In seinem Element: So kannte man Anton Wilm, Dorfener Fachmann für Entsorgung und Recycling. Repro: Renner
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In seinem Element: So kannte man Anton Wilm, Dorfener Fachmann für Entsorgung und Recycling. Repro: Renner

Nachruf auf Anton Wilm

Trauer um den „Schutte Toni“: Anton Wilm war der Dorfener Pionier der Müllentsorgung

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Der Dorfener Unternehmer Anton Wilm ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Er baute die Müllentsorgung in Dorfen auf.

Dorfen – Er war ein Mann mit Visionen, einer, der das, was er anpackte, auch zum Erfolg brachte. Anton Wilm ist den Dorfenern ein Begriff. Jetzt ist der „Schutte Toni“, wie er genannt wurde, im Alter von 89 Jahren gestorben.

Geht es in Dorfen um Abfall und Recycling, denkt man sofort an die Firma Wilm. Die heutige Wilm Entsorgungs-Recycling GmbH mit 40 Mitarbeitern hatte der gebürtige Dorfener 1960 gegründet und viele Jahre lang geführt. Begonnen hat Wilm damals mit der Leerung von etwa 80 Restmülltonnen. Dabei war der berufliche Lebensweg des im Oktober 1931 geborenen Unternehmers zunächst ganz anders gestartet.

Wie seine Vorfahren sollte Anton eigentlich Kaminkehrer werden. Und so machte er dann auch die Lehre in diesem Beruf. Doch nach der Lehrzeit wurde kein Kehrbezirk für ihn frei. Da machte Wilm eben eine zweite Ausbildung. Da ihn die Fliegerei schon immer fasziniert hatte, lernte er Flugzeugmechaniker. Um seinen Traum zu verwirklichen, brauchte er Geld. „Er finanzierte sich seine Lehre als ,Nur Die’-Strumpfhosen-Vertreter, was aber nicht seinem Naturell entsprach“, erzählt seine Tochter Beate. Wilm, der immer schon irgendwie ein Macher war, wollte aber stets auch sein eigener Herr sein.

Und so wechselte er 1960 erneut seine berufliche Tätigkeit und kaufte sich einen Lastwagen. Mit diesem gebrauchten Tatra fuhr Wilm fortan für verschiedene Firmen Stückgut. Im Lebensmittelladen seiner Frau Therese (2007 verstorben) am Bahnweg wurde er Jahre später auf einen Missstand aufmerksam: Viele Kunden wussten nicht, wohin mit der Asche oder dem Müll, der nicht im Ofen verbrannt werden konnte. Es war die Stunde von Wilm. Er stellte in Dorfen und der nahen Umgebung insgesamt 50 Eisentonnen auf. Gegen Bezahlung einer Abfuhrgebühr, die vom Gemeindediener kassiert wurde, konnten die Dorfener dort ihren Müll entsorgen. Die Tonnen lud Wilm einmal die Woche auf die Ladepritsche seines Tatra, entleerte diese und stellte sie zurück. Die Müllabfuhr in Dorfen war geboren.

Dies erfuhr auch der Metzger und zugleich Bürgermeister von Kirchheim bei München, bei dem Wilm oft seine Brotzeit holte. Der Kirchheimer beauftragte den Dorfener mit der Aufstellung und Entsorgung von Asche und Müll in seiner Gemeinde.

1972 erließ die Bundesregierung das Abfallbeseitigungsgesetz, das unter anderem beinhaltet, dass Abfallentsorgungsfahrzeuge geschlossen sein müssen. 1980 wurde Wilm deshalb Pionier in Sachen Wertstoff- und Altglasentsorgung. Er kaufte dafür die nötigen Container und stellte diese bei Geschäften auf. Das Altglas wurde an der Verladerampe der Firma Stitteneder in Kloster Moosen in Großcontainer umgeleert.

1982 ließ Wilm im Gewerbering in Dorfen eine Umladestation bauen. Dort sortierte er die Wertstoffe heraus und presste Papier und Kartonagen. Sein Unternehmen hat Wilm 1996 an Tochter Beate und deren Mann Karl Heinz Kräutler übergeben.

1990 begann Wilm, seinem Hobby, der Wehrtechnik, nachzugehen. Er fand einen Kastenwagen und einen Schwimmwagen aus dem Zweiten Weltkrieg in einem erbärmlichen Zustand, kaufte sie und baute beide Fahrzeuge originalgetreu bis in die letzte Schraube wieder auf.

1995 kaufte der Unternehmer dann einen abgewrackten Fiseler Storch. Zusammen mit dem flugbegeisterten Karl Mangstl aus Wasentegernbach baute Wilm aus dem Schrotthaufen in seiner Werkshalle in jahrelanger Kleinstarbeit wieder eine flugtaugliche Maschine. Das Flugzeug entstand neben gepressten Altpapierblöcken und Recycling-Maschinen. Alle Teile stammen aus den 1930er Jahren, mühsam zusammen getragen auf Flohmärkten. Im Jahr 2000 war der Fiseler Storch der absolute Hingucker bei einer Flugvorführung auf der historischen Flugwerft in Oberschleißheim.

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