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Der Bahnübergang in Wasentegernbach: Mit dem zweigleisigen Ausbau muss er aufgelöst werden. 

Trog für Wasentegernbach illusorisch

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Eine Tieferlegung der Gleise in Wasentegernbach im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Strecke München-Mühldorf-Freilassing ist nahezu illusorisch.

Dorfen – Das hat Klaus-Peter Zellmer, der Leiter des Großprojekts ABS 38, bei einem Besuch in der Redaktion des Dorfener Anzeiger klargestellt. Für den Bau eines Troges müsste die Bahnstrecke für mindestens ein Jahr stillgelegt werden.

Zellmer hat sich auch gegen Vorwürfe verwehrt, die Bahn nehme beim zweigleisigen Ausbau keinerlei Rücksicht auf Bürger und betroffene Kommunen. Gerade im Fall Wasentegernbach sei man seit „2015 unterwegs“ und habe bisher schon an vier Bürgerversammlungen teilgenommen, zu denen Landrat Martin Bayerstorfer eingeladen hatte. „Während wir immer dabei waren, war der Landrat zwei Mal gar nicht vor Ort“, sagte Zellmer. Überdies habe es „zig Gespräche auf Verwaltungsebene“ gegeben, um den Bürgern in Wasentegernbach, der Stadt und dem Landkreis bei deren Wünschen entgegenzukommen. Und das, obwohl die von der Bahn favorisierte Vorzugsvariante fertig geplant und baubar sei. Weil aber die Bürger die „Ortsumfahrung“ in Form einer Schleife nicht wollen, habe man nach Alternativen gesucht. Die Möglichkeit sei in einer Brücke gefunden worden. Doch dies gefällt den Bürgern auch nicht.

Der derzeit höhengleiche und beschrankte Bahnübergang auf der Ortsdurchfahrt Wasentegernbach muss im Zuge des Bahnausbaus beseitigt werden. Die letzte Planung sieht vor, die Fahrbahn über eine bis zu sieben Meter hohe Brücke über die dann zweigleisige Strecke zu führen. Um den Ort vor Lärm zu schützen, sind meterhohe Lärmschutzwände vorgesehen. Die Wasentegernbacher sehen in der Brücke und den Schallschutzwänden eine Verschandelung und Teilung ihrer Heimat.

Zellmer hat für diese Sichtweise auch Verständnis. „Aber ich muss wirtschaftlich und baubar bauen.“ An der Stelle des Bahnübergangs wäre die Verlegung eines zweiten Gleises möglich. Wenn die beiden Gleise aber in

einen Trog sollen, damit die Brücke an Höhe verliere, „wo lege ich denn während der Bauzeit die Bahn hin?“, fragt Zellmer. In Dorfen sei der Bau eines Troges kein Problem, „da ist der Platz da, in dem wir die bestehenden Gleise um 30 Meter versetzen“. Das sei im Falle Wasentegernbach nicht möglich. „Unter Betrieb kann kein Trog gebaut werden. Daher müsste in Wasentegernbach die Bahnlinie blockiert werden, um einen Trog zu bauen.“ Das hieße, die Bahnstrecke müsste für mindestens ein Jahr stillgelegt werden.

Einwände, dass die Brücke den Hochwasserschutz beinträchtige und den Blick auf die denkmalgeschützte Kirche störe, sind für Zellmer nicht stichhaltig. „Niemand hat untersucht, was das für Auswirkungen haben würde und wie wir das beheben könnten. Das kann man ja alles planen, etwa wie die Abflussmengen und Rückstauflächen erhalten bleiben und wie das Wasser abgeleitet werden kann. Das alles würde in einer Entwurfsplanung gemacht. Auch das Thema Denkmalschutz nehmen wir natürlich ernst. Wir wollen ja nichts verschandeln. Aber das Thema so hoch zu hängen, ohne das man das mal beplant hat, finde ich schlecht.“

Zellmer machte auch deutlich, dass die weitere Vorgehensweise klar sei, wenn keine Einigung mit Bürgern, Landkreis und Kommune erzielt werden könne. „Dann sind wir genötigt, die wirtschaftlichste Variante, nicht die billigste, einzureichen. Und das wird die Variante mit einer Brücke sein. Ob die nun 7,50, 6,50 oder 5,50 Meter hoch ist, das lassen wir mal außen vor, da sind wir am Prüfen.“ Und dann gebe es ja auch noch die Vorzugsvariante mit „Ortsumfahrung“. Planer Zellmer dazu: „Wenn uns mit einer Brücke so viel Schwierigkeiten gemacht werden, dann holen wir die wieder raus. Die ist baubar. “

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