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Nur Augen füreinander: Der Mentl (Simon Doser, l.) und die schöne Sennerin Evi (Sabine Weinberger) sind verliebt. Das bleibt auch d em Landschaftsmaler Reinthaler (Franz Lohmair) nicht verborgen.

Weihnachtstheater in Wasentergenbach

Liebe, Lüge, Leidenschaft

Auf der Theaterbühne in Wasentegernbach geht es rund.

Wasentegernbach– Zu seinem 100-jährigen Bestehen macht der Trachtenverein Wasentegernbach sich und allen Liebhabern unterhaltsamen Bauerntheaters ein ganz besonderes Geschenk: Das Stück „Edelweiß und Almenrausch“ haben die Trachtler auf die Bühne gebracht und dabei das Publikum mit viel Wilderei und Liebelei begeistert – ein Bühnenspektakel, voller Dramatik und folgenschwerer Verwechslungen.

Vor 150 Jahren war es gar nicht so einfach, jung und verliebt zu sein. Damals gab es noch soziale Schranken, und eine einfache Sennerin kam gewiss nicht als Ehefrau für einen gut situierten Bauernsohn in Frage. Doch der Mentl (Simon Doser), Sohn des Bühelbauern, hat sich in die blonde Evi verliebt, gespielt von Sabine Weinberger. Als „hoffärtig“ bezeichnet gar der Bauer (Michael Schlickenrieder) das Mädl – und eine „dahergelaufene Dirn, die nichts ist, und nichts hat“, die kommt ihm nicht ins Haus. Freilich weiß auch der Bühelbauer, dass es „nicht gut ist, dass die Ramsauer immer untereinander heiraten“.

Derweil der Sohn noch um die Sennerin wirbt – denn der Mentl ist der Evi eigentlich viel zu wild – merken Wasentegernbachs Theater-Urgesteine Schlickenrieder und Elfriede Mangstl, die das Bauern-Weib Margareth mimt, dass Evi vom Landgericht gesucht wird. Scheinbar hat sie ihre Kinder verlassen. Das stimmt freilich nicht, „das war meine Base“, erkennt die junge Sennerin schnell. Doch schon erscheint der Brigadier, gespielt von Trachtler-Chef Gerhard Mayer, und bezichtigt den Mentl der Wilderei. Die Protagonisten sind schockiert, nur die Evi glaubt an Mentls Unschuld. Der Wilddieb Quasi (Gerhard Braunhuber) hat es nämlich auch auf die Evi abgesehen. Wen wundert es bei dem ganzen Durcheinander, dass die Eifersucht und dadurch nun die Ereignisse im beschaulichen Ramsau eskalieren.

Zum 100. Jubiläum führt der Trachtenverein Wasentegernbach unter der Leitung von Marlene Rampl das Stück „Almenrausch und Edelweiß“ auf – passend zum Vereinsnamen. Beide Blumen sind nämlich Embleme auf den Hosenträgern der Trachtler und „gehören zamm“, wie Sennerin Evi und Bauernsohn Mentl.

Die knapp 30 Mitglieder des Laientheaters, das es ebenfalls seit 100 Jahren gibt, haben schon Anfang Oktober mit den Proben begonnen und standen nun text- und dialektsicher auf der Bühne. Bereits zum 40. und 60. Jubiläum hatte die Theatertruppe „Almenrausch und Edelweiß“ aufgeführt. Das erste Stück, das an Weihnachten 1919 Premiere feierte, war der „Amerikaseppl“. Seitdem wird immer an Ostern und Weihnachten gespielt, unterbrochen wurden die Aufführungen nur während des Zweiten Weltkriegs.

Das Stück ist ein oberbayrisches Volksstück, das auf dem Roman des Heimatdichters Dr. Hermann von Schmid basiert und hier in einer Fassung von Hans Neuert gespielt wird. Auch die Musik kommt nicht zu kurz: Die Wasentegernbacher Trachtenkapelle spielt auf, während des Stücks erklingen Zitherklänge, zu denen auch getanzt wird.

Ob sich die beiden unglücklich verliebten Evi und Mentl nun kriegen oder auch nicht, und ob der wirkliche Wilddieb gefasst wird, können die Zuschauer noch am Freitag um 20 Uhr, am Samstag um 18 Uhr und am Montag, 6. Januar, um 14 Uhr selbst sehen. Karten sollten dringend reserviert werden, denn bislang war jede Vorstellung ausverkauft. Vorbestellungen sind unter Tel. (0 80 82) 81 22 möglich.

Michaele Heske

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