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Rückzugsraum, Schutzraum, Ort der Besinnung: Die Kapelle in der Klinik Dorfen wäre für Patienten so wichtig. Doch seit zehn Jahren ist der Aufzug zum Gebetsraum im zweiten Stock defekt.

Kein Aufzug zur Klinikkapelle

Unerreichbare Medizin für die Seele

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In der Klinik Dorfen gibt es eine Kapelle. Sie liegt im zweiten Stock und ist nur über Treppen erreichbar. „Zum Schämen“, findet die Klinikseelsorge.

Dorfen – Leid und Krankheit sind Belastungen, die Menschen an ihre Grenzen bringen. Viele finden gerade in schweren Zeiten Halt und Trost im Glauben. In den allermeisten Kliniken gibt es daher Kapellen oder Gebetsräume, wohin sich Patienten zurückziehen können. Auch in der Klinik Dorfen gibt es eine Kapelle. Sie liegt im zweiten Stock und ist nur über Treppen erreichbar. Für alte und gebrechliche Patienten meist ein unüberwindbares Hindernis.

Das Problem besteht seit zehn Jahren: Der Aufzug zur Kapelle in der Klinik Dorfen im zweiten Stock ist außer Betrieb. Der Weg über die Treppen ist gerade für die vielen alten und gebrechlichen Patienten in der Dorfener Klinik meist unmöglich, zumindest aber ist der Gang zur Kapelle sehr beschwerlich. Es gibt zwei Aufzüge in der Klinik. Einer davon wurde bei der Angliederung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an die Klinik neu gebaut. Er reicht aber nur in den ersten Stock im anderen Gebäudeteil. Der alte, auch zur Kapelle führende Aufzug ist aufgrund technischer Mängel stillgelegt. Für den Klinikbetrieb sei dieser Aufzug „nicht erforderlich“, konstatiert Daniela Fritzen, Pressesprecherin im Büro von Landrat Martin Bayerstorfer.

2011 versuchte das Seelsorge-Team des Klinikums Abhilfe zu schaffen. Das Landratsamt holte tatsächlich auch Angebote für eine technische Instandsetzung des Aufzugs ein. Der Verwaltungsrat entschied damals, den Aufzug ertüchtigen zu lassen und dadurch den Zugang zur Kapelle zu erleichtern. Es lag auch eine von 60 Bürgern unterzeichnete Unterschriftenliste vor, die sich für die Sanierung des Fahrstuhls einsetzten. Die geschätzten Gesamtkosten lagen bei etwa 60 000 Euro. Doch aus der Sanierung wurde nie etwas. Der Grund dafür ist laut Fritzen, dass eine ursprünglich vom angegliederten MVZ Dorfen in Aussicht gestellte Kostenbeteiligung „nicht gegeben wurde“ und auch eine mögliche Kostenbeteiligung durch die Katholische Kirchengemeinde in Dorfen nur unverbindlich und in geringem Umfang in Aussicht gestellt wurde. Daher sei das Projekt nicht weiterverfolgt worden. Fritzen: „Bei einer erneuten Prüfung einer möglichen Instandsetzung im Jahr 2014 wurde von den Fachfirmen eine Instandsetzung aufgrund der veralteten Technik abgelehnt und der Einbau eines neuen Aufzuges für erforderlich befunden.“ Die Kostenschätzung dafür: 120 000 Euro. Der Verwaltungsrat hat aber keine Entscheidung für den Einbau eines neuen Aufzuges getroffen. Begründung: Der Aufzug ist für die Patientenversorgung nicht erforderlich.

Dabei wäre die Kapelle gerade für ältere Patienten „ein Ort der Zuflucht und der Hoffnung“, wie Monika Schwarzenböck, Pastoralreferentin und Leiterin des Seelsorgeteams der Katholischen Seelsorge im Klinikum Landkreis Erding, sagt. Sie bedauert die Zustände in der Dorfener Klinik sehr. Die Kapelle sei wegen der vielen Stufen für ältere Patienten oder Angehörige „eigentlich nicht zugänglich“. Dabei würden viele Leute die Kapelle, oder wenigstens einen Gebetsraum, brauchen. Die Kapelle sein in einer Klinik „ein nichttechnischer Raum, in dem man sich zurückziehen kann“. Die Kapelle können zum Ort werden, „wo krankheitsbedingte oder medizinisch notwendige Gedanken pausieren können“. Gerade in Leid und Krankheit sei eine Klinikkapelle „ein Schutzraum, eine Oase für die Patienten, aber auch deren Angehöriger. Hier ist man geschützt und erfährt Schutz, hier werden Menschen an etwas erinnert, das größer ist als wir. Das ist gerade in exestenziellen Krisen wichtig, weil es die Menschen stärkt.“

Wie wichtig die Klinikkapelle aber ist, zeige sich jedes Jahr, wenn das Seelsorgeteam Angehörige von in der Klinik verstorbenen Patienten zum Gedenkgottesdienst einlade. An dem Gedenken würden stets auch Menschen teilnehmen, die sonst nichts mit der Kirche am Hut hätten. Es sei immer wieder „zum Schämen“, dass gerade alte Leute, die der Verstorbenen gedenken wollten, nicht oder nur schwer in die Kapelle gelangten. Hinzu komme, dass auch die Kapelle selbst etwas renoviert werden müsste.

Dass bislang der Aufzug stillgelegt blieb, sei immer wieder auch damit begründet worden, dass die meisten Patienten der Klinik ja ohnehin bettlägrig oder pflegebedürftig seien, und damit ohnehin nicht in die Kapelle gehen könnten. Doch dies habe sich mit Einrichtung der stationären Schmerztherapie in Dorfen geändert. Jetzt seien dauerhaft auch Menschen da, die durchaus die Kapelle besuchen könnten, so Schwarzenböck. Ganz hat die Seelsorgerin die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Klinikaufzug vielleicht doch noch erneuert wird. Doch dazu müsste das Thema im neugeschaffenen Krankenhausausschuss des Landkreises aufgegriffen werden.

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