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So sieht die Maximallösung des Büros Vieregg-Rössler aus: Am B 15-Bahnübergang (Foto oben) entsteht ein Kreisel (l.), die Gleise verschwinden im Tunnel (rote Flächen).

Gutachter: Millionen-Einsparung möglich

Vieregg stellt Bahn-Planung auf den Kopf

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Ein für Dorfen verträglicher Bahnausbau ist weitaus kostengünstiger zu machen, als von der Deutschen Bahn errechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die von der Stadt mit einer Alternativplanung beauftragte Vieregg-Rössler GmbH. 6,5 Millionen Euro können demnach eingespart werden.

Dorfen – Martin Vieregg, Geschäftsführer und Gesellschafter der Vieregg-Rössler GmbH hat der Stadt seine Entwurfsfassung der technischen Planung zur Tieferlegung der Eisenbahn im Bereich Dorfens vorgelegt. Der Dorfener Anzeiger hat über Umwege exklusiv Einblick in die Planung des Münchner Verkehrsberatungsbüros nehmen können. Bekanntlich will Vieregg die Bahntrasse im Bereich Dorfen um bis zu 60 Meter südlich in den Hausmehringer Hang verlegen. Damit könnte die neue Bahntrasse unabhängig von der alten gebaut werden. Der Bahnsteig müsste entgegen den Planungen der Bahn nicht verlegt werden. Vielmehr würden im Bereich des Bahnhofs die Gleise um bis zu vier Meter tiefer gelegt. Lärmschutzwände, wie sie bei der DB-Planung vorgesehen sind, würden bei der Vieregg-Variante entfallen.

Die wohl wichtigste Passage, sind die Kosten. Vieregg hat für den von ihm vorgeschlagenen Ausbau mit Eisenbahn-Tieferlegung 54,7 Millionen Euro errechnet. Damit ist er 6,5 Millionen Euro oder 10,6 Prozent unter dem Kostenrahmen, die DB-Planer ermittelt haben. Als Grund für die deutlich niedrigeren Kosten nennt Vieregg, „dass der teure Betontrog der DB-Planung eingespart wird“. Beton gelte als Hauptkostentreiber von Eisenbahnprojekten.

Hinzu kommt laut Vieregg, dass mit seiner Planung kein „Bauen unter rollendem Rad“ erforderlich sei. Die Mehrkosten für den deutlich umfangreicheren Grunderwerb und für die zusätzlichen Erdbewegungen bei seiner Planungsvariante „fallen nicht so stark ins Gewicht wie die Einsparungen durch den Verzicht auf Betontrog und Bauen unter rollendem Rad“, führt Vieregg aus.

Mit den eingesparten 6,5 Millionen Euro könnte die Stadt in „zusätzliche, eisenbahnbetrieblich nicht unbedingt notwendige Maßnahmen“ investieren. In der von ihm als „Maximallösung“ vorgeschlagenen Variante könnte etwa am B 15-Bahnübergang ein vollständiger, viergleisiger Tunnel von 158 Meter Länge errichtet werden. Dies würde nicht nur den Wert der angrenzenden Grundstücke wesentlich aufwerten, wie Vieregg meint, sondern in dem Bereich würde dann auch eine „hochwertige gewerblichen Nutzung“ mit Einzelhandel und Arztpraxen möglich werden. Außerdem könnte an dem geplanten Kreisel auf jetzigem Straßenniveau direkt an der B 15 ein Busbahnhof realisiert werden. Auch im Bereich des Meindl-Geländes wäre mit dem eingesparten Geld eine Tunnelführung zu realisieren, die das südlich anschließende Areal, auf dem einer neuer Stadtteil entstehen soll, erheblich aufwerten würde. Die Staatsstraße 20 86 nach Isen würde in der Planungsvariante von Vieregg ab Rutzmoos entlang der Gleise verlegt und bis zur B 15 geführt werden.

Das alles sind nur ein Teil der zahlreichen Maßnahmen und Lösungen, mit denen Vieregg in seiner Planung der Forderung von Stadt und Bürgerinitiative nachkommen will, die Stadt dürfe beim zweigleisigen Bahnausbau nicht durch Mauern und Schranken geteilt und verschandelt werden.

Im Rathaus ist man von der Planung Viereggs durchaus angetan. Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger sagte gestern in einer ersten Stellungnahme, mit dieser Präferenzplanung werden man das Gespräch im Bundesverkehrsministerium in Berlin suchen, sobald eine neue Bundesregierung im Amt sei. Dass die Alternativplanung vor allem auch auf Druck der Bürgerinitiative Bahnausbau und deren Sprecher Georg Brandhuber zustande kam, darin sieht Wandinger keine Peinlichkeit für die Stadt, wie er auf eine diesbezügliche Frage der Heimatzeitung sagte. Die Forderung des Stadtrates sei immer schon gewesen, es müsse einen Trog, „so tief wie möglich“, geben. Wer bei einem für Dorfen verträglichen Bahnausbau welchen Verdienst habe, „ist völlig nebensächlich“, so Wandinger. BI-Sprecher Brandhuber habe auf der „emotionalen Ebene“ viel geleistet. Bürgermeister Grundner habe den sachlichen Weg gewählt und ständig mit Bahn verhandelt. Jetzt zeichne sich ab, dass „beide Wege gemeinsam zum Erfolg führen könnten“.

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