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Feldgottesdienst bei herrlichem Wetter unter freiem Himmel anlässlich des 100. Jubiläums der Wasentegernbacher Trachtler.

Trachtler tanzen ins zweite Jahrhundert

Rund 2000 Trachtler feierten am Wochenende mit den Wasentegernbachern das 100-jährige Jubiläum. 

Wasentegernbach - Tracht, Blasmusik und Dialekt: Das sind die Säulen des Brauchtums. Und diese gilt es in Wasentegernbach weiterzutragen, von Generation zu Generation. Der Zuwachs im Trachtenverein ist ungebrochen. Und so feierten die kleinen und. großen Trachtler das 100-jährige Gründungsfest mit Tanz und Blasmusik am Samstagabend im Festzelt. Und sonntags ging es dann zum Festgottesdienst.

Vor dem Festzelt übte ein Bub das Schuhplatteln, schlug im Takt auf Schenkel und Sohlen. Derweil drehte sich die zehnjährige Lena Fuchs im Kreis: „Ich mag es, wenn der Rock aufgestellt ist“, sagte das Mädchen, das schon seit sechs Jahren im Wasentegernbacher Trachtenverein tanzt. Lampenfieber vor dem großen Auftritt habe sie nicht. Lena mache es viel Spaß auf der Bühne zu stehen, gemeinsam mit ihren Freundinnen. „Wir haben so viel geübt“, erzählte sie.

Und schon zogen die Trachtler ins Zelt ein. Ein langer Zug, die Frauen im Dirndl mit roten Blumen im Dekolleté, die Männer in Lederhosen und Janker. Die Vereinsmitglieder defilierten an den Zuschauern im vollbesetzten Festzelt vorbei, formieren sich auf der Bühne.

Das Gefühl der Heimat will der Trachtenverein besonders seinen jungen Mitgliedern vermitteln: „Durch die Digitalisierung ist die ganze Welt ein Dorf geworden – gerade deshalb ist es wichtig, dass das Dorf auch die Welt des Nachwuchses bleibt. Es geht dabei um Identität“, sagte Franz Stadler, Leiter Sachgebiet Volkstanz. Trachten seien wieder in Mode. Ein Trend, der sich auch bei den Volksfesten und auf dem Oktoberfest zeige: „Freilich kann man die modischen Dirndl der Wiesen-Besucher nicht mit unseren historischen Trachten vergleichen – aber es zeigt, dass die Leute wieder nach Bodenständigkeit suchen“, sagte Vorsitzender Gerhard Mayer.

„Nicht immer war das Vereinsleben leicht“, so Mayer. Die Gründer wurden 1919, unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg, belächelt. Dann kamen die Nazis, nahmen den Verein in Beschlag. Und in den 70er Jahren machte man sich lustig über Blasmusik und Dialekt: Tradition war verpönt. „Heute ist der Verein in Frieden und Freiheit lebendiger denn je“, sagte Mayer.

Vor allem die bayerische Sprache gelte es zu erhalten, so Siegi Götze aus Marquartstein im Chiemgau, der Sprecher, der durch den Festakt führte: „Radi und Kas haben die Wurzeln in der römischen Sprache – das Wort Semmel kommt aus dem Griechischen.“ Dabei ginge es freilich auch um die Frage des Miteinanders: „Sage ich nur,Hi’ und ,Hallo’, schaue ich dem Anderen nicht in die Augen. Anders beim Handschlag und einem ‘Griaß Di’. Außerdem: „Zu einem Empfang in der Staatskanzlei, trägt man Smoking oder Tracht.“ Ein Dresscode, der die Wertigkeit der Kleidung beschreibt. Außerdem sei Tracht quasi unverwüstlich, allein der Materialien wegen. „Und nicht ganz unwichtig für die Buam – an der Tracht sieht man, ob eine Frau ledig oder verheiratet ist.“

Es sind die starken Vorbilder, die den Verein in Wasentegernbach so attraktiv machen: „Die Eltern oder auch die Nachbarn“, sagte Vortänzerin Verena Oberreitmeier. „Für jeden ist etwas geboten – in der Tanzgruppe, bei der Trachtenkapelle oder in der Theaterabteilung.“ Das verbinde, schaffe Zusammenhalt. Immerhin wächst die Zahl der Teilnehmer stetig an, im Gau verbuchen die Trachtenvereine einen Zuwachs von knapp 1000 Mitglieder jährlich.

Für das Fest hatten sich die Tänzer viel vorgenommen: „Dreisteyrer, Plattler und Maxglaner“, zählte Vortänzerin Oberreitmeier auf. Sie stand schon als Vierjährige auf der Bühne: „Alles große Tänze, passend zum 100. Jubiläum.“ Auch Bürgermeister Heinz Grundner, langjähriges Mitglied, trug Wasentegernbacher Tracht. „Als ich jung war, tanzte ich auch mit, heute bin ich nicht mehr so sportlich“, so der Dorfener Rathauschef. Ganz Wichtig sei das Brauchtum – gerade für die jungen Leute. Grundner meinte: „In unserer globalen Welt braucht man Wurzeln und Heimat – und diese findet man bei den Wasentegernbacher Trachtlern.“ (Michaele Heske)

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