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Nicht im Weinberg des Herrn, sondern in seinem Weinberg: Pfarrer Johann Eschbaumer im Garten des Dorfener Pfarrhofes. 

Pfarrer Johann Eschbaumer

Der stille Rufer vom Berg

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Dorfen - Fast zwölf Jahre war Johann Eschbaumer Pfarrer in Dorfen. Ende August geht der 70-Jährige in Ruhestand. Der gebürtige Inninger wirkte meist eher im Stillen. Zum Abschied findet der Geistliche nochmals deutliche Worte – und zeigt eine Seite von sich, die nicht viele kennen werden.

Bis Ende August ist Eschbaumer noch in Dorfen. Am Sonntag wird der Pfarrer beim Pfarrfest offiziell verabschiedet. Die Heimatzeitung sprach gestern mit dem gebürtigen Inninger, der vor 42 Jahren zum Priester geweiht wurde. Es war ein Interview, das Einblicke in das Leben Eschbaumers gibt, die Einstellungen von ihm zeigen, die bislang wohl nicht vielen Menschen bekannt sind.

Im Juli 2014 machte Eschbaumer wohl das erste Mal größere Schlagzeilen. Für drei Monate gewährte er einem 22-jährigen Afghanen Kirchenasyl. „Wie Hussein Asyl bei Gott bekam“, titelte etwa diese Zeitung. Eschbaumer nahm den jungen Flüchtling im Pfarrhof auf und bewahrte ihn damit vor der Abschiebung. Für den Geistlichen war es seine „christliche Pflicht“, dem Flüchtling beizustehen. Seither engagiert sich Eschbaumer in der Flüchtlingsarbeit in Dorfen. Er verschweigt aber nicht, dass er sich angesichts des islamistischen Terrors, der jetzt auch Deutschland erreicht hat, Gedanken macht. Den schließlich kämen die meisten Flüchtlinge aus dem islamischen Bereich.

Für Eschbaumer steht fest: „Der Islam ist auf Missionierung aus. Aber das ist ja auch das Christentum.“ Die radikal-islamistischen Terroristen hält Eschbaumer für „Außenseiter“. Religiös motivierte Gewaltexzesse habe es früher ja auch in der Kirche gegeben. Dennoch dürfe man nicht verkennen, dass sich die Muslimen in Europa ausbreiten wollten. Nicht umsonst würde sonst etwa die Türkei die Imame in Deutschland bezahlen und Saudi Arabien den Bau von Moscheen finanzieren. „Aber das Christentum hat die besseren Karten“, sagt der Pfarrer. „Wir haben ein anderes Gottesbild, das eines liebenden Gottes.“

Dass in vielen islamamischen Ländern der Staat auf den Glauben fuße, das habe es auch schon in Deutschland gegeben. „Es gab ein System, wo der Staat regiert hat und die Kirche lieferte die Moral dazu.“ Und Eschbaumer sieht das manchmal bis in die heutige Zeit so: „Ich habe leider den Eindruck, dass man dieses System am liebsten restaurieren würde. Man muss sich nur den riesigen Verwaltungsapparat anschauen, den man auch in der Diözese aufbaut. Man will die kirchlichen Angestellten bis in den letzten Winkel reglementieren. Man muss sich manchmal fragen, landet der Heilige Geist nur beim Bischof, oder landet der auch mal bei normalen Leuten.“

Pfarrer zu sein, hält Eschbaumer in der heutigen Zeit „für immer schwieriger“. Immer mehr Menschen würden der Kirche den Rücken kehren. „Als ich in Dorfen angefangen habe, war die Kirche voll. Wer nicht zehn Minuten vor Beginn des Gottesdienstes da war, bekam keinen Sitzplatz mehr. Das ist längst nicht mehr so.“ Unter Papst Franziskus könnte sich das wieder ändern, hofft der Geistliche. „Für die Kirche ist es wichtig, vorne dran einen Mann zu haben, der auf die ursprüngliche Idee des Christentums zurückgreift.“ Eschbaumer nennt hier etwa die neue „Enzyklika Laudatio Si“, wo etwa Umwelt- und Klimathemen und die Weltproblematik, wie soziale Ungerechtigkeiten, aus einer ganz neuen Sicht gesehen würden.

„Ich bin nicht der Kämpfertyp“

Den Mut, den Papst Franziskus da mit seiner zweiten Enzyklika aufgebracht habe, wie er lebe und Vorbild sei, das gehört für Eschbaumer „zum Christentum dazu“. Doch wie sieht sich Eschbaumer eigentlich selbst? Seine Vorgänger hatten alle von der Bevölkerung Beinamen bekommen. Hermann Eigner wurde als „Bergfürst“ tituliert, Gottfried Wiesbeck als „Sanfter Rebell vom Ruprechtsberg“. Sie sorgten auf ihre Weise immer wieder für öffentliches Aufsehen. Eschbaumer produzierte durch sein Wirken kaum Schlagzeilen. Er arbeitete im Stillen. „Ich bin nicht der Kämpfertyp. Ich habe mir in manchen Sachen die Frage gestellt, ob ich mit einer Äußerung nicht mehr Porzellan zerschlagen würde. In Dorfen gibt es ja viele Sachen, wo man sich einmischen könnte.“

Eschbaumer war und ist stattdessen immer auf Ausgleich bedacht. Er hat die verschiedenen Strömungen innerhalb des Pfarrverbandes wieder zusammengebracht, die unter seinen Vorgängern in der Pfarrei entstanden sind. Einen Beinamen hat Eschbaumer nicht bekommen. Wenn er einen wählen müsste, würde er sich am ehesten als „der einsame Rufer vom Berg“ titulieren. So hat er es etwa geschafft, auch Spannungen zwischen den Filialen und Dorfen abzubauen.

In Pension will sich Eschbaumer anderen, neuen Aufgaben zuwenden. „Ich habe meine Probleme mit den überkommenen Strukturen in der Kirche, etwa was die Aufrechterhaltung der Gottesdienste betrifft. Deshalb werden verstärkt Ruhestandspfarrer herangezogen. Dieses System will ich nicht so stark stüzen.“ Eschbaumer will sich stattdessen verstärkt in der sogenannten Schönstattbewegung, in der er Diözesanpräses ist, engagieren. Ziel der Bewegung ist es, der Kirche und dem Glauben der Christen ein neues, modernes Gesicht zu geben. Was seine Zukunft betrifft, verweist Eschbaumer auch auf einen Kalenderspruch, den er vor Monaten gesehen hat: „Wen der liebe Gott einmal bei der Arbeit erwischt hat, den schickt er immer wieder neu.“ Es kommen sich neue Aufgaben auf mich zu. Fest steht für ihn, dass er keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abhalten will.

Der Inninger will Privatmensch sein

Der 70-Jährige zieht ins Elternhaus nach Inning zurück. Ein Leben in einem Pfarrhaus will er nicht mehr. Denn Eschbaumer will jetzt auch wieder einmal Privatmensch sein. Er will sich seinem großen Hobby widmen, der spanischen und englischen Sprache. Gerade in Spanien hat er viele Freunde. Was aus seinem Weinberg am Pfarrhof in Dorfen wird, das weiß der Hobbywinzer nicht. Da es ein sehr zeitaufwendiges Hobby sei, könne es durchaus sein, dass den Weingarten niemand weiter bewirtschafte. Etwa 50 Rebstöcke stehen dort, 180 bis 200 Liter Wein hat Eschbaumer jährlich aus den Trauben gewonnen. Die Phönix-Traube, eine Mischung zwischen Silvaner und Riesling, hat es ihm angetan. Und der Wein hat offenbar geschmeckt: „Der Kirchenchor hat ihn gerne getrunken“, sagt Eschbaumer.

Seinem Nachfolger, Pater Janusz Gadek, wünscht Eschbaumer, dass er in die Aufgabe gut hinneinwächst. Eschbaumers große Hoffnung ist es, dass sein Nachfolger den von ihm eingeschlagenen Weg weitergeht. Denn Eschbaumer hat als Pfarrer, Priester und Seelsorger in Dorfen vieles erreicht. In einem Beitrag zum Abschied Eschbaumers schreiben die Pfarrgemeinderräte Dorfen und Oberdorfen: „Er hat Traditionen fortgeführt und lebendig gehalten, hat aber auch verändert, wo es ihm nötig schien, und hat dabei viele Akzente gesetzt. Offen zeigte er sich gegenüber modernen Gottesdienstformen.“ Eschbaumer hat sich sehr für die kirchliche Laienarbeit eingesetzt, hat Kindergottesdienste etabliert und die Ausbildung von Wortgottesdienstleitern angestoßen. Laien in der Kirche, das ist für den Pfarrer klar, „sind nicht nur dazu da, das Pfarrheim zusammen zu kehren.“ Eschbaumers Nachfolger gehört einem Orden an, der eher eine klerikalistische Ausrichtung hat. Eschbaumer: „Ich hoffe, dass mein Nachfolger da nicht wieder zurückrudert.“

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