+
Malerische Innenstadt.

Landesgartenschau

Verloren? Am Ende kann Dorfen gewinnen

  • schließen

Dorfen ist weit mehr als nur geliebtes Nest. Dorfen hat „unglaublich hohe Qualitäten“ wertet Stadtplanerin Martina Schneider. Und Dorfen hat ihr zufolge „viele Besonderheiten, die es in anderen Kommunen nicht gibt“. Diese gilt es herauszustellen, um mehr Besucher in die Stadt zu holen. Das ist auch ohne Landesgartenschau möglich.

Dorfen – Der Traum einer Landesgartenschau in Dorfen ist ausgeträumt. Zu wenig förderungswürdige Projekte, möglicherweise Millionenlücken in der Finanzierung und mangelnde Flexibilität beim Termin der Ausrichtung haben die Stadt mit ihrer Bewerbung zur Ausrichtung der Landesgartenschau durchfallen lassen. Etwa 50 000 Euro hat die Stadt für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen ausgegeben. Wurde das Geld in den Sand gesetzt?

„Mitnichten!“, sagt Franz Wandinger, Leiter der Bauverwaltung im Rathaus. Er hat die Bewerbung der Stadt mitverantwortet. Denn eine ganze Menge von Vorschlägen, die in der Konzeption für die Bewerbung von Stadtplanerin Martina Schneider unter Einbeziehung von Ideen von Umweltreferent Gerald Forstmaier erarbeitet wurden, sind auch ohne Gartenschau umsetzbar – und würden ökologisch und ökonomisch Dorfen aufwerten. Ein Beispiel ist hier die Große Kreisstadt Erding. Obwohl mit der Bewerbung für die Landesgartenschau gescheitert, wurden dort der Krontaler Weiher zum Naherholungsgebiet ausgebaut sowie der Stadtpark saniert und umgestaltet.

Für Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) steht fest: „Das Konzept bietet eine hervorragende Grundlage, Dorfen anhand dieser Pläne städtebaulich weiterzuentwickeln.“ Und auch SPD-Fraktionssprecherin Michaela Meister kommentierte die Absage an Dorfen durchaus positiv: „Viele im Bewerbungskonzept enthaltene Sachen wie etwa der Badeweiher können trotzdem realisiert werden. Das muss ja alles nicht unbedingt innerhalb der nächsten fünf Jahre auf einmal gemacht werden. Aber es sollte Zug um Zug umgesetzt werden.“

Isenauenpark

Da ist etwa die Idee, Dorfen mit Fahrradrikschas oder Mietfahrrädern und -E-Bikes erkunden zu können. Vom Bahnhof aus könnten Besucher über den Vilstalradweg schnell zum Isenauen-Park gelangen. Hier haben viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum, etwa die Wasserfledermaus oder die Sumpfschwertlilie. Auf gemähten Wiesenwegen lädt der Park zum Spazieren und Entspannen ein.

Innenstadt

Über die Straße Am Flutkanal ist der sogenannte Forsterstadl erreichbar. In dem historischen Bundwerkbau findet jeden Freitag der Bauernmarkt statt. Für die Landesgartenschau war hinter dem Stadl ein uriger Biergarten geplant. Das ist mit relativ geringen finanziellen Mitteln jederzeit möglich. Unmittelbar daneben sollte es eine Attraktion der Landesgartenschau geben: ein Bootsanlegesteg für Kajak, Ruder- und Tretboote und Gondeln. Vom Forsterstadl aus sollte es möglich sein, auf der Isen bis kurz vor Niederham hinauf mit einem Boot zu fahren. Auch diese Idee kann weiterverfolgt werden – eine Bootsfahrt auf der Isen ist sicher nicht nur für Auswärtige ein Erlebnis.

Einen Steinwurf vom Forsterstadl entfernt liegt die historische Altstadt. Besucher der Stadt, die mit geliehenen Fahrrädern oder zu Fuß unterwegs sind, würden Gastronomie und Handel Umsatz bringen. Idealerweise könnte zumindest in den Sommermonaten an den Wochenenden die Innenstadt zur Fußgängerzone werden.

Naturerlebnispark

Niederham ist von der Innenstadt aus mit dem Fahrrad und zu Fuß über einen Weg an der Isen entlang zu erreichen. Dort war für die Gartenschau ein großer Naturerlebnispark geplant. Auch dieses Projekt ist relativ einfach umzusetzen.

Ein Teil der geplanten Teiche besteht bereits, einige müssen neu angelegt werden. Vor allem Kinder, aber auch Erwachsene könnten in Niederham spielerisch die Natur erleben. Gerade Großstädter könnten dadurch für die Natur sensibilisiert werden.

Badeweiher

Von Niederham aus geht es in freier Natur weiter Richtung Breitwies und dann Richtung Süden zum derzeit in Planung befindlichen neuen Sportzentrum. Dort war im Zuge der Gartenschau ein Badeweiher geplant. „Auch diese Idee sollte weiterverfolgt werden“, meinen einige Stadträte.

Skulptourenpark

Von dort aus erreicht man schnell die südliche Grenze der Isener Siedlung. Dort befindet sich das Hochwasserrückhaltebecken mit Skulpturenpark. Hier können die Besucher die Werke verschiedener Künstler bestaunen, die den Rundweg säumen. Rund um das Becken bieten sich Spielmöglichkeiten für Kinder und Erholungsräume für Erwachsene. Eine kleine Insel, die durch einen Steg mit dem Ufer verbunden ist, ein Spielschiff aus Stein, das am Seerand liegt, die Seearena sowie Stege und Bänke laden zum Verweilen und Entdecken ein. Zur Landesgartenschau sollten dort neue Skulpturen aufgestellt werden. Auch diese Idee ist umsetzbar. Die Stadt könnte hier etwa einen Künstler-Wettbewerb starten.

Stadtpark

Über die Krautgärten erreicht man dann den Stadtpark. Der Park, der Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, ist noch heute in seinen Grundformen erhalten. Neben einem Denkmal an den Lehrer Josef Michel, der den Park angelegt hatte, birgt er auch ein Denkmal für die Heimatvertriebenen des 2. Weltkriegs und ein geschmiedetes Kreuz für Dominikus Paulus, einen Dichter aus Dorfen. Ein kleiner Teich mit Brunnenfontäne, Feldschach, Kinderspielgeräte und viele Bänke sorgen heute schon für einen angenehmen Aufenthalt im grünen Herzen der Stadt. Hier könnte die Stadt weiterplanen. Wie wäre es etwa, den Christkindlmarkt dorthin zu verlegen? Sozusagen eine Art Dorfener Waldweihnacht. Auch eine Wiederbelebung des Stadtparkfestes, das in den 60er-Jahren großen Zulaufe hatte, wäre denkbar.

Bürgerengagement

Alles in allem gäbe es viele Ansatzpunkte, das „Wir-Gefühl“ in Dorfen zu stärken, wie es mit der Landesgartenschau ja geplant war. Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger, der maßgeblich an der Vorbereitung für die Bewerbung zur Landesgartenschau mitgewirkt hat, dachte schon weiter: „Vielleicht bildet sich wieder ein Ortsverschönerungsverein.“ Einen solchen hatte Dorfen früher, und der hatte viel auf den Weg gebracht. Dorfen hat großes Potenzial, für sanften Tourismus interessant zu werden. Zudem ist die Verkehrsanbindung Dorfens sehr gut, München liegt quasi vor der Haustüre. In 30 Minuten ist man dort.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Innenstadt wird zum Surfer-Paradies
Im Frühjahr treiben nicht nur Bäume aus – in Dorfen auch Antennen. Konkret WLAN-Antennen. Ende Februar/Anfang März soll in der gesamten Innenstadt ein öffentliches und …
Innenstadt wird zum Surfer-Paradies
Volkstrauertag: „Kein verstaubtes Ritual“
Das offizielle Gedenken der Stadt Dorfen zum Volkstrauertag fand erstmals nach einer Gedenkmesse in der Pfarrkirche an der Kriegerkapellestatt. Nur wenige Kirchgänger …
Volkstrauertag: „Kein verstaubtes Ritual“
8,2 Millionen Euro Investitionen
8,2 Millionen Euro hat die Gemeinde Taufkirchen dieses Jahr investiert. Dadurch stiegen die Schulden von 4,5 Millionen Euro heuer auf 7,1 Millionen Euro an. Nächstes …
8,2 Millionen Euro Investitionen
Betrüger verschicken Stadtwerke-Mail
Die Stadtwerke Dorfen warnen in einer Pressemitteilung vor betrügerischen Spam-Emails.
Betrüger verschicken Stadtwerke-Mail

Kommentare