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Hier nimmt das Unglück seinen Anfang: Das Pferd springt über Bank und Tisch der Eingangskasse und rennt davon.

Nach schwerem Unfall

Tierschützer fordern Ende von Pferderennen

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Der schwere Unfall beim Volksfest-Pferderennen am Sonntag hat in Dorfen eine heftige Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Veranstaltungen ausgelöst. Die Tierschutzjugend Erding fordert das generelle Ende solcher Pferderennen.

Dorfen – Begründet wird die Forderung nach dem Aus damit, „dass wir gegen jede Art der Tierausbeutung sind“. Pferderennen, bei denen die Tiere nur der Unterhaltung dienten, „sind nicht mehr zeitgemäß“, so Birgit Moser von der Tierschutzjugend. Viel zu oft passierten bei solchen Veranstaltungen Unfälle, die mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich für Pferd, Reiter oder Zuschauer endeten.

Wie berichtet, ist bei einem der ersten Rennen ein Jockey vom Pferd gefallen. Laut Augenzeugenberichten ging das Tier daraufhin durch und rannte über die Rennwiese Richtung Innenstadt. Auf der Mühlanger Straße war zu dem Zeitpunkt ein 80-jähriger Mann mit dem Fahrrad unterwegs. Er konnte dem Pferd nicht mehr ausweichen und wurde umgerannt.

„Tierwohl geht vor Tradition“

Auch die Tierschutzvereinigung Animal United befasst sich mit dem Vorfall in Dorfen. „Für Tierrechte. Denn Mitleid ist zu wenig!“, heißt es auf der Seite der deutschlandweiten Tierrechtsorganisation. Auf Kritik, dass die Organisation kurz nach dem Unfall fälschlicherweise davon berichtet hatte, dass der Rentner wiederbelebt werden musste, kontert Animal United: „Mit diesem Bericht geht es uns nicht um Sensationsgier, sondern darum, der Öffentlichkeit zu zeigen, das Tierwohl vor Tradition steht. Gerne werden von den Veranstaltern derartige Vorfälle unterm Teppich gekehrt. Gerade in den letzten Monaten ist es mehrfach zu Unfällen mit Todesfolge gekommen, siehe Köln und Hamburg. Hätten wir und andere Tierrechtsorganisationen nicht darüber berichtet, wäre es noch nicht mal in der Presse erwähnt worden. Im Pferderennsport steht Profit vor dem Tierwohl.“

Heftige Kritik wird auch an der Entscheidung der Rennleitung geübt, das Pferderennen trotz des schweren Unfalls fortgesetzt zu haben. „Einfach weiter zu machen als ob nicht’s geschehen ist. Einfach unmöglich“, empört sich eine Frau in der Dorfener Facebook-Gruppe. Und eine andere ergänzt: „Weil es den Veranstaltern um Geld geht und jedwede Empathie fehlt.“

Rennabbruch war keine Option

Dass das Rennen nicht beendet wurde, hat laut Anita Feckl vom städtischen Amt für Sicherheit und Ordnung eine einfache Begründung. Zum einen sei vom Rennarzt die Meldung gekommen, der verunfallte Rentner sei stabil und werde in eine Klinik zur Behandlung gebracht. Zum anderen hätten bei einem Rennabbruch die gut 1500 Zuschauer größtenteils an der Unfallstelle vorbeigehen müssen, um die Wiese zur verlassen, auf der das Rennen stattgefunden hat.

Lesen Sie auch: Pferd bricht aus und verletzt Radfahrer

Ob aufgrund des Unfalls jemals wieder ein Pferderennen zum Volksfest stattfinden wird, darauf will sich die Stadt noch nicht festlegen. Es habe deswegen noch keine Gespräche gegeben. Veranstaltet wurde das Rennen von der Stadt und dem Skiclub Wasentegernbach, Fakt sei, dass 2020 ohnehin kein Rennen geplant sei, so Feckl, die seit vielen Jahren in der Stadt das Volksfest organisiert. Fest stehe aber, „dass der Tierschutz bei einem solchen Rennen greift“. Schließlich handle es sich bei den Teilnehmern „um lauter Pferdeliebhaber, die schauen, dass es ihnren Tieren gutgeht.“

Der bei dem Unfall verletzte Rentner ist mittlerweile auf dem Weg der Besserung, wie es seitens der Stadt heißt. Die Verletzungen hätten sich als weniger schwer heraus gestellt, als ursprünglich geglaubt.

Auch das Tier wurde verletzt

Das durchgegangene Pferd hat übrigens eine weite Strecke zurückgelegt, ehe es eingefangen werden konnte, wie der Dorfener Polizeidienstellenleiter, Erster Hauptkommissar Harald Kratzel, berichtet. Nach dem Zusammenstoß ist das Pferd auf der B 15 von Dorfen aus Richtung Taufkirchen gerannt. Auf Höhe der Abzweigung Scheideck verließ das Pferd schließlich die Bundesstraße in nordöstlicher Richtung und rannte in den nahegelegenen Pferdehof in Wölling. Dort wurde es eingefangen.

Auf seiner Flucht erlitt das Tier durch diverse Stürze mehrere Schürfwunden. Es wurde laut Stadt aber nicht schwerer verletzt.

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