Friedlich und kreativ zogen gut Teilnehmer der Fridays For Future-Dmonstration vom Friedhof über die B 15 (im Bild) zur Kundgebung am Rathaus.
+
Friedlich und kreativ zogen gut Teilnehmer der Fridays For Future-Dmonstration vom Friedhof über die B 15 (im Bild) zur Kundgebung am Rathaus.

Fridays For Future in Dorfen

Trommeln fürs Klima: 300 Teilnehmer bei Fridays For Future in Dorfen

  • VonTimo Aichele
    schließen

300 Teilnehmer haben am Freitag bei Fridays For Future in Dorfen für den Klimaschutz demonstriert. Die Reden waren von Aufrufen zu einer „Klimawahl“ am Sonntag geprägt.

Dorfen – Trommeln, Rasseln, laute Rufe – die Lautstärke hat am Freitag gestimmt. Die gut 300 Teilnehmer des Fridays For Future-Demonstrationszugs waren bei ihrem Marsch durch Dorfen nicht zu überhören – und folgten damit dem Aufruf der Veranstalter. Im Chor skandierten viele Demonstrierende das obligatorische „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“. Viele Kinder und Schüler gingen mit, und der Protest war wie üblich bei FFF kreativ und bunt. Vom Friedhof über die B 15 und den Marktplatz ging es bis zur Kundgebung vor dem Rathaus.

„Nur der Mensch ist so dumm und bringt seine Kinder um“, „Rettet die Pole, stoppt die Kohle“ und vieles mehr war auf den Transparenten zu lesen. Aus einem zum Lautsprechertransporter umfunktionierten Kinderwagen donnerte in Dauerschleifer ein anarchistisch-ironischer Protestsong vom „Himmel auf Erden“. Am Max-Hertwig-Weg radelte ein Bub der Demo entgegen und streckte den Daumen nach oben. Auch eine Autofahrerin an der Oberdorfener Straße nahm es gelassen, als sie warten musste, weil die Polizei die Durchfahrt gesperrt hatte. „Passt, die sind ja für unsere Umwelt unterwegs“, sagte die Frau.

Kurz sorgte „Die Partei“ für Zwist. Eine Abordnung schob sich an die Spitze und entrollte mit das größte Transparent des ganzen Demonstrationszugs: „Kohleinfrastruktur lahmlegen“ stand darauf. Das passte Mitorganisator Gerald Forstmaier überhaupt nicht, der Spruch sei ihm zu radikal, damit wolle er sich nicht identifizieren, sagte Dorfens Umweltreferent. Nach kurzer Diskussion reihte sich die „Partei“ weiter hinten ein.

Bunte Bändchen mit Klimawünschen konnten dort beschriftet werden – „damit was von der Demo hängen bleibt“. Sandra Fischkandl und Matthias Lehner befestigten einige davon an der Wäscheleine.

Während der Reden vor dem Rathaus, das Bürgermeister Heinz Grundner kurz vor dem Eintreffen des Zugs verlassen haben soll, lief eine Klimabändchen-Aktion, initiiert von Kathrin Böhling aus St. Wolfgang.

„Wir wollen, dass von der Demo etwas hängen bleibt“, erklärte sie. Jeder könne zu ihr kommen und einen Stoffstreifen beschriften. Schnell hingen mehrere Dutzend bunter Bändchen mit Klimawünschen an einer Wäscheleine, die an den Fahnenmasten befestigt war. „Mehr Blumenwiesen – das ist von mir“, sagte Böhling. „Ich finde, dass die Grünflächen in Dorfen insektenfreundlicher sein könnten. Man kann ja total viel lokal machen.“

Die Redner richteten den Blick aber vor allem aufs große Ganze und die Bundestagswahl. Sebastian Emehrer sprach von „vier Jahre Andi Scheuer als Verkehrsminister: Vier Jahre, die wir im Kampf gegen den Klimawandel verloren haben.“ Wie das CSU-Stadträtin Sabine Berger fand, ließ sie unter ihrer Atemmaske nicht erkennen. Tapfer stand sie während der Ansprachen, die eine nach der anderen zu einer „Klimawahl“ am Sonntag aufriefen, in der ersten Reihe. So war aber auch ihr BBV-Plakat „Klimaschützer kaufen regional“ bestens zu sehen.

Um Berger herum applaudierten Zuhörer Emehrer zu, wenn er „Parks statt Parkplätze“ forderte oder schimpfte: „Die Bahn ist immer noch eingleisig, dafür haben wir jetzt eine Autobahn.“ Stefan Brandhuber appellierte: „Ein Weiterso darf es nicht geben.“ Und Andreas Forstmaier erklärte, für den Ausbau der Erneuerbaren Energien müssten endlich „die irrsinnigen Abstandsregeln abgeschafft werden“. Als bewährte Anheizerin übernahm dann die erst 18-jährige Paula Hutner das Mikro und rief: „Wir sind hier, wir sind laut. . .“ Alle stimmten ein.

TIMO AICHELE & MICHAELE HESKE

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare