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Klaus Steiner ist Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen.

Klimaschutz

Stadtwerke bauen digitale Intelligenz aus

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Für die Stadtwerke Dorfen steht die Energiewende in engem Zusammenhang mit einem intelligenten Stromnetz und damit verbundenem Anschluss an das Internet über Glasfaser. Und die Stadtwerke von morgen werden mit denen von heute nicht mehr all zuviel gemeinsam haben.

Dorfen – „Digital Intelligenz ist meines Erachtens sehr wichtig“, sagte Geschäftsführer Klaus Steiner beim Diskussionsabend zur Energiewende in Dorfen. So könnten etwa intelligente Stromzähler den aktuellen Stromverbrauch von Kunden an die Stadtwerke melden. Diese würden dann Signale zum Zwischenspeichern oder Einspeisen an die angeschlossenen Kunden über das Glasfaserkabel senden. Ein intelligentes Lademanagement bringe Verbrauch und Produktion zum Ausgleich, so Steiner. Um die Ziele der Energiewende realisieren zu können, hält Steiner den Ausbau des Fernwärmenetzes auf Basis regenerative Wärmeerzeugung, auf Eigenverbrauch ausgelegt Photovoltaikanlagen aber auch Reststromlieferungen aus erneuerbaren Energie für notwendig.

Wo wirtschaftlich und ökologisch vertretbar, könnten Bürger und Stadtwerke an vielen Stellen gemeinsam zum Gelingen der Energiewende beitragen, sagte Steiner. Der Geschäftsführer nannte hier etwa Mieterstrommodelle sowie Photovoltaikfeiflächenanlagen, die von den Stadtwerken geplant und projektiert würden. Bei der Wärmeerzeugung und -verteilung sprach Steiner auch die sogenannte „kalte Nahwärme“ an. Den Verbrauchern werde dabei thermische Energie nahe der Umgebungstemperatur zur Verfügung gestellt. Als Energiequelle diene etwa der Rücklauf des Wärmenetzes der Stadtwerke, der mit Wärmepumpen in den Gebäuden verbunden sei. Vorteile der kalten Nahwärme gegenüber konventionellen Wärmenetzen seien ein geringerer Wärmeverlust bei der Wärmeverteilung, die Möglichkeit der Verwendung kostengünstiger Materialien sowie der mögliche Transport über größere Distanzen.


Energiewende wird zur Schicksalsfrage

Die Energiewende werde für die Stadtwerke auch zur „Schicksalsfrage“, beteuerte Steiner. Denn mit dem Vertrieb von Strom und Gas sei auf Dauer kein Gewinn mehr zu machen. Die Stadtwerke müssten deshalb verstärkt auf eigene Produktion, Kooperation und Beratung im Energiebereich setzen. Dazu ist es für Steiner unbedingt notwendig, die Bereiche Wärme, Strom und Mobilität zu koppeln und zu verzahnen. Auch der Service über Apps, der Betrieb von Plattformen, das Management von Dienstleistern und Carsharing-Modelle spielen da für Steiner eine Rolle. Seit einiger Zeit gibt es bei den Stadtwerken einen ausgebildeten Energieberater. Insgesamt ist Steiner davon überzeugt, dass Energie künftig von privaten Haushalten, Betrieben und großen Anlagen im Freien produziert, verteilt und gespeichert werden müsse. Unter anderem wären Photovoltaikanlagen entlang der A 94 ein guter Weg.


Kritik an H-10-Regel bei Windrädern

Für Steiner ist aber auch der Ausbau der Windenergie wichtig. Dazu müsse jedoch erst die sogenannte 10H-Regelung fallen, da diese den Bau von Windkraftanlagen faktisch unmöglich mache. Die in Bayern geltende Regelung besagt, dass der Abstand eines Windrads von Wohnungen mindestens zehn Mal so weit sein muss, wie die Anlage hoch ist. Bei einem 200 Meter hohen Windrad – das ist heutzutage Standard – wären das zwei Kilometer. Die Energiewende, so die Überzeugung Steiners, „wird dezentral passieren“.

Das sieht auch Bürgermeister Heinz Grundner so. Er bezweifelt allerdings, ob Dorfen in Sachen Energiewende insgesamt „autark und autonom“ werden könne. Getan dazu müsse aber etwas. Für politisch notwendig hält der Stadtchef „ein Umdenken in der Bauleitplanung“.

Grundner griff damit einen Vorstoß von Umweltreferent Gerald Forstmaier auf, der fordert, dass die Stadt bei neuen Baugebieten nur noch Häuser im Niedrigenergie-, Passiv- oder Plusenergiestandard zulassen solle. Überdies will der Umweltreferent, dass die Stadt darauf schaue, dass Bürger ihre Altgebäude dämmten, auf erneuerbare Energien umstellten oder sich an das Fernwärmenetz anschließen ließen.

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