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Bodenproben im Gepäck: Klaus-Peter Zellmer und Michael- Ernst Schmidt von der DB Netze.

BAHNAUSBAU

Tunnel oder Trog kostet über 100 Millionen

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Drei Tage vor dem Besuch des Petitionsausschusses des Bundestags in Dorfen hat die DB Netze neue Fakten zum Bahnausbau genannt. Gespanntes Grundwasser und sehr unterschiedlicher Boden machen ein aufwendiges Bauverfahren nötig.

Dorfen – Sechs Plastikdosen sind es, die gestern Klaus-Peter Zellmer und Michael-Ernst Schmidt nach Dorfen mitgebracht haben. Darin enthalten sind Bodenproben, die zwischen Lappach und kurz vor dem B 15-Bahnübergang entnommen wurden. Mit ihnen haben der Projektleiter der ABS 38 und der Sprecher Großprojekte in Bayern der DB Netze aufgezeigt, dass der Baugrund eine technische Herausforderung ist – und die von der Bürgerinitiative Bahnausbau und der Stadt Dorfen geforderte Tieferlegung der Gleise in einen Trog oder Tunnel aus finanziellen Gründen wohl ein Wunschdenken bleiben wird.

Zuerst lässt Projektleiter Zellmer das mit einer Pipette aufgezogene Wasser in Kiesboden tropfen, wie er sich im Münchner Umland findet. Der Boden nimmt das Wasser auf, er wird nicht schmierig. Die nächsten Wassertropfen fallen auf Sand, wie er bei Lappach vorhanden ist. Auch dieser Boden verkraftet das Wasser gut, erst wenn es viel Flüssigkeit wird, wird der Sandboden schmierig. Anders die Probe, die im Bereich Birkenallee gezogen wurde. Ein paar Tropfen Wasser genügen, und die Masse wird sehr schmierig – auf bayerisch gesagt „Baatz“, wie Zellmer anfügt. Dann wurden auch noch tonige Schichten gefunden, etwa in Höhe der B 15. Diese Böden nehmen gar kein Wasser auf, werden bei Berührung mit Nässe sofort schmierig und weich.

Bodensituation ist nicht unbeherrschbar

Diese sehr unterschiedlichen geologischen Schichten und dazu sogenanntes „Gespanntes Grundwasser“ machen laut Zellmer „ein sehr aufwendiges Bauverfahren“ nötig. Die Bodensituation ist nicht unbeherrschbar, aber es ist sehr viel Technologieaufwand und sehr viel Geld notwendig, dass wir hier Bauen können.“ Mehr als 9000 Bohrungen und Schürfungen wurden zwischen Markt Schwaben und Ampfing gemacht. Im Bereich Dorfen wurden fast alle 100 Meter Bodenproben entnommen. Das Ergebnis ist ernüchternd, wie Zellmer und Schmidt bei dem gestrigen Pressegespräch im Wailtl-Bräu betonten. Immer wieder tritt gespanntes Grundwasser auf. Dabei ist die Grundwasserüberdeckung, meist Ton, wasserundurchlässig. Der Wasserdruck ist sehr hoch. Wird die darüberliegende Schicht angebohrt, steigt das Wasser sofort an – teilweise fast bis zur Geländehöhe. „Für Bauingenieure ist solches Wasser das Schlimmste, was es gibt“, sagt Zellmer, der selbst Bauingenieur ist. Überdies tritt immer wieder auch Schichtenwasser auf. Das ist durch wasserstauende Schichten oberhalb des Grundwassers am Versickern gehindertes, meist oberflächennahes, vom Hauptgrundwasserleiter unabhängiges Grundwasser. Auch das macht das Bauen teuer.

Mit einer einfachen „Bierdeckel-Rechnung“ zeigt Zellmer auf, dass eine Tieferlegung der Gleise zwischen Rutzmoos und Kloster Moosen in einen Trog oder Tunnel, wie von der Bürgerinitiative und der Stadt gefordert, weit mehr als 100 Millionen Euro kosten würde. Alleine der 550 000 Kubikmeter umfassende Erdaushub würde schon an die zwölf Millionen Euro verschlingen, der nötige Beton zum Bau weitere 30 Millionen, notwendige Spundwände und Verankerungen gute 24 Millionen Euro. Hinzu kämen immense Kosten etwa für Rettungskonzepte, endgültige Entwässerung, Planung und Betrieb. Wenn die Stadt diese Mehrkosten übernehme, „dann können wir auch eine Trog- oder Tunnellösung bauen“, konstatieren Zellmer und Schmidt.

Die immer wieder von der Bürgerinitiative Bahnausbau als Kostenvergleich herangezogenen Tunnelbauten in Ismaning und Unterföhring hat Projektleiter Zellmer genauer unter die Lupe genommen. Und auch das ist, aus Sicht der DB Netze, ernüchternd. Die Gemeinde Ismaning hat für den Bahntunnel 1992 knapp 28 Millionen D-Mark selbst hinzubezahlt. Unterföhring zahlte sogar fast 65

Ismaninger Tunnel nicht Maß aller Dinge

Millionen Euro aus eigener Tasche – bei Gesamtkosten von etwas über 83 Millionen Euro. Zudem seien beide Tunnellösungen in einer Art und Weise ausgeführt, wie sie heute nicht mehr durchgeführt würden. Und in beiden Fällen sei dort Kiesboden als Baugrund vorhanden gewesen. Die Baukosten seien deswegen viel günstiger als bei Bodenverhältnissen wie im Bereich Dorfen und dem Isental.

Die DB Netze sind vertreten durch Projektleiter Zellmer und Sprecher Schmidt am Dienstag beim Besuch des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags (es kommen die Abgeordneten Gero Storjohann, Leitung, CDU, Annette Sawade, SPD und Harald Weinberg, Die Linke) als Experten beigeladen. Daneben wollen die Abgeordneten auch mit Vertretern der Stadt und dem Pedenten (Bürgerinitiative Bahnausbau) sowie Vertretern weiterer regionaler Behörden sprechen.

BI und Stadt laden Bevölkerung ein

Georg Brandhuber als Sprecher der Bürgerinitiative Bahnausbau und die Stadt Dorfen haben in einem gemeinsamen Appell die Dorfener Bevölkerung unter dem Motto „Lassen Sie unsere schöne Stadt mit Isental nicht zum gesichtslosen Verkehrsknotenpunkt verkommen“ dazu aufgerufen, zum Ortstermin des Petitionsausschusses um 11 Uhr an die Sparkasse zu kommen und die Bundestagsabgeordneten bei ihrer Besichtigungsfahrt zu begleiten. Das offizielle Programm des Petitionsausschusses sieht das zwar nicht vor, dennoch gibt sich der Leiter der Delegation in Dorfen, Gero Storjohann gelassen. „Das lässt sich nicht verhindern, dass Leute uns begleiten.“ Schließlich seien die Menschen ja betroffene, und die Abgeordneten wären durchaus auch für Hinweise aus der Bevölkerung offen. An der internen Nachbesprechung darf die Bevölkerung aber dann nicht teilnehmen.

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