Zeichen einer kurzen Ära: Die Tempo-120-Schilder an der A 94 werden in diesen Tagen abgebaut. Foto: hermann Weingartner
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Zeichen einer kurzen Ära: Die Tempo-120-Schilder an der A 94 werden in diesen Tagen abgebaut. Foto: hermann Weingartner

Debatte über das abgeschaffte Tempolimit auf der A94: „Reine Symbolpolitik“

Gas geben auf der A94: Das sagen Gegner und Befürworter von Tempo 120

  • vonTimo Aichele
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Dorfen – Der große Kampf gegen die A 94 war Jahre vorbei, da traf die Anwohner der Isentalautobahn die große Lärmwatschn. Am 1. Oktober 2019 wurde das 33 Kilometer lange Teilstück zwischen Heldenstein und Pastetten eröffnet. Die Wut der Betroffenen übertönte in den ersten Monaten medial das Rattern, Brummen, Sirren und Röhren.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts München von voriger Woche ist nun die nächste Watschn für die Lärmgeplagten. Andere Bürger freuen sich über die Aufhebung des von Ministerpräsident Markus Söder verkündeten Tempo 120. Das zeigen Reaktionen auf die Artikel unserer Zeitung darüber.

Bei der Protestbewegung mischt sich nun neuer Frust zur zwischenzeitlichen Resignation. „Nach dem ersten Schock hab’ ich mir gedacht: Vielleicht ist das der richtige Anstoß, dass was passiert“, berichtet Isolde Freundl auf Nachfrage. Sie habe schon befürchtet, dass auf dem rechtlichen Weg wenig gegen den A 94-Lärm ausgerichtet werden kann. „Wir können nur mit politischem Druck versuchen, unser Leben zu verschönern“, sagt die Lindumerin, die eine der Frontfrauen des Lärmprotests ist.

Das Schlimmste seien ohnehin die Lastwagen, die nicht unter die Geschwindigkeitsbeschränkung gefallen sind. Außerdem habe sich eine neue Erkenntnis durchgesetzt. Mindestens so belastend wie der Fahrbahn-Flickenteppich und die Übergänge zu den Brücken, über die die Reifen laut hinüberrattern, seien Echo-Effekte an den Glasscheiben der Schutzwände auf Brücken. „Des überschlogt si direkt“, erzählt Freundl über die Reflexionen. „Deswegen brauchen wir unbedingt hochabsorbierende Wände.“

Ein Mühldorfer hatte das Tempolimit mit seiner Klage vor dem Verwaltungsgericht zu Fall gebracht. Manche Facebook-Nutzer feiern das in ihren Kommentaren zur Berichterstattung des Erdinger/Dorfener Anzeiger. „Sehr gut, freie Fahrt für freie Bürger“, schreibt Peter P. Spöttisch reagiert Jens K.: „Tausche Wohnung neben dem Flughafen gegen Wohnung neben A 94. Angebote bitte hier einsetzen.“ Was Recht ist, solle Recht bleiben, kommentiert Hubert R.: „Die Anwohner haben zuvor bereits alle Instanzen gezogen, also war der Bau der Autobahn rechtens.“

Von Anfang an seien Rechtsexperten der Meinung gewesen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung vor Gericht nicht standhalten werde, argumentiert Christian K. „Die Wähler besänftigen und Zeit schinden“, sei der einzige Zweck der von Söder kurz vor der Kommunalwahl verkündeten Entscheidung gewesen. Der CSU-Chef habe hier „Wünsch-dir-was“ gespielt, meint auch Matthias B. Dennoch habe der Rechtsstaat nun richtig reagiert. Ronald I. schreibt ebenfalls von Wahlkampftaktik.

„Das Tempolimit hat nix gebracht“, erklärt Lars W. „Gemessen wurde eh nicht. Es war reine Symbolpolitik.“ Der Lkw-Lärm sei nicht weniger geworden, so Lars W., der allerdings auch „einseitige Stimmungsmache“ gegen die A 94 beklagt.

Anders Dani R.: „Die Klapperautobahn ist das – total nervig dieses Tack-tack-tack. Ich kann mir vorstellen, wie das für die Anwohner ist, und die tun mir echt leid. Unverschämt, dass man so eine Schrottpiste baut, und niemand interessiert‘s. Hauptsache rasen können.“

Georg Mayerhofer aus St. Wolfgang weist in einem Leserbrief an unsere Zeitung auf einen anderen Aspekt hin. Seiner Ansicht nach „hat das entspannte Fahren auf diesem Streckenabschnitt nun vorerst ein Ende. Die Autobahn wird wieder geprägt sein von Schnellfahrern, die ihre Stärke mit dem Gaspedal ausleben müssen und dabei die anderen Verkehrsteilnehmer in unnötige Gefahr bringen.“

Wer bei 120 km/h nicht in der Lage sei, sein Ziel pünktlich zu erreichen, habe entweder ein Problem mit seinem Zeitmanagement oder mit dem Gaspedal. „Leider wird es immer Besserwisser wie Ralf Decker (der Kläger, die Red.) geben, die mutige Entscheidungen von Amtsträgern torpedieren und vor Gericht ziehen, nur um der eigenen Selbstbefriedigung Willen. Zum Schaden unzähliger Bürger hat er auch noch Recht bekommen.“

Thema im Stadtrat

Die Ergebnisse der Lärmmessung an der A 94 werden dem Dorfener Stadtrat am morgigen Mittwoch vorgestellt. Ein weiteres Thema ist ab 19 Uhr in der Aula der Zentralschule die Errichtung von Freifeldphotovoltaikanlagen.

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