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Der Tod macht ihnen keine Angst: Musiker und Lyriker Josef Brustmann, Schauspielerin und Autorin Marianne Sägebrecht sowie Saxofonist und Klarinettist Andreas Arnold präsentieren „Sterbelieder fürs Leben“. 

Im Dorfener Jakobmayer

Sägebrecht und Brustmann: Sterbelieder fürs Leben

Der Tod gehört zum Leben. Dass Lyrik und Musik Trost spenden können, zeigt Schauspielerin Marianne Sägebrecht am 3. November im Dorfener Jakobmayer in „Sterbelieder fürs Leben“.

Dorfen– Bei allem, was aus Träumen, Fantasien und „anderen Welten“ zu uns herüberwinkt, scheint der Tod nur etwas Schlimmes zu sein für die Zurückbleibenden. Für die, die den Verlust im Herzen spüren müssen, bedarf es des Trostes der Dichter und Sänger. So sieht es Marianne Sägebrecht. Am Sonntag, 3. November, um 19 Uhr ist sie gemeinsam mit Josef Brustmann und Andreas Arnold im Jakobmayer-Saal in Dorfen zu erleben – in „Sterbelieder fürs Leben“. Wir haben mit der Schauspielerin darüber gesprochen.

Frau Sägebrecht, man kennt sie aus Filmen wie Zuckerbaby oder Out of Rosenheim. Sind Sie wirklich die gutmütige, einfache Frau, die man von der Kinoleinwand kennt?

Meine Filmcharaktere sind zwar Volksfiguren, aber immer mutig, sozial engagiert, unkonventionell und Kämpfernaturen. Alle meine Rollen sind auf einem bestimmten sozialen, kritischen Kontext aufgebaut, sonst nehme ich sie nicht an. Ich selbst sehe mich, auch als ausgebildete Medizinische Diagnostische Assistentin, als kluges, hochsensibles, spirituelles Menschenkind, ausgestattet mit großer Toleranz, Menschenliebe und Lebenserfahrung. Der gute Mut ist ein Geschenk des Schöpfers, macht aber manches Mal auch dem „heiligen Zorn“ Platz.

Sie haben mit Regisseuren wie Percy Adlon und Volker Schlöndorff gedreht, neben Filmstars wie Michael Piccoli oder John Malkovich gespielt. Wie war die Zusammenarbeit mit diesen Größen?

In meinem Erlebnisfeld zeichnen sich große Schauspiel-Persönlichkeiten nach Jahren durch große Kollegialität, Bescheidenheit und Respekt für ihr Publikum aus, vor allem in den USA. Ich begegne allen Menschen und auch allen meinen Kollegen ebenso respektvoll, ohne Scheu, aber auf gleicher Augenhöhe. Das ist für mich immer oberste Priorität, leider aber in unseren Gestaden nicht immer Usus.

Sie waren Wirtin, sind Film- und Fernsehschauspielerin. Jetzt lesen Sie auf der Bühne. Mögen Sie es langsam ruhiger?

Schon mit zwölf Jahren schenkte mir unser Pfarrer und Religionslehrer das Vertrauen, den Korintherbrief des Apostels Paulus in der voll besetzten katholischen Kirche zur Sonntagsmesse ohne Angst vorzulesen. Seit den 90er Jahren praktiziere ich meine Lesungen. „Eine Litera-Tour von Säge bis Brecht“, aus meinen eigenen Büchern wie „Auf ein prima Klimakterium“, „Auf dem Weg nach Surinam“, eine „Lesung über Hilde Domin“ oder seit acht Jahren „Lieder und Gedichte vom Sterben fürs Leben“ mit Josef Brustmann, um meinem Publikum näher zu kommen und mein finanzielles Überleben in filmfreien Zeiten zu gewährleisten.

Sterbelieder sind ein ziemlich ungewöhnliches Thema für einen Abend, oder?

Unser Anliegen ist es, die Menschen aufzuheitern, zu trösten und zu ermutigen, ihrem gelebten Leben den Tod gleichberechtigt zur Seite zu stellen, ihr Leben damit lebendiger werden zu lassen und dankbarer anzunehmen.

Wie kam es zur Umsetzung und wie zur Zusammenarbeit mit Josef Brustmann?

Josef Brustmann ist Musiker, Kabarettist, aber auch ein begnadeter Dichter, der sich Zeit seines Lebens, so wie ich, viele philosophische Gedanken über das Leben und Sterben gemacht hat. Bei unseren Gesprächsrunden stellten wir eine große Übereinstimmung fest, was unsere ethische und soziale Grundhaltung betrifft. So beschlossen wir, eine CD mit besinnlichen, tröstlichen Gedichten bekannter Lyriker wie Rilke, Hesse oder Kästner und mit heiteren Abhandlungen zum Thema Tod aus Josef Brustmanns lyrischer Schatztruhe aufzunehmen. Musiker Andi Arnold wurde unser einmaliger Begleiter. Bald wurde daraus eine Lesung mit Musik. So gelingt es uns immer wieder, das Publikum zu berühren.

Müssen sich die Besucher auf einen traurig-morbiden Abend einstellen oder darf auch gelacht werden?

Unser Programm vermittelt Trost und Nachdenklichkeit, beschenkt das Publikum auch mit Heiterkeit und feinsten musikalischen, auch fröhlichen Beiträgen.

An wen richtet sich das Programm?

Unsere jahrelange Erfahrung zeigt, dass sich Menschen aus vielen Altersgruppen, auch Jüngere oder Mitglieder von Hospizvereinen, auf den Weg zu unserem Programm der anderen Art machen. Auch die Nähe der Mitmenschen genießen sie. Wir übermitteln den Menschen den Tod als unabänderliche Tatsache, ihn in ihren Lebensalltag einzubinden, das Quantum ihrer Lebenszeit zu ehren und so dadurch ihre Lebensqualität zu verbessern.

Ist ein solches Programm in einer Zeit des Jugendwahns und sozialer Oberflächlichkeiten längst überfällig?

Unser Programm ist nicht hektisch, sondern ruhiger, in einem Dreiklang aufgebaut. Ich starte mit einem Gedicht, Josef folgt mit Musik und Gesang, am Ende auch mit einem Kabarett-Dialog, und Andi komplettiert mit Musikstücken, heiter, frech und inspirativ, um die Zuhörer auch in meditative Bereiche zu locken.

Im Alter beschäftigt man sich oft mehr mit dem Tod. Sie engagieren sich für sterbende Menschen.

Am Ende unseres Programms sagte ich immer zum Publikum: „Unser Herzensanliegen ist die Hospizbewegung.“ So kam es zu einer Verbindung mit dem St. Christophorus-Verein, ein einmalig engagiertes Hospiz in München, das sich seit 17 Jahren, von engagierten Spendern beschützt, vorbildlich am Leben hält. Ich bin ehrenamtliche Patin des Vereins, versuche neue Mitglieder zu gewinnen und halte im Hospiz alle zwei Monate Lesungen. Ich erzähle auch von einer selbst erlebten Nahtod-Erfahrung, von meinem Glauben, der die Hölle für die Seele ausschließt und die Seele nach dem Tod durch einen Tunnel mit Lebensbildern zum großen Lichtpol führt. Dieses Bild nimmt den sterbenskranken Patienten oft die Angst vor der anderen Seite, und gibt auch mir Kraft, Demut und Dankbarkeit, mein gelebtes Leben zu ehren.

Sie sind jetzt 74 Jahre alt. Welche Projekte wollen Sie noch umsetzen?

Endlich meine lang ersehnte Surinam-Reise, das Sehnsuchtsland meiner Kindheit, eingepflanzt von meinem Gärtner-Großvater und Schamanen, antreten zu dürfen und den Menschen danach davon zu berichten. Mein aktuelles Buch, auch mit Lesungen im Jahre 2020, ist dem Hospizgedanken gewidmet und lautet: „Ich umarme den Tod mit meinem Leben“.

Karten gibt es im Vorverkauf für 20 Euro plus Gebühren im Ticket Treff Dorfen, Tel. (0 80 81) 13 93 oder für 24 Euro an der Abendkasse. Einlass im Jakobmayer am 3. November ist ab 18 Uhr. (Birgit Lang)

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