1964 wurde das Dorfener Freibad am Stadtrand gebaut. Heute ist es von Wohnbebauung umgeben. Und immer mehr Anwohner beschweren sich wegen der Lärmbelästigung. 

Lärmbeschwerden von Anwohnern

„Und plötzlich ist das Freibad dicht“

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Es braucht nicht viel, und das Dorfener Freibad könnte Geschichte sein. Eindringliche Warnungen des Rechtsanwalts der Stadt werden von Teilen des Stadtrats aber offenbar nicht ernst genommen.

Dorfen – Heiner Müller-Ermann (SPD) und andere sind viel mehr der Meinung, das Schwimmbad hat Bestandsschutz. Basta. Eine höchst zweifelhafte Einschätzung.

Die Stadt hat vor zwei Wochen einen gut 200 Quadratmeter großen Liegebereich gesperrt. Der Grund sind wiederholte Beschwerden einer Anwohnerin wegen zu viel Lärm (die Heimatzeitung berichtete). In Dorfen ist wegen der Sperrung eine hitzige Debatte entbrannt. Diese wurde von ÜWG-Stadtrat Josef Jung im Internet verbreitet und dadurch enorm befeuert. Sowohl die Anwohnerin, eine Zuzüglerin, wird dabei heftig angegangen, aber auch der Stadt werden Vorwürfe gemacht, weil sie einfach eingeknickt sei.

Probleme nicht noch mehr anheizen

Im Stadtrat gab Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) nun am Mittwochabend auf Antrag von Jung einen Sachstandsbericht ab. Grundner untermauert dabei, dass es seit Langem immer wieder Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigung gebe. Im konkreten Fall durch eine direkte Anwohnerin an der gesperrten Liegewiese, die offenbar auch wegen eines vom Bauhof vergangenes Jahr durchgeführten „unsensiblen Heckenschnitts“ dazu besonders motiviert worden sei. Seitens der Bauverwaltung habe ein Gespräch mit der Beschwerdeführerin stattgefunden. Aufgrund dessen seien einige Maßnahmen ergriffen worden, etwa die Sperre des Liegebereichs oder die Verminderung der Lautstärke der Lautsprecheranlage für Durchsagen. Für Grundner steht fest, dass die Stadt „die Probleme nicht noch mehr anheizen oder provozieren darf“ und deswegen ein Konsens mit der Anwohnerin gesucht worden sei. „Unsere Überzeugung ist, wir müssen hier deeskalierend eingreifen, um einen Rechtsstreit zu vermeiden.“ Grundner verwahrte sich gegen Vorwürfe, es habe irgendwelche „Abmachungen mit der Dame gegeben“, wie dies Stadtrat Jung in seinem Antrag behauptet hatte. „Wir leben hier in Südbayern und nicht in Süditalien“, gab sich der Bürgermeister verärgert.

Jung dagegen verwies darauf, dass die Sperre des Teilstücks der Liegewiese gegenüber den anderen Anwohnern „unfair“ sei. Die hätten das gleiche Recht. Im übrigen genieße das Bad Bestandsschutz, daher hätte die Stadt durchaus auch anders handeln können. Zumal der Heckenschnitt schon 2017 vorgenommen worden sei.

Der bei der Sitzung anwesende Fachanwalt der Stadt, Gerhard Spieß, wollte diesen „Bestandsschutz“ so nicht wörtlich sehen. „Die Stadt ist sehr gut beraten, hier das Gespräch mit der Anwohnerin zu suchen.“ Denn die Lage des Schwimmbads mitten in der Wohnbebauung sei höchst problematisch. „Die Stadt muss bei Beschwerden sehr besonnen handeln, um Schlimmeres zu verhindern“, sagte Spieß. „Sie muss sehr vorsichtig sein, um den Betrieb des Bades nicht insgesamt zu gefährden.“

Gesperrte Liegewiese wieder freigeben

Ernst Giller (SPD) kritisierte die Verkleinerung der Liegefläche. Die Absperrung eines Teils mit Bauzäunen „schaut sehr unglücklich aus“. Der Rückschnitt der Hecke sei soweit gemacht worden, „dass man vom Schwimmbad aus der Anwohnerin jetzt ins Wohnzimmer reinschauen kann“. Giller forderte den Abbau des Bauzauns, die Freigabe der Liegewiese und im Gegenzug die Montage einer Sichtschutzwand am Zaun zur Anwohnerin.

Fraktionskollege Müller-Ermann brachte überhaupt kein Verständnis für die Sperrung der Liegefläche auf. Das Freibad genieße Bestandsschutz, „solange wir am Schwimmbad nichts ändern“. Dass die Stadt „so locker vom Hocker“ Beschwerden nachgebe, ist für Müller-Ermann nicht nachvollziehbar. Im „vorauseilenden Gehorsam zu Lasten der Schwimmbadbesucher“ habe die Stadt die Liegefläche verkleinert. „Dass da kein Risiko eingegangen wird, kann ich nicht verstehen.“ Denn das Schwimmbad stehe seit vielen Jahrzehnten dort, die Anwohnerin sei „sehenden Auges vor Kurzem da hingezogen“. Das würde einen Richter „nicht völlig unbeeindruckt lassen“. Ulli Frank-Mayer (Grüne) meinte, „dass rein rechtlich die Dame nicht gewinnen wird“, sollte es zu einem Rechtsstreit kommen.

Lärmwerte bereits an Grenze des Zulässigen

Rechtsanwalt Spieß warnte vor solchen Aussagen: „Es kann sein, dass sie plötzlich gar kein Schwimmbad mehr haben.“ Spieß vertrat die Ansicht: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Die Lärmwerte seien schon jetzt an der Grenze des Zulässigen. Bei einem Richterspruch würden auch andere Dinge in die Bewertung einfließen, als nur Gutachten.

Lesen Sie auch: Freibad platzt aus allen Nähten, Stadt schließt trotzdem Liegefläche - das ist der Grund 

CSU-Rat Martin Bachmaier begrüßte das Verhalten der Verwaltung in der Auseinandersetzung. Die habe alles unternommen, mit der Anwohnerin eine Problemlösung zu finden. Dadurch werde Druck aus dem Thema genommen. Sich, wie Jung, aufgebracht hinzustellen, sei der falsche Weg. Dem ÜWG-Kollegen warf Bachmaier vor, sich „polemisch und politisch aus dem Fenster gelehnt“ zu haben.

„Arbeiten, arbeiten, arbeiten“

Jung verteidigte sein Verhalten damit, dass er von vielen Leuten auf die Situation angesprochen worden sei. Auch die Wasserwacht habe darüber geklagt, dass sie wegen Beschwerden der Anwohnerin nicht mehr so, wie bisher, üben könne. Das gefährde letztlich, dass der Dienst aufrechterhalten werden könne. Der ÜWG-Rat sah das „ursächliche Problem“ in der gesamten Sportanlage. Eine Verlegung der Anlagen sei dringend geboten. „Was machen wir denn, wenn da unten direkt zu ist? Wir müssten einen Workshop einrichten und arbeiten, arbeiten, arbeiten an der Auslagerung.“

Doch ob und wann diese komme, das konnte auch der Bürgermeister nicht sagen. Der von ihm einmal genannte Zeitpunkt, eine Auslagerung könnte innerhalb von acht Jahren passieren, sei „ein reiner Schätzwert“. Derzeit stehe man aber noch ganz am Anfang, das Gebiet in Rutzmoos sei immer noch Landschaftsschutzgebiet. Nach einer Herausnahme müssten auch Grundstücksverhandlungen geführt werden. „Aber dass was gemacht werden muss, ist klar.“ Das Bad sei viel zu klein und auch in einem baulich schlechten Zustand. Jedes Jahr, in dem das Bad so weiterbetrieben werden könne, „ist ein geschenktes Jahr“. Eine Sanierung des Bades sei keine Option mehr, da der Zustand der Einrichtung dazu zu schlecht sei, sagte Grundner.

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