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Ratlosigkeit und Verwirrung: Auf der Wasentegernbacher Bühne geht es rund.

Weihnachtstheater in Wasentegernbach

Turbulente Leonhardifahrt

Die Theaterspieler des Trachtenvereins Wasentegernbach sind im Landkreis – und darüber hinaus – anerkannte Spezialisten für Bauerntheater.

Wasentegernbach Nicht nur, dass die Laiendarsteller um Spielleiterin Marlene Rampl rundum authentisch wirken, wenn sie im Heimatdialekt herrische Großbauern, stolze Bauerntöchter, neugierige Mägde oder einfältige Knechte mimen. Und dabei ganz nebenbei dafür sorgen, dass alte Wörter wie „lusen“ wiederentdeckt werden können.

Die aufgeführten Stücke, die Rampl mit viel Kenntnis um das Können ihrer Truppe aussucht, scheint den Wasentegernbacher Hobbyschauspielern immer wie auf den Leib geschrieben. Im aktuellen Stück „Die Leonhardifahrt“, das gleich mit vier Aufzügen und vier verschiedenen Bühnenbildern daherkommt, geht es um ein Findelkind, dessen Eltern, ein Tunichtgut und ein „schönes Ungarnmadl“, durch ein Unglück von ihm getrennt werden. Doch seine Herkunft hängt ihm immer noch nach, obwohl er längst der tüchtige Hoferbe seines Ziehvaters, des Aichhof-Bauern, geworden ist. Als er seiner Base die Ehe verspricht, sich kurz darauf jedoch in eine andere verliebt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Doch bei der Leonhardifahrt darf selbstverständlich auch viel gelacht werden. Bei der Wirtshausszene etwa, wo Rampl aus dem Vollen schöpfen kann. Hier darf nicht nur gerauft werden, sie bietet der Wasentegernbacher Kapelle und den Volkstänzern einen fulminanten Auftritt. Und wie immer überzeugen die einzelnen Darsteller: die Theater-Urgesteine Michael Schlickenrieder als Holzer-Hias, Sepp Mühlhuber als Wirt, Elfriede Mangstl als Hauserin Babett und Gerhard Mayer als Zellhofbauer.

Schlickenrieder heimst am Ende des Stücks als zu Geld gekommener Hallodri die Sympathien des Publikums ein. Auch Michael Bürger geht als Bauer vom Achhof mit Zittern, Hackelstecken und Filzpotschen ganz in seiner Rolle auf. Das Klischee vom herrischen Großbauern wird von Gerhard Mayer bedient, Franziska Ernst gibt das Basl als (herzens)gute Haut, und Julia Weinberger mutiert von der hochmütigen Tochter des Zellhofbauern, die den „Zicheinerbuam“ Friedl nicht mal mit dem „Stecka“ anfassen würde, zu einer sich in eben diesen verliebenden jungen Frau. Sie folgt ihrem Verlobten sogar in ein ungewisses Schicksal, als ihr Vater sie enterbt.

Insgesamt sind es viele kleine Szenen, die das Stück lebendig werden lassen. Die Running Gags etwa, für die Magd Stasi (Barbara Meindl) und Knecht Muckl sorgen. Sie, weil sie immer „rein zufällig“ hinter der Tür steht, wenn es etwas Interessantes zu belauschen gibt, und er, weil er sich als Hobbyringer viel auf seine „Muschkulatur“ einbildet. Gekonnt ist auch die Wirtshausszene, bei der der betrunkene Zeilhofbauer seine Tochter auskartelt und an den Falschspieler Toni (Simon Moser) verliert.

Bauerntheater, so viel ist Darstellern und Zuschauern klar, lebt davon, Stereotype zu bedienen. Das Stück, das Richard Manz in den 1920ern geschrieben hat, knüpft an ein weiteres Stereotyp an: das des Zigeuners. Auch wenn Friedl, der Sohn des Ungarnmädls und Erbe des reichen Zigeunerbarons, ein kreuzbraver Bursche ist, der Vorurteilen und Widrigkeiten ausgesetzt ist, fragt man sich, ob das Thema nicht ungewollt Vorurteile reproduziert, statt sie zu überwinden.

Außerdem wirken mit: Hans Bachmeier als Kesselflicker und Schmuser Wastl, Florian Seisenberger als Oberknecht auf dem Zeilhof, Sebastian Mayer als Holzknecht, Wolfgang Kirmayer als Landstreicher Veri, Florian Bauer als Bader.

Die Spielleitung hat Marlene Rampl, für die Maske sind Luise Weichselgartner, Birgit Zacherl, Theresa Stehbeck und Theresa Wlasiuk verantwortlich. Um die Bühne kümmern sich Sepp Mühlhuber, Elfriede Mangstl und Marlene Rampl. Technik und Beleuchtung liegt bei Anton Bruckloher. Die Leitung der Trachtenkapelle, die vor und nach dem Stück sowie zwischen den Akten auftritt, hat Rudi Ernst.

Das Stück kann noch am 4. Januar um 20 Uhr und am 6. Januar, um 14 Uhr im Vereinsheim in Wasentegernbach besucht werden.

Anne Huber

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