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In Kopfsburg rollte eine Schlammlawine durch den Ort. Rund 100 Feuerwehrler waren im Einsatz. Sie pumpten die Gebäude leer und schichteten Sandsäcke auf.

Unwetter im östlichen Landkreis

Schlammlawine rollt durch Kopfsburg

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Landkreis - Es war eines dieser Unwetter, die so schwer vorhersehbar sind: kurz, heftig und lokal begrenzt. Der östliche Landkreis Erding meldete am Montagabend Land unter. Besonders betroffen waren Lengdorf, St. Wolfgang, Isen und Dorfen. Immerhin: Ernstlich verletzt wurde niemand.

Das Unheil nahm kurz nach 18 Uhr seinen Lauf. Vor allem im östlichen Landkreis begann es heftig zu schütten, teils nur eine halbe Stunde. Während es im südlichen und westlichen Erdinger Land gar nicht regnete und die Kreisstadt nur einen Schauer abbekam, kam in den Gemeindebereichen Isen, Lengdorf, St. Wolfgang und Dorfen so viel Wasser herunter, dass sich sofort Sturzbäche entwickelten, die weder von Feldern noch von der Kanalisation mehr aufgenommen werden konnten. Zudem wurden Hänge und Wege ausgeschwemmt. Die Integrierte Leitstelle Erding koordinierte bis Dienstagmorgen Dutzende Unwettereinsätze, so Landratsamtssprecherin Claudia Kirmeyer.

Es grenzt an ein Wunder, dass niemand ernsthaft verletzt oder gar von den Fluten mitgerissen wurde. „Aus dieser Warte betrachtet, sind wir glimpflich davongekommen“, bilanziert Dorfens Vize-Polizeichef Hans Rumpfinger.

Autobahnbaustelle sorgt für Ärger

Besonders schlimm war es in Kopfsburg bei Lengdorf. Hier rollte eine Schlammlawine durch den Ort. Kies, Erde und tausende Liter Wasser flossen vom Badberg hinunter zu den Häusern. Wieder einmal sorgte die A 94-Baustelle für Ärger. Tonnenweise loses Material wurde ausgeschwemmt.

Schlammlawine rollt durch Kopfsburg

Kreisbrandmeister Richard Obermaier berichtet, dass man zahlreiche Wehren aus der Umgebung habe zusammenziehen müssen. „100 Einsatzkräfte waren es sicher“, sagt Obermaier. Aus gutem Grund: Anwohnerin Martina Schwarzenbauer berichtet, „dass auf einmal durch die Autobahnbrücke eine große Welle auf uns zukam. Wir standen knietief im reißenden Wasser.“ Aufzuhalten war die Katastrophe da nicht mehr. „Das Wasser ist über die Straße in einige Betriebe und in einen Keller im Rohbau. Der war gerade erst frisch verputzt“, sagt Schwarzenbauer. Auch eine als Zimmerei und Schreinerei genutzte Halle wurde geflutet. Das Gasthaus an der Kreisstraße bekam ebenfalls etwas ab. Eine Bewohnerin erlitt aufgrund der dramatischen Ereignisse einen Schwächeanfall. Sie wurde vom BRK aus Haag in ein Krankenhaus gebracht.

Fischweiher wird geflutet und tritt über das Ufer

Da für den späten Abend weitere heftige und lang anhaltende Regenfälle vorausgesagt wurden, wollten die Feuerwehrler auf Nummer sicher gehen. Als die Gebäude leer gepumpt waren, wurden 700 Sandsäcke entlang der Straße aufgeschichtet. Die hatte die Feuerwehr Erding auf einem Lastwagen angeliefert.

Ein Wirtschaftsweg in Kopfsburg wurde völlig ausgeschwemmt, er ist nicht mehr passierbar. Auch an der Autobahnbaustelle gibt es Schäden. Ein Fischweiher wurde geflutet und lief über.

Dramatische Szenen spielten sich auch in Isen ab. Die Straße nach Lengdorf wurde zu einem Fluss. Hier ging es nur noch im Schneckentempo voran. Gespenstisch: Zwei Stunden später war alles wieder abgelaufen, nur Kies und Äste auf der Straße erinnerten an den heftigen Sturm.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Zweites Zentrum des Unwetters war St. Wolfgang, wo zahlreiche Wehren bis kurz vor Mitternacht im schweißtreibenden Dauereinsatz waren. Zweimal regnete es heftig, erst gegen 18.30 Uhr und dann noch einmal gegen 20 Uhr. Kreisbrandmeister Werner Axenböck berichtet, „dass wir gegen 19 Uhr mehrere Wehren am Wolfganger Gerätehaus zusammengezogen“. Allein im Gemeindebereich mussten 25 Einsätze abgearbeitet werden. Auch Bürgermeister Ullrich Gaigl machte sich vor Ort ein Bild. In den Orten Armstorf und Reit liefen etliche Keller voll. Besonders betroffen war die B 15. „Wir mussten sie irgendwann komplett sperren, nicht nur wegen der Überflutung an mehreren Stellen, sondern auch, weil ein Baum in eine Stromleitung gefallen war“, so Axenböck. Ärgerlich sei gewesen, dass der Energieversorger lange nicht erreichbar war. Erst um 22 Uhr konnte der Baum aus dem Kabel geschnitten werden.

Wegen Starkregen: Straßenchaos im Landkreis Erding

Im Dauereinsatz waren auch die Dorfener Feuerwehren. Land unter wurde etwa aus Vocking und Schwindkirchen gemeldet. Zu den vielen vollgelaufenen Kellern gehörte auch der Wailtl-Bräu in Dorfen.

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