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Eifersüchtig: Floria Tosca (Dorothee Koch) liebt Mario Cavaradossi (Rodrigo Trosino) abgöttisch.  Live-Zeichnungenersetzen Kulisse„Ein irrer Auftritt, einfach genial“

Opera Incognita im Jakobmayer

Liebe, Macht und Sex

Bei der Premiere von Puccinis „Tosca“ am Freitagabend im Dorfener Jakobmayer brillierte das Ensemble der Opera Incognita auf allen Ebenen.

VON MICHAELE HESKE

Dorfen– Kleines Haus, ganz große Bühne: Bei der Premiere von Puccinis „Tosca“ am Freitagabend im Dorfener Jakobmayer brillierte das Ensemble der Opera Incognita auf allen Ebenen. Die Künstler sangen mit großen Emotionen und zeigten, dass Opern auch heute noch mitreißend und zeitgemäß sein können und längst nicht zu den musikalischen Ladenhütern gehören.

Dem Drehbuch fehlte nichts, was das Fernsehen nicht täglich zeigt: Versuchte Vergewaltigung, Mord und Selbstmord – vor dem Hintergrund von Eifersucht, Zweifeln und bedingungsloser Liebe. Kommen noch Intrigen und politischer Machtmissbrauch dazu, verspricht der Stoff allein schon Spannung pur.

Doch damit nicht genug. Die emotionsgeladene Handlung wird durch Musik verstärkt, gipfelt in Dissonanzen und verzerrten Harmonien. „Die Musik von Tosca ist brutal“, sagt Regisseur Andreas Wiedermann, der Giacomo Puccinis Oper im Jakobmayer inszenierte. Eine Aufführung, die den Abend kurzweilig machte, ein Opus, nicht nur für Opernliebhaber, das eine Intensität bietet, die nur im Kammerspiel und nie vor dem Bildschirm erlebt werden kann.

Wiedermann verbindet bei dieser Inszenierung Kreativität mit Funktionalität und ersetzt in Dorfen erstmals die klassische Kulisse durch eine Art Live-Board. Mittels Beamer werden Zeichnungen sowie die Übersetzung der Texte vom Italienischen ins Deutsche an die Bühnenrückwand projiziert. Das Besondere daran: Der Stuttgarter Illustrator Stefan Dinter zeichnet während der Vorstellung in Echtzeit und unterstreicht damit die Handlung. „Comics geben eine komische Dimension – denn mal ehrlich, Tosca ist ziemlich harter Stoff und recht humorfrei“, sagt Wiedermann.

Außerdem hat der Regisseur die Geschichte von „Tosca“ in ein anderes Zeitfenster gesetzt. Im Original spielt das Stück – geschrieben von Victorien Sardou – während des Konflikts zwischen dem Kirchenstaat und der napoleonischen Republik in Rom. Wiedermann: „Damit können die meisten Menschen heute nichts mehr anfangen. Ich brauchte ein totalitäres System, und da die Handlung im Original ohnehin in Rom spielt, bot sich der Faschismus unter Mussolini an.“

Wir befinden uns also in Rom, im Jahr 1943. Dem politischen Gefangenen Cesare Angelotti, dargestellt von Thomas Greimel, gelingt die Flucht aus dem Kerkerhof. Greimel hat schon oft als Chormitglied und Statist bei den unterschiedlichen Produktionen der Opera Incognita mitgespielt. Der Entflohene versteckt sich bei dem Maler Mario Cavaradossi (Rodrigo Trosino), der wiederum mit der berühmten Sängerin Floria Tosca (Dorothee Koch) liiert ist. Das Liebespaar singt Sopran und Tenor, den Bariton gibt der sadistische Polizeichef Baron Scarpia, gesungen von Robson Tavares. Scarpia verliebt sich in Tosca, lässt Cavaradossi verhaften und in Toscas Beisein foltern, was Tosca freilich nicht lange erträgt. Sie verrät das Versteck Angelottis, der sich daraufhin umbringt. Scarpia bietet Tosca nun einen Deal an: Cavaradossi soll nur zum Schein hingerichtet werden – aber nur, wenn sie sich zuvor Scarpia hingibt. Als er sich an ihr vergehen will, ersticht Tosca ihn. Cavaradossi wird aber tatsächlich exekutiert, und als die Ermordung Scarpias entdeckt wird, nimmt sich auch Tosca das Leben. Einziger Überlebender ist Handlanger und Henkersknecht Spoletta, den Bassbariton Martin Summer mimt. In weiteren Rollen sind Elisabeth Margraf als Gräfin Attavanti sowie Pascal Wilfer und Lukas Huge als Carabinieri zu sehen. Produktionsleiterin ist Evi Festl, Elisabeth Margraf Regieassistentin.

Barbara Gruber ist fasziniert von der Figur der Florina Tosca, „Wahnsinnsarien“, kommentiert sie. Die Chefin des Dorfener Gewandhauses Gruber ist, gemeinsam mit ihrem Mann Hugo, seit 2011 Kostümausstatter der Produktionen von Opera Incognita. „Gerade Tosca ist nicht nur musikalisch ergreifend. Hier zeigt sich die ganze Ambivalenz einer leidenschaftlichen Frau, die Zerrissenheit zwischen Eifersucht und bedingungsloser Liebe“, so die Geschäftsfrau. Ihr ist es wichtig, die örtliche Kultur zu sponsern, sowohl beim Dorfener Lenz als auch auf der Bühne im Jakobmayer.

Das Attribut „irre“ verwendet auch Opernliebhaberin Christine Plankemann nach der Premiere: „Ein irrer Auftritt, einfach genial“, sagt die 28-jährige Lehrerin, die in Dorfen aufgewachsen ist und mittlerweile in Nordrhein Westfalen lebt. Zu den Opernpremieren kommt sie indes immer in ihre Heimatstadt. „Die Darsteller singen nicht nur, sie leben ihre Rollen – voller Leidenschaft sind sie, da steckt Herzblut drin“, schwärmt sie. Und: „Diese Oper hat Suchtpotenzial.“ Plankemann ist durch Ernst Bartmann, dem musikalischen Leiter der Inszenierung, zur Oper gekommen: „Ich habe früher selbst bei Aufführungen mitgemacht, im Chor gesungen.“ Bartmann ist Kirchenmusiker der Pfarrei Maria Dorfen, leitet den Männerchor in Dorfen und ist Mitbegründer der Opera Incognita.

In Zeiten von Rappern und Rockern bleibt wenig Raum für die Oper. Das Interesse könne man indes erwecken, so Regisseur Wiedermann: „Durch eine andere, modernere Performance beispielsweise.“ Mit altbekannten Stücken wie der „Zauberflöte“ oder „Lohengrin“ kann man ein jüngeres Publikum nicht mehr in die Oper locken. Andere Vorstellungen wären wichtig: „Ähnlich wie in England, wo Opern wieder im Kommen sind. Dort komponieren zeitgenössische Musiker moderne Opern“, so Wiedermann. Schließlich gebe es derzeit einen Musical-Hype – und möglich, dass auch Opern schon bald wieder in Mode kommen.

Eine gute Chance auf eine Renaissance haben Stücke jedenfalls, wenn die Performance so phantasievoll und lebendig ist wie in Dorfen. Denn egal ob alt oder jung, die Zuschauer waren begeistert von Tosca und spendeten viel Applaus und Standing Ovations.

Weitere Vorstellungen

gibt es im Jakobmayer in Dorfen am Mittwoch und Donnerstag, 1. und 2. Mai, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 5. Mai, um 19 Uhr.

Live-Zeichnungen
ersetzen Kulisse

„Ein irrer Auftritt, einfach genial“

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