Ein gefährliches Nadelöhr ist das Wesnertor am Kirchtorplatz. Fußgänger und Autos passieren es auf engstem Raum, hier die Südansicht.
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Ein gefährliches Nadelöhr ist das Wesnertor am Kirchtorplatz. Fußgänger und Autos passieren es auf engstem Raum, hier die Südansicht.

Tagespflege, Ärztehaus, Fußgängerpassage - alles in einem Haus mitten in Dorfens Innenstadt

  • vonTimo Aichele
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Dieses Konzept sucht seinesgleichen: Mitten in der Innenstadt von Dorfen will das BRK eine Tagespflege mit integrativem Café eröffnen. Dazu kommen noch Praxen und die schon so lange gewünschte Fußgängerpassage neben dem gefährlichen Wesnertor.

Dorfen – Schon vor dem Ersten Weltkrieg gingen die Dorfener im Kaufhaus Schmederer einkaufen. Bis Ende 2018 betrieb das Gewandhaus Gruber dort sein Outlet, seitdem steht das Gebäude, neben dem engen Wesnertor leer. Der Ensembleschutz in der Altstadt stand einem Abriss entgegen, also muss der Eigner, die Firma Wilhelm & Scharl, sanieren. Nun wurde bekannt: Nach der Renovierung soll am Kirchtorplatz eine Tagespflege des Bayerischen Roten Kreuzes mit 20 Plätzen einziehen. In den Obergeschossen sind eine Allgemeinarztpraxis mit drei Ärzten und eine Praxis für Lern- und Ergotherapie mit Handreha und Podologie geplant. In dem Zuge wird auch noch ein großes Sicherheitsproblem beseitigt.

Denn das Wesner, oder auch Münchner oder Kirchtor ist für viele Fußgänger ein wichtiger Durchgang in die Innenstadt, aber auch ein gefährlicher: Die Gehsteige direkt neben der Autofahrbahn sind sehr schmal. Deswegen war der Stadt stets wichtig, dass die Planung eine Passage unabhängig vom Tor enthält. Das ließ Investor Georg Scharl planerisch auch umsetzen. „Das kostet uns eine schöne sechsstellige Summe“, verrät er im Gespräch mit unserer Zeitung,

Das Gesamtpaket begeisterte die Stadträte im Bau- und Verkehrsausschuss regelrecht. „Das ist eine geniale Lösung. Wir wollten immer die Innenstadt beleben. Mehr Belebung geht nicht“, erklärte zum Beispiel Ulli Frank-Mayer (GAL). Das Gremium erteilte dem Bauvorhaben am Mittwochabend einstimmig das gemeindliche Einvernehmen. Immerhin eine 7:3-Mehrheit erhielt ein Teilbeschluss: Der Kirchtorplatz südlich des Gebäudes wird als Anfahrtzone für die Tagespflege komplett von parkenden Autos freigehalten.

Eine neue Passage mitten durchs Gebäude soll für Sicherheit sorgen (pink).

Darauf hatte das BRK als Betreiber der Tagespflege gepocht. „Das ist für den Träger unerlässlich, sonst wäre eine Nutzung als Tagespflege nicht möglich“, berichtete Bauamtsleiter Georg Wandinger in der Sitzung. Er stellte den Stadträten zwei mögliche Kompromisse: Die Freihaltung des nördlichen Teils direkt vor der Haustür der Tagespflege oder ein Parkverbot zu den normalen Geschäftszeiten, zum Beispiel zwischen 8 und 18 Uhr.

Es war Michael Oberhofer (CSU), der mit seinem Beschlussvorschlag sogar noch weiter ging. Es gehe nur um acht Parkplätze, daran dürfe das wegweisende Projekt nicht scheitern. Damit hatte Oberhofer auch die GAL-Räte auf seiner Seite, aber eher mit grundsätzlichen Argumenten zur Verkehrswende. Nur Martin Heilmeier (LDW) sagte: „Wir müssen um jeden Parkplatz kämpfen.“ Bei der Abstimmung blieb er damit aber in der Minderheit.

„Das ist ein bunter Mix mitten in der Innenstadt, der von den beteiligten Behörden sehr begrüßt wird“, berichtete Wandinger. Mit dem Denkmalschutz sei man „im Gespräch“.

An der Nordseite darf der alte Anbau abgerissen werden. Der Neubau erhält einen Dachgarten für das Integrationscafé.

Neben der Tagespflege für 20 in der Regel ältere Personen plant das BRK ein integratives Café, das auch öffentlich zugänglich ist. Es soll von Menschen mit Handicap betrieben werden, die so die Möglichkeit zur Integration in die Arbeitswelt erhalten. Zudem soll das Café ebenso wie die Tagespflege einen Zugang zu einem Dachgarten auf der Nordseite erhalten, der so eine schöne Begegnungsstätte für Jung und Alt werden kann.

Die Allgemeinarztpraxis mit drei Ärzten soll laut einem Schreiben von Wilhelm & Scharl an die Stadtverwaltung von einem „renommierten und örtlichen bekannten Ärzteteam“ bezogen werden. Die Praxis für Lern- und Ergotherapie werde von einem „seit Jahren in Erding erfolgreichen Team“ betrieben. Vorgesehen sind zudem im ersten Stock und im Dachgeschoss vier Apartments für Betreutes Wohnen. „So etwas findet man in ganz Bayern nicht“, sagt Scharl zu dem integrierten Quartierskonzept in derart zentraler Lage. Die Stadt und der Investor werden über diese Nutzung auch einen städtebaulichen Vertrag abschließen

Zum Baubeginn erklärt er: „Wir müssen im Frühjahr 2021 anfangen.“ Die Arbeiten müssten erledigt sein, bevor Ende 2022 die B 15-Isenbrücke abgerissen wird und noch dann auf Umleitungen noch mehr Verkehr durchs Wesnertor rollt.

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