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Pfarrkirche in voller Pracht: Aufmerk sam verfolgten die Besucher die Erklärungen des ehemaligen Mesners Herbert Moser (r.) in Maria Dorfen.

„Spannend, aber auch gruselig“

Tag der offenen Kirchentür: Interessante Einblicke in Dorfener Kirchen

Beim Tag der offenen Kirchentür bekommt man interessante Einblicke, die es sonst selten gibt. Auch die Geschichte der Gotteshäuser ist spannend.

DorfenSolche Einblicke in Gotteshäuser gibt es nur selten. Deshalb nutzten viele Dorfener den Tag der offenen Kirchentür für einen besonderen Besuch. Durch die Pfarrkirche Maria Dorfen führte der ehemalige Mesner Herbert Moser. In St. Sebastian erzählte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Wolfgang Lanzinger Geschichten von Pest und Krieg – aber auch vom Glauben der Dorfener an den Schutzheiligen Sebastian, der sie vor Katastrophen schützen soll.

Julia Zargens lebt erst seit einigen Jahren in Dorfen. „Da war der Tag der offenen Kirchentür quasi ein Muss“, sagte die gebürtige Münchnerin: „Spannend, aber auch gruselig“, kommentierte die 29-Jährige die Geschichte der kleinen Kirche St. Sebastian. Schließlich wüssten auch nicht alle Einheimischen, dass die Pest in Dorfen und Umgebung so stark gewütet habe, meinte Lanzinger: „Ein Drittel der Bevölkerung starb 1634 an der schrecklichen Seuche. 323 Tote wurden in diesem Pestjahr verzeichnet. Die Bevölkerung lag dato bei rund 900 Einwohnern.“

„Pestkirche“ um die Pest aufzuhalten

Überhaupt habe der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) in Dorfen und Erding viel Unheil und noch mehr Tote gebracht. Wen wundert es da, dass die Gläubigen, um weiteres Unheil abzuhalten, dem Heiligen Sebastian eine Kirche weihten – die sogenannte Pestkirche, um 1635 auf dem damaligen Pestfriedhof erbaut. „Als Gelübde sozusagen“, sagte Lanzinger.

Schwere Kost, deren Verarbeitung durch das Flötenensemble „Flauta es magiga“ unter der Leitung von Susanne Gelsheimer erleichtert wurde. Beispielsweise durch ein fröhliches Menuett von Johann Joachim Quantz, das im Jahr 1730 komponiert wurde und etwa aus der Zeit des Hochaltars mit der zentralen Figur des Märtyrers Sebastian stammt. Oder durch die Duette „Dolce“ und „Allegro“ von Georg Telemann aus der gleichen Epoche.

Dorfen war ein bekannterer Wallfahrtsort als Altötting

Die Kirche St. Sebastian, die der evangelischen Kirchengemeinde bis 1994 ein Quartier war, bis die Protestanten in den Neubau der Versöhnungskirche umzogen, muss dringend renoviert werden. Auch scheint sie immer mehr in Vergessenheit zu geraten, meinte Lanzinger: „Im Dornröschenschlaf liegt St. Sebastian.“ Aufgeweckt werde das Gotteshaus nur ab und an, wenn Musiklehrerin Gelsheimer oder Gitarrist und Musiklehrer Peter Hackl hier Konzerte geben.

Im Gegensatz dazu erstrahlt die Pfarrkirche in voller Pracht. „Dorfen war einer der bekanntesten Wallfahrtsorte Süddeutschlands – größer noch als Altötting. Über 100 000 Pilger kamen jedes Jahr zu uns“, erzählte Herbert Moser. Der originale Spätbarockaltar (1748/49) wurde durch einen so genannten Historismus-Altar ersetzt, den Pfarrer Hermann Eigner von 1963 bis 1971 rekonstruieren ließ, und in dem wie seit dem Mittelalter das Gnadenbild integriert ist.

Die Besucher konnten direkt zum Altar gehen und sich das Gnadenbild aus nächster Nähe anschauen. Von der hohen Qualität der Orgel mit ihren 34 Registern aus dem Jahr 1964 überzeugten sich die Zuhörer ebenfalls und genossen die Klänge von Kirchenmusiker Ernst Bartmann. 

Michaele Heske

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