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Nur eine Handvoll Männer waren früher in der Stadt.

Blick in die Geschichte

Vom Marterinstrument zum Hemadlenz?

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Beim Begriff „Lenzin“ denken die allermeisten Dorfener wohl an eine in weißem Nachthemd und Betthaube am Unsinnigen Donnerstag durch Dorfen ziehende Hemadlenzin. Doch im 18. Jahrhundert war eine Lenzin in Dorfen etwas ganz anderes. Ein Blick in die Geschichte – und eine daraus resultierende, schier unglaubliche Vermutung.

Dorfen – Günther Janocha ist einer der größten Hobbyforscher in Sachen Dorfener Fasching. Er trägt seit vielen Jahren alles zusammen, was irgendwie mit Dorfen und dem Fasching zu tun hat. Über den Nachlass des Heimatforschers Pfarrer Josef Gammel (1901 - 1959) ist Janocha vor Jahren auf Franz Antoni Farmer gestoßen. Der Kürschnersohn gilt als erster in amtlichen Akten festgehaltener Faschingsnarr in Dorfen. Er hat sich schon 1724 verkleidet und trieb Unsinn. In Ratsprotokollen ist niedergeschrieben, dass Farmer zur Fastnachtzeit Ärger erregte. Der junge Mann ging in „Maßgrati“ (Maskerade) in den damaligen „Lorenz Mayr Pierbreu“ (heute Jakobmayer) und erlaubte sich dort verschiedene Späße wie auf den Tisch hauen und Bierkrug umkehren. Vom Wirt erhielt Farmer dafür einige Watschn. Von der Obrigkeit wurde der junge Dorfener für seine als nicht lustig angesehenen Späße immer wieder bestraft. Im Fasching 1739, so hat es Pfarrer Gammel überliefert, hat der Dorfener und einige Auswärtige zum Spaß die Passion Christi gespielt. Die Obrigkeit war entsetzt. Sie mussten drei Stunden im „Stock“ oder in der „Lenzin“ sitzen. Beides waren Marterinstrumente auf dem Rathaus.

Es sind nur vage Vermutungen, die Janocha bisher hat. Aber der Dorfener glaubt, dass die „Lenzin“ eine Art Pranger war, in der die Leute gefesselt im Büßerhemd bestraft wurden. Wurde von dieser öffentlichen zur Schaustellung der Begriff Hemadlenz geprägt? Oder haben sich gar Spezln der Verurteilten ein solches Hemd übergezogen, um sich mit den Verurteilten solidarisch zu erklären? Fakt ist jedenfalls, dass früher ein Büßerhemd oft ein helles, bodenlanges Gewand war. Es hat durchaus so ausgeschaut wie ein Nachthemd. Und ein solches tragen Hemadlenzen.

Eine spannende These von Janocha, die sich aber bislang nicht beweisen lässt. Würde das jedoch stimmen, dann wäre das Hemadlenzen-Brauchtum viel älter als angenommen. Bisher ging man davon aus, dass der erste Hemadlenzen-Umzug 1891 gewesen sein soll. Davor gab es vermutlich ein Treiben der Schneegänse, wie aus Unterlagen hervorgeht. Gekleidet waren die Umzugsteilnehmer mit langem Hemd, enger Unterhose und weißer Papiermütze mit rotem Papierschnabel – weitgehend schon die „Dienstkleidung“ der Hemadlenzen. Später, so ist durch mündliche Überlieferung von Goggi Thalmeier, einem Urgestein der Dorfener Maschkara, der Winter abwechselnd durch Schneegänse und Hemadlenzen ausgetrieben worden. Erst nach der Jahrhundertwende waren nur noch Hemadlenzen unterwegs. Frauen durften übrigens erst seit 1952 mitgehen.

Der Hemadlenzen-Brauch wird heutzutage mit der Tradition des Winteraustreibens in Verbindung gebracht. Doch es gibt Erzählungen, dass die Faschingsgaudi auf eine Idee des Dorfener Seilermeisters Lorenz Hammerschmid zurückgehen soll. Dieser war als Handwerkergeselle weit herumgekommen und hat unter anderem im Rheinland den Karneval erlebt. Beeindruckt vom Umsatz, den Geschäfte dort machten, soll Hammerschmid später das heute bekannte Hemadlenzen-Treiben ins Leben gerufen haben, um Dorfen wirtschaftlich anzukurbeln.

Die Wirtschaft(en) ankurbeln, werden auch an diesem Donnerstag tausende Weißgewandete beim Hemadlenzentreiben in der Stadt. Vor und nach dem Umzug haben einige Lokale geöffnet, an mehreren Stellen gibt es Freiluftausschank. Im E3-Eiskeller und im Bastei-Keller finden nach dem Umzug jeweils Hemadlenzen-Partys statt.

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