Für die Jagd ausgebildet ist der fünfjährige Deutsche Wachtelhund von Walter Zwirglmaier. „Auch Anderl braucht in bestimmten Situationen eine Leine.“
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Für die Jagd ausgebildet ist der fünfjährige Deutsche Wachtelhund von Walter Zwirglmaier. „Auch Anderl braucht in bestimmten Situationen eine Leine.“

Brutzeit

In der Brutzeit müssen Hunde an die kurze Leine

Brutzeit ab heute: Im Wiesenbrüterschutzgebiet Isental dürfen Hunde nicht frei laufen.

Dorfen – Am 15. März beginnt die Brut- und Setzzeit. Im Wiesenbrüterschutzgebiet Isental müssen Hunde nun an die Leine. Spaziergänger sollten zudem im gesamten Gemeindegebiet nicht querfeldein durch die Felder und Wälder laufen: Denn auch hier brüten schon bald Kiebitz oder Blaukehlchen, Rehe und Hasen verstecken ihre Jungen im Wiesengras. Dass die Dorfener in den kommenden Monaten immer auf dem richtigen Weg bleiben, wünscht sich deshalb Förster Walter Zwirglmaier.

Seit Corona sind Spaziergänger auf dem Vormarsch. Klar, die Gegend um Dorfen ist schön. Und egal ob am Silbersee oder an der Birkenallee, scheint die Sonne, heißt es derzeit für viele Dorfener: Raus in die Natur! Zudem kamen seit der Pandemie mehr Einheimische auf den Hund: Exakt 94 Hunde wurden bei der Stadt Dorfen im Jahr 2020 neu angemeldet, das sind 28 mehr als 2019. Die Zahl der Vierbeiner im Gemeindegebiet stieg somit von 639 (2019) auf 658 (2020).

In Dorfen gibt es grundsätzlich keine Leinenpflicht. „Wir setzen auf den verantwortungsvollen Umgang der Hundebesitzer mit den Mitmenschen und der Natur“, sagt Gudrun Gersbach, Pressesprecherin der Stadt. Und auch Zwirglmaier, der für die ÜWG im Stadtrat sitzt, spricht sich gegen eine Leinenpflicht aus: „Hunde brauchen Bewegung, das gemeinsame Spiel mit Artgenossen ist für die Vierbeiner wichtig“, erklärt der Umweltreferent und Hundebesitzer.

Doch egal ob Malinois, Malteser oder Mops – das Tier sollte auch gehorchen, im Umkreis von zehn Metern bei Frauchen oder Herrchen bleiben: „Ist das Tier gut abrufbar, gibt es auch keine Probleme“, so der Förster.

Zwirglmaier weiß indes, dass Hunde „Nasentiere“ sind und deshalb jeder interessanten Spur folgen. „Hunde haben einen Jagdtrieb, sie laufen der vermeintlichen Beute hinterher. Das Wild wird dadurch aufgescheucht und flieht.“ Zwar sei es äußerst selten, dass ein Hund ein Reh erwische. Aber erst kürzlich habe ein Hund mehrere Rehe bei St. Wolfgang gejagt, eines rannte in einen Zaun und war sofort tot, das andere Reh war so schwer verletzt, dass es getötet werden musste. „Die Gefahr von Wildunfällen auf der Straße durch aufgescheuchte Wildtiere ist sicherlich ein bedeutender Faktor bei der hohen Wildunfallzahl“, so Zwirglmaier.

In Dorfen müssen Hunde vom 15. März bis 15. Juli ausschließlich im Wiesenbrüterschutzgebiet Isental an die kurze Leine. Während dieses Zeitraums ist es nicht erlaubt, die festgelegten Wege durch das Gebiet zu verlassen. Das Areal beginnt östlich der Gemeindeverbindungsstraße Kloster Moosen–Hampersdorf, reicht bis nach Wasentegernbach und beginnt am Stadtrand östlich des Isen-Vilstal-Radlwegs.

Dort sind nicht nur besonders schützenswerte Vögel zu Hause wie Kiebitz oder Blaukehlchen. Auch Säugetiere und Reptilien finden in dem Schutzgebiet Unterschlupf. Doch nicht nur Bello & Co. stören die brütenden Vögel, auch Spaziergänger, Radfahrer und Reiter werden immer wieder in vogelkundlichen Gutachten als akutes Problem genannt.

Was im Wiesenbrüterschutzgebiet Isental nun ist, sollten indes alle Ausflügler in Dorfen und Umgebung beherzigen, appelliert Zwirglmaier: „Egal ob mit oder auch ohne Hund, die Fußgänger sollen auf den Wegen bleiben.“ Denn schon bald wird gebrütet, die Tiere werden beim Spaziergang querfeldein aufgescheucht. „Kiebitze tarnen ihren Nachwuchs gut, fliegen die Vögel aber auf, beobachten das auch die Feinde, beispielsweise Krähen – die jungen Kiebitze sind dann verloren“, weiß der Förster. Am Feldrand haben die Tiere zudem wenig Deckung: „Die Menschen sehen die Vögel nicht, die hier Bodeninsekten und Wildkräuter suchen. Aber nicht nur zur Brut- und Setzzeit ist Vorsicht geboten, sondern das ganze Jahr über.“

Michaele Heske

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