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Stiller Protest im Dröhnen der A 94

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Weit in den Nachthimmel loderten die Flammen des Mahnfeuers in Eck bei Dorfen. Es ist ein symbolträchtiger Ort, an dem sich rund 80 Teilnehmer zum Protest trafen: Dort stand früher der Schwammerl, von dem aus man einst noch über das unverbaute Isental blicken konnte.
Weit in den Nachthimmel loderten die Flammen des Mahnfeuers in Eck bei Dorfen. Es ist ein symbolträchtiger Ort, an dem sich rund 80 Teilnehmer zum Protest trafen: Dort stand früher der Schwammerl, von dem aus man einst noch über das unverbaute Isental blicken konnte. © Michaele Heske

Seit zwei Jahren ist die Isentalautobahn in Betrieb. Die Betroffenen des Lärms an der A94 trafen sich zu Mahnfeuern - in Sicht- und Hörweite der A94.

Dorfen – Seit zwei Jahren rollt der Verkehr zwischen Pastetten und Heldenstein auf der A 94 durchs Isental. Seitdem klagen die Anwohner über den Lärm, den die Autobahn verursacht, der lautstark bis zu ihren Häusern dringt. Betroffene trafen sich anlässlich des zweiten Jahrestags der offiziellen Inbetriebnahme am Donnerstagabend. Mit Mahnfeuern entlang der A 94 forderten sie mehr Lärmschutz. Das größte Feuer dürfte am ehemaligen Schwammerl-Platz bei Eck in Dorfen gelodert haben.

Es war, als nehme am Donnertag der Verkehrslärm so richtig Fahrt auf. Das Rauschen der Autos, die über die A 94 fuhren, war schon in der Birkenallee deutlich zu hören. Je näher man der Wiese in Eck kam, auf der das riesige Feuer brannte, desto höher stieg der Lärmpegel. Kawumm dröhnte es, wenn die Lastwagen über die Brücke donnerten – in Sichtweite zu den rund 80 Teilnehmern des stillen Protests.

Sie wollten ein Zeichen setzen. Offizielle Ansprachen gab es in diesem Jahr nicht. „Geredet wurde von Politikern ja sowieso schon viel, aber leider folgten keine Taten“, sagte Isolde Freundl, die Sprecherin der Bürgerinitiative „Lärmschutz A 94 im Gemeindebereich Dorfen“, die Organisatorin der Aktion. Man habe mit Politikern auf allen Ebenen diskutiert, auch mit Ministerpräsident Markus Söder. Lärmmessungen wurden vorgenommen, Gutachten erstellt, es gab Petitionen und Resolutionen – doch gebracht habe es nichts. Der Lärm bleibt.

„Die sollen wissen, dass wir nicht aufgeben“, erklärte Freundl, die in Lindum lebt, in der Nähe der A 94. Seit zwei Jahren ist die ländliche Ruhe für sie und ihre Familie vorbei. „Manchmal werde ich so richtig wütend“, sagte sie im Gespräch mit der Heimatzeitung. Besonders dann, wenn ihr bewusst werde, dass es immer so weitergehe: „Die Autos fahren wieder mit Vollgas über die Trasse.“ Besonders belastend seien aber die Lastwagen.

Ernste Blicke: Isolde Freundl (M.) von der BI hatte das Feuer mitorganisiert. 
Ernste Blicke: Isolde Freundl (M.) von der BI hatte das Feuer mitorganisiert.  © Michaele Heske

Martin Mittermayer aus Oberhausmehring steht auf der Wiese, schaut auf das lodernde Feuer. In der Hand hält er eine brennende Fackel. „Ich finde es gut, dass sich immer noch Leute für den Lärmschutz stark machen“, sagte der Vater zweier Kinder. In Oberhausmehring sei der Verkehrslärm mittlerweile zum „permanenten Hintergrundgeräusch“ geworden: „Es gibt mehr Verkehr, dadurch wird es bei uns zuhause immer lauter.“

Von Anfang an gab es Beschwerden und bald auch konkrete Forderungen: einen Austausch des Fahrbahnbelags sowie „Lückenschließungen“ bei Lärmschutzwänden, die außerdem auch an Brücken mehr als nur ein Spritzschutz sein müssten, sowie Verbesserungen an den Brückenübergängen.

„Klack, klack, klack machen die Fahrzeuge permanent“, monierte Walter Zwirglmaier, der für die ÜWG im Stadtrat sitzt und Umweltreferent ist. Gemeinsam mit seiner Frau und den Enkelkindern unterstützte er die Aktion vor Ort. „Wir müssen weiterhin alles für besseren Lärmschutz tun, damit die Anwohner und die Bevölkerung entlastet werden“, erklärte er.

Untersuchungen und Messungen der Autobahndirektion Südbayern ergaben allerdings, dass die Lärmgrenzwerte eingehalten werden. Die Schutzwälle und -wände seien ausreichend und der Fahrbahnbelag in Ordnung. Der Bund könnte zwar freiwillig noch mehr investieren, hieß es, verpflichtet sei er dazu aber nicht.

St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl äußerte sich skeptisch über die Möglichkeit, mehr Lärmschutz zu bekommen: „Wenn man die Vorgaben der jüngsten Messergebnisse kennt, dann wird’s wohl schwierig. Ich setze weiter auf ein Tempolimit für Pkw und Lkw.“

Das sieht auch Dorfens Altbürgermeister Josef Sterr so, Autobahngegner der ersten Stunde: „Als Demokrat musste ich den Bau der A 94 akzeptieren“, sagte er. „Die Autobahn ist jetzt da – aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung wäre nicht nur in punkto Lärmschutz hilfreich. Auch das Unfallrisiko minimiert sich.“ Zudem gebe es in den Nachbarländern längst ein Tempolimit, gibt der ehemalige CSU-Bürgermeister zu bedenken.

Stadträtin Ulli Frank-Mayer zeigte ebenfalls Solidarität mit den Lärmgeplagten an der A 94: „Ich hoffe, dass sich jetzt nach der Wahl auf Bundesebene die Grenzwerte für Lärmschutz verändern.“ Niedrigere Grenzwerte, Lärmschutz und Tempolimit seien schließlich die Parameter, dass sich auch hier etwas ändere, sagte die Fraktionssprecherin der Grün-Alternativen-Liste Dorfen: „Wir geben nicht auf.“

MICHAELE HESKE

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