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Die Handschrift von Grundschülern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert. Die Rektoren des östlichen Landkreises liefern hierzu Verbesserungsvorschläge.

Handschrift von Grundschülern verschlechtert sich

Kampf der Sauklaue

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Die Handschrift von Grundschülern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert. Die Rektoren des östlichen Landkreises liefern hierzu Verbesserungsvorschläge.

VON ANNA SCHWARZ

Landkreis– Braucht es wieder Schönschrift-Unterricht an den Grundschulen? Darauf könnte man kommen, wenn man die bundesweite Umfrage sieht, wonach 89 Prozent der Lehrer bestätigen, dass sich die Schrift der Schüler verschlechtert habe und dass nur zwei von fünf Schülern 30 Minuten ohne Pause mit der Hand schreiben könnten (wir berichteten). Schulleiter im östlichen Landkreis haben das Manko auch erkannt.

Tatsächlich habe sich die Handschrift seiner Grundschüler in den vergangenen Jahrzehnten verschlechtert, sagt Michael Oberhofer (53), Rektor der Grund- und Mittelschule Isen: „Es wird einfach zu wenig geübt.“ Er bezweifelt aber, dass Schönschrift-Unterricht etwas bringen würde. Oberhofer sieht eher die Eltern in der Pflicht: „Die eigene Schrift hängt auch davon ab, wie viel zusammen gebastelt oder gemalt wird.“ Außerdem müsste kontrolliert werden, ob Kinder ihre Schulhefte sauber führen.

Früher gab es sogar Schönschrift-Hefte. Als Oberhofer 1972 eingeschult wurde, stand auf seinem Stundenplan noch das Unterrichtsfach „Schrift“. Er lehnt es jedoch ab, wieder Noten fürs Schönschreiben zu vergeben: „Nur, weil man etwas bewertet, ändert sich die Leistung nicht.“ Fleißstempel würden die Schüler eher motivieren.

Übrigens: In der bundesweiten Umfrage beklagen 70 Prozent der Lehrer in Bayern, dass es in der Schule zu wenig Zeit für individuelle Förderung des Handschreibens gibt. Das Schriftthema mehr in den Unterricht einbinden – das wäre für den Rektor der Grundschule Dorfen am Mühlanger, Thomas Emrich, die Lösung: „Man könnte sich der Schriftpflege zum Beispiel im differenzierten Unterricht widmen.“ Dabei wird auf die individuellen Schülerbedürfnisse eingegangen.

Emrich hat in der Vergangenheit immer wieder beobachtet: „Schüler tun sich schwer, flüssig zu schreiben – da kommt es schnell zur Ermüdung der Hände.“ Und: Das Handschreiben sei vom Aussterben bedroht, so Emrich: „Die Schrift hat eigentlich keine Chance mehr gegen die neuen Medien.“ Das findet er schade, denn: „Beim Handschreiben passiert ja mehr als beim Reinhacken an der Tastatur.“ Eine Postkarte zu schreiben, das sei eine Kulturtechnik: „Da geb’ ich mir einfach mehr Mühe.“

Mit der Hand zu schreiben, das bedeutet auch für den Rektor der Grundschule Dorfen-Nord, Gerhard Maintok, mehr als nur das Aneinanderreihen von Buchstaben: „Die Pflege der Handschrift halte ich für sehr wichtig, da nicht nur die Schrift erlernt, sondern auch eine ausdauernde Feinmotorik ausgebildet wird.“ Ein Unterrichtsfach Schrift einzuführen, sieht er aber kritisch: „Viele Kinder würden ausgewiesene Schönschreibstunden wahrscheinlich begrüßen, weil das eher im Bereich der Kunsterziehung und weniger in dem des Deutschunterrichts angesiedelt ist“, sagt Maintok, aber: „Vielleicht wäre eine Verknüpfung der beiden Fächer in diesem Bereich eine Chance, wieder mehr zu einem schönen Schriftbild zu finden.“

Oberhofers Fazit: Er hat zwar selbst eine „Schrift, die nicht ganz optimal ist“, sieht aber das Handschreiben als „wichtige Kulturtechnik“. Gleichzeitig stellt er resigniert fest: „Wo schreiben die Kinder denn heute noch? Es läuft ja alles über soziale Medien.“ Und hier liegt wohl der Kern des Problems.

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