfest, das früher nur im achtjährigen Rhythmus stattfand, finden sich im Jahr 1903 in der Dorfener Zeitung, dem heutigen Dorfener Anzeiger. Die Bahn setzte an den beiden Volksfesthaupttagen am Wochenende sechs Sonderzüge ein, heißt es in dem Bericht. Alleine am Sonntag kamen mit der Bahn 4000 Menschen nach Dorfen, um zu feiern. Am Volksfestumzug damals nahmen über 10 000 Menschen teil. Das lag auch daran, weil „das Volksfest von allerbestem Wetter begünstigt“ war, wie es heißt. Doch gutes Wetter zur Volksfestzeit war offenbar eher die Ausnahme.

1931 wurde beim Volksfest für Buben ein Zweiradwettrennen veranstaltet.

1912 ist zu lesen, dass das Volksfest „in der Aufmachung ungleich größer“ als das 1903 war, von den Besucherzahlen her dagegen „ungleich schwächer“. Der Autor des Artikels schreibt dazu: „Die Schuld trug das Wetter. Die Bahn hatte für den Haupttag acht Sonderzüge vorgesehen, doch vergessen den Verkehr dort zu verstärken, wo er trotz des strömenden Regens am stärksten war, auf der Veldener Bahn. Schließlich verlängerte man das Volksfest bis zum 15 September. Aber die Verlängerung vermochte nichts mehr zu retten.“ Eigentlich hätte das Fest ja turnusgemäß ja eigentlich bereits im Jahr zuvor, also 1911, abgehalten werden sollen. Da war es vom Wetter her auch wunderschön. „Im trockenen heißen Jahr 1911 hätte es seine Vorgänger wohl alle weit übertroffen“, schreibt der Chronist. „Doch die ausgedehnte Verbreitung der Maul- und Klauenseuche machte die Abhaltung der Tierschau, den Hauptpunkt des Festes, unmöglich.“ Die Zeichen für das Volksfest 1912 standen von Anfang an nicht gut. „Der bereits fünf Wochen andauernde Regen gestaltete von Anfang an die Aussichten für das Fest recht trüb. Aber es kam noch schlechter, als man erwartet hatte. Am Hauptsonntag hellte sich das Wetter ein kleinwenig auf, so dass wenigstens der Festzug abgehalten werden konnte. Aber bald danach stürzten wieder wilde Regengüsse hernieder und die Katastrophe war fertig, das Hochwasser kam und bereitete den Wiesenfreuden ein schnelles Ende, der Marktgemeinde viel Sorgen uns allen Beteiligten erhebliche Schulden“, heißt es in der Rückschau.

1931 wurde beim Volksfest für Buben ein Zweiradwettrennen veranstaltet.

Auch das folgende Volksfest 1919 stand unter keinem guten Omen. „Das Jahr 1919 war aber das trübste der Bayrischen Geschichte. So ist nun die doppelte Frist verlaufen. Der bisherige Witterungscharakter des Jahres möchte vielleicht abratend stimmen. Aber heiterer Sinn und froher Mut sind zu allen Dingen gut und noch ist auf Regen der Sonnenschein gefolgt. Das Ausmaß des Volksfestes von 1912 wird ja nicht erreicht werden können. Das liegt aber nicht bei den Veranstaltern, sondern in den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen. Wir sind durch die blödeste der Revolutionen, die die Welt je gesehen hat, um 20 Jahre in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeworfen. So wird das diesjährige Volksfest wieder ziemlich dem vorletzten gleichen. Wenn es ihm auch im Wetter gleicht, dann können wir vollauf zufrieden sein“, schreibt der Chronist.

Noch heute gilt das Dorfener Volksfest als eine Art „Wetterstation“. Mit der Wies’n sagt meist auch der Sommer adé, dann beginnt in Dorfen nicht selten der Herbst mit Nässe und Nebelschwaden.

In diesem Jahr begeht nicht nur das Volksfest mit 140 Jahren ein Jubiläum, auch die Festwirte können feiern. Robert Eicher, Ernst Hennel sowie Peter und Ilse Klotz, die in der ProstMahlzeit GbR zusammengeschlossen sind, bewirten zum zehnten Mal in Folge das Volksfest Dorfen. Als Rekord-Festwirtin steht aber Irmi Springer in der Geschichte der Wiesn einsam an der Spitze. Sie bewirtete erstmals 1961 das Volksfest und schaffte es insgesamt 33 Mal als Festwirtin in Dorfen tätig zu sein. Georg Mayer aus Eibach bewirtete sechs Mal das Volksfest. Weitere Festwirte waren die früheren Wirte Richard Widl (Soafa), Anton Platschka (Lebzelter), Hermann Siegner (Wailtl), Ilse Roidinger und Hans Reinhardt sowie Betty Schubert und „Muck Hartl“. Das Dorfener Volksfest hat aber vor allem in den vergangenen zehn Jahren unter der Bewirtung der ProstMahlzeit GbR deutlich an Attraktivität gewonnen. Denn sowohl in die Dekoration der Festhalle als auch in die Gestaltung des Außenbereichs wurde viel investiert.

Interessant auch ein Blick auf den Bierpreis. 1973 kostete die Festmaß 2,50 Mark. In diesem Jahr 6,90 Euro.

Das Volksfestprogramm der Jubiläums-Wiesn und mehr zum 140. Dorfener Volksfest finden Sie in der heutigen Printausgabe des Erdinger/Dorfener Anzeiger auf drei Sonderseiten.

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