Zwei Künstler mit Wurzeln in Siebenbürgen: Komponist Andreas Begert (l.) und Filmemacher Holger Gutt. f.: mhe
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Zwei Künstler mit Wurzeln in Siebenbürgen: Komponist Andreas Begert (l.) und Filmemacher Holger Gutt.

Dokumentarfilm

Spurensuche in Siebenbürgen: Doku-Film mit Musik aus Dorfen

Der Dorfener Musiker Andreas Begert hat die Filmmusik zu „Sehnsucht nach einer unbekannten Heimat“ komponiert. Am Sonntag ist Premiere.

Dorfen – Die Sehnsucht nach Heimat ist groß. Doch wo ist Heimat eigentlich? Dieser Frage geht Holger Gutt in seinem Film „Sehnsucht nach einer unbekannten Heimat“ nach. Die Filmmusik kommt vom Dorfener Komponisten Andreas Begert. Beide haben familiäre Wurzeln im rumänischen Siebenbürgen. Das Werk feiert am 11. Juli im Arri-Kino in München Premiere.

Über die gemeinsame Arbeit beim Pop-Rap-Musikprojekt „Mundhaarmonika“ lernten sich Begert und Gutt kennen. Der Filmemacher habe bei einigen Videoproduktionen der Gruppe gedreht, erzählt der Musiker. Durch gemeinsame Tourneen und Erlebnisse hätten sich die beiden mit der Zeit sehr gut kennengelernt.

Zunächst wollte Begert eigentlich nur einen Song liefern, als er aber den Streifen sah, wusste er, „der Film, eine Mischung aus Roadmovie und Dokumentation, entspricht mir total“.

Zumal seine Urgroßeltern, wiederum die Eltern von Altlandrat Xaver Bauer, selbst aus Klausenburg, dem heutigen Cluj-Napoca in Rumänien stammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von dort vertrieben und kamen letztlich nach Erding. „Als ich ein Bub war, erzählten sie viel von früher, von der Flucht und der Heimat in Siebenbürgen“, erinnert sich der 31-jährige Dorfener.

Begert begann nachzudenken. „Wo ist eigentlich meine Heimat? Dort, wo die Leute sind, die man gern hat“, philosophiert er. Dass Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl ist, habe er schon als Bub gemerkt, als seine Eltern sich trennten. „Mein Vater lebte in Passau, ich bin hin- und hergeswitcht.“ Nun sei aber Dorfen seine Heimat, auch wenn er sich durchaus vorstellen könne, später einmal in Hamburg zu leben. „Gerade jetzt, während der Pandemie, habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, hier in Dorfen verwurzelt zu sein“, sagt er.

Im Film „Sehnsucht nach einer unbekannten Heimat“ geht Regisseur und Protagonist Holger Gutt mit seinem Vater auf Spurensuche im rumänischen Siebenbürgen, dem Land ihrer Vorfahren. Vor 40 Jahren kam die siebenbürgisch-sächsische Familie Gutt nach Oberbayern. Für Holger Gutt, der in Erding geboren und in Markt Schwaben aufgewachsen ist, war die Reise nach Rumänien vor allem eine Suche nach den eigenen kulturellen Wurzeln.

Denn trotz aller Liebe zur bayerischen Kultur, wollte aus Gutt kein Bayer werden. „Eine Lederhose anzuziehen, hätte sich für mich wie eine Verkleidung angefühlt. Der kulturelle Nachhall meiner Vorfahren wirkt wohl so stark auf mich ein, dass mein Herz bis heute auf irgendeine Art und Weise mit dieser Kultur verbunden ist“, sagt er über sein Filmprojekt. „Und ich wollte mit meinem Vater unterwegs sein.“

Dabei stehen Fragen nach dem Wesen von Identität, Heimat und Zugehörigkeit im Fokus der Dokumentation. Themen, die eine universale Geschichte hätten, die auch Personen ansprechen, „die nichts mit Siebenbürgen zu tun haben“, meint Begert.

Die Musik, die den Film trägt, sei „sehnsüchtig und wehmütig“, beschreibt der Komponist seine Songs. Eine emotionale Musik, oft sei nur eine Geige oder das Klavier zu hören: „Ganz roh, ganz schlicht.“

Nach Abschluss des Filmmusikprojekts widmet er sich jetzt wieder seinem Bayerischen Oratorium, das im Mai 2022 im Münchener Herkulessaal uraufgeführt wird. 70 Minuten Musik habe er schon geschrieben, 30 Stimmen für das Sinfonieorchester, hinzu kämen viele Solisten. Ein episches Werk: „Gerade jetzt, nach der Pandemie, will ich die Menschen motivieren – ich mag ohnehin schöne Melodien und keine Dissonanzen“, erklärt der Künstler. Auch das Oratorium sei „keine abgefahrene Musik“, sondern erinnere eher an Filmmusik.

„Sehnsucht nach einer bekannten Heimat“ kommt möglicherweise auch ins Dorfener s’Kino: „Da stehen gerade Gespräche an, in die ich aber nicht involviert bin“, verrät Begert.

MICHAELE HESKE

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