Dämpfer für deutsch-japanische Freundschaft 

Stadtrat geht wegen Japan-Flug in die Luft

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Große Weltpolitik im beschaulichen Dorfen: Wegen der geplanten Reise einer Delegation der Stadt nach Shisui in Japan ist es im Stadtrat zu einer heftigen Diskussion gekommen.

Dorfen – Vor allem Landlisten-Fraktionschef Martin Heilmeier, SPD und Grüne bezeichneten es aus Gründen des Klimaschutzes als unverantwortlich, nach Japan zu fliegen.

Seit 2014 bestehen zwischen Dorfen und der 50 Kilometer östlich von Tokio liegenden Stadt Shisui zarte Bande. Der Kontakt zu der 21 000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Land der aufgehende Sonne kam zufällig zustande. 2014 hatten japanische Bürgermeister Bayern besucht, machten dabei auf der Durchreise zufällig auch in Dorfen Station. Stadtchef Heinz Grundner lud die Gruppe damals spontan zu einer Rathausbesichtigung ein. Seither waren schon mehrmals offizielle Delegationen aus Shisui in Dorfen zu Besuch, auch der dortige Bürgermeister Yasuhisa Konsaka. Zwischen dem Gymnasium Dorfen und Shisui gibt es mittlerweile einen Schüleraustausch.

Shisuis Bürgermeister Kosaka hat Dorfen nun offiziell zu einem Gegenbesuch Anfang Oktober nach Japan eingeladen. Alles deutete bislang darauf hin, dass sich aus der beginnenden bayerisch-japanischen Freundschaft möglicherweise eine Städtepartnerschaft anbahnen könnte. Dieser Gedanke dürfte seit Mittwochabend Makulatur sein. Eine Städtepartnerschaft mit Shisui wird von Teilen des Stadtrats als „unverantwortlich“ gesehen.

Bürgermeister Grundner hatte vorgeschlagen, dass eine zehnköpfige Delegation aus Dorfen, darunter je ein Vertreter der Fraktionen im Gremium, zwei Bürgermeister und drei Verwaltungsangestellte, der Einladung nach Japan folgen sollten.

„Wow – ist das wirklich ernst gemeint?“, fragte Landlistenfraktionssprecher Heilmeier. In Zeiten von Freitagsdemonstrationen von Schülern für den Klimaschutz sei eine solche Reise „total überflüssig“. Der Stadtrat müsse ein Zeichen setzen, „dass nicht ois gmacht wern muass, wos möglich is“.

Eine Städtepartnerschaft in der Nähe, etwa in Kärnten, ja, aber keine mit einer Stadt, die 10 000 Kilometer entfernt sei. Für eine Reise nach Japan auch noch 15 000 Euro aus dem Stadthaushalt ausgeben zu wollen, wertete Heilmeier „als da Hammer“. Grundners Aussage, es gebiete schon die Höflichkeit, einen Gegenbesuch zu machen, wies Heilmeier zurück. Es bedürfe vielmehr der Ehrlichkeit, jetzt schon zu sagen, „des gehd einfach ned“.

Umweltreferent Gerald Forstmaier erinnerte daran, dass eine Partnerschaft mit Grouplje in Slowenien abgelehnt worden sei. Auch mit dem Argument, eine Verständigung mit den Menschen dort sei nicht einfach und die Entfernung weit. Aber bei einer Partnerschaft mit Japan sei eine Kommunikation ohne Dolmetscher gar nicht möglich. Eine solche Partnerschaft „funktioniert auf Dauer nicht“. Aus umweltpolitischer Sicht sei es auch nicht in Ordnung, aus Gründen des Anstandes und der Höflichkeit elf Stunden zu fliegen. Man müsse den Menschen in Shishui „ganz höflich, vielleicht mit einem Geschenk“, darstellen, dass eine solche Partnerschaft nicht gehe.

Bürgermeister Grundner erinnerte an die fünf Besuche japanischer Delegationen in Dorfen und vertrat die Auffassung, „dass es durchaus angebracht wäre, dass wir auch einen Gegenbesuch machen und uns so auch interessiert zeigen“.

Heiner Müller-Ermann (SPD) lehnte es ab, in diesem Fall „über Höflichkeit zu reden. Wir müssen uns, verdammt noch mal, an das Pariser Klimaabkommen halten“. Bis 2050 müsste der CO2-Ausstoß um 90 Prozent verringert werden. „Deswegen können wir nicht nach Japan fliegen und damit 6,2 Tonnen CO2 emittieren. Das ist nicht zu verantworten.“ Denn wenn eine Städtepartnerschaft entstehe, werde es künftig mehr Flüge geben. „Wir beschließen dann ein Anheizen des Flugverkehrs.“

Martin Bachmaier (CSU) konterte: „Wir werden in Dorfen das Weltklima nicht retten können.“ Es gehe auch um interkulturellen Austausch, und darum, Jugendlichen eine interkulturelle Fortbildung zu ermöglichen.

SPD-Fraktionssprecherin Michaela Meister warnte davor, mit einem Gegenbesuch ein Zeichen zu setzen, dass Dorfen eine Städtepartnerschaft in Betracht ziehe. Denn neben der Klimaproblematik müsse man auch sehen, dass wohl die wenigsten Dorfener etwas von so einer Partnerschaft hätten, da Japan zu weit entfernt sei.

Ursula Frank-Mayer (Grüne) hielt alleine schon die Idee, nach Japan zu reisen, für „abstrus“. Der Umweltgedanke sei so „elementar, da müssen wir doch an die Zukunft, unsere Enkel denken“. Fliegen sei das umweltschädlichste Transportmittel, „und da würden wir als Stadtrat da rüberfliegen. Das können wir nicht verantworten. Das ist ein absolutes No-Go“.

Die stellvertretende CSU-Fraktionssprecherin Barbara Lanzinger verwahrte sich dagegen, es so darzustellen, als wären diejenigen, die für eine Reise nach Japan seien, „die größten Umweltbanausen“. Johann Selmair (Landlisten) wurde noch deutlicher: „Andere Länder scheißen sich Null um den Klimaschutz, und mia moanan, mia miassma die Welt retten.“ Bedenklich hielt aber auch Selmair die Sprachbarriere.

Denkbar knapp mit 11:10 Stimmen votierte der Stadtrat schließlich für eine Reise nach Shisui. Ob diese stattfindet, ist ungewiss. „Das ist kein klares Signal“, sagte Grundner. Er will mit der Verwaltung darüber beraten.

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