Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund
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Statements, wie Pressereaktionen auf Samsas Metamorphose, waren Teil der Schüler-Interpretation des Dorfener Gymnasiums von Kafkas „Die Verwandlung“.

Theater Gymnasium Dorfen

„Ein Stück, das unter die Haut geht“

An eine Bühnenfassung nach der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka wagte sich das Oberstufentheater des Dorfener Gymnasiums nach der Vorlage von Beate Rüter. Das war nicht ohne Risiko, denn allein die Frage, ob es gelingen kann, auf der schlichten Schulbühne die Metamorphose der Hauptfigur in einen riesigen Käfer überzeugend darzustellen, war zu lösen. Aus einem Wagnis wurde ein großer Erfolg.

Dorfen – Am Ende eines herrlichen Theaterabends quittierte das begeisterte Publikum die sehr gelungene Inszenierung des Wahlkurses „Dramatisches Gestalten“ mit viel Applaus. „Ein Stück, das unter die Haut gegangen ist“, sagte die beeindruckte Schulleiterin Andrea Hafner.

18 Darsteller aus der Q 11 und Q 12 wirkten an der Aufführung mit. Regie übernahm Kursleiter Thomas Lindner. „Ohne ihn wäre das Projekt so nicht möglich gewesen“, betonten die Schüler. Lindner wiederum lobte das tolle Engagement seines Wahlkurses, denn geprobt wurde ja auch in der Freizeit: „Es war wirklich anstrengend, viel Schweiß ist geflossen und auch den einen oder anderen blauen Fleck bei der Choreografie hat’s gegeben.“

Erwartungsvoll war das Publikum im Vorfeld, wie nun „Die Verwandlung“ auf einer ganz schlichten Bühne dargestellt wird. Das Schülerensemble lieferte mehr als überzeugende Antworten. Ausdrucksstarke Choreografien transportierten die kafkaeske Käfermetaphorik visuell eindringlich und für den Zuschauer gut nachvollziehbar. Gleichzeitig wurde sie durch aktuelle Bezüge in ihrer Bedeutung erklärt.

Gregor Samsa, Hauptfigur in Kafkas Erzählung, versucht nach finanziellem Desaster mit seiner Arbeit der ganzen Familie weiter ein auskömmliches Leben zu ermöglichen. Stress und Druck machen ihn fremdbestimmt. Eines Morgens aufwachen und nicht mehr derselbe sein, eine Schreckensvision oder Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches nach Veränderung?

Die Interpretation der Metamorphose Gregors wird in der Fachwelt unterschiedlich gedeutet. Die Auslegung am Gymnasium versucht, den Schülern im Wahlkurs einen Zugang zu ermöglichen, dass sie sich selbst fragen: „Wie gehe ich mit eigenen und fremden Erwartungen um, die Lehrer, Eltern und Gesellschaft an mich richten?“ So wird in der Aufführung die Käfermetapher so gedeutet, dass Gregors Isolation ein Bild ist für selbst gewählte oder erzwungene Andersartigkeit und die Frage, wie man damit klarkommt. Kafkas „Die Verwandlung“ bildete dazu den roten Faden.

Theater Gymnasium Dorfen: Bilder

Am Anfang haben die Schüler noch Träume, wie etwa eine erfolgreicher Sportler oder Musikstar zu werden, die aber an eigenen Ansprüchen oder fremdbestimmter Realität scheitern. Symbolisch werden die Träume in einer Mülltonne vor den Augen des Publikums versenkt.

Mit der Verwandlung stellten sich die Akteure Fragen, wie: „Wenn ich mein Leben noch einmal anfangen könnte, würde ich alles komplett anders machen, oder noch mal genauso? Weiß nicht!“

Die Aufführung war rasant, blieb stets spannend und zeichnete ein Bild von Zerrissenheit und Selbstfindung junger Menschen in unserer komplexen Zeit. Viele Schauspieler agierten gleichzeitig auf der Bühne. Das Stück war eher ein Bewegungstheater, zugleich wurden viele Originalzitate verwendet. So war der Versuch gelungen, eine Symbiose herzustellen aus Texttreue und der Geschichte Gregor Samsas mit der Situation der Jugendlichen von heute. Dieser interessante Spannungsbogen zeigte sich eindrucksvoll in Interpretation und Spiel. 

Hermann Weingartner

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