„Stille Nacht“: Einkaufsstimmung kommt im Corona-Winter 2020 nicht in der Dorfener Innenstadt auf. Foto: Anton Renner
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„Stille Nacht“: Einkaufsstimmung kommt im Corona-Winter 2020 nicht in der Dorfener Innenstadt auf.

Umsatzeinbruch wegen der Corona-Pandemie

In Dorfen einkaufen – und das auch online

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Der Förderkreis Dorfen appelliert an die Kunden: „Gebt uns eine Chance.“

Dorfen – Die Corona-Pandemie bedroht die bunte Vielfalt an Händlern, Firmen, Gaststätten und kulturellen Einrichtungen. Der Förderkreis Dorfen stemmt sich dagegen. „Do leb i, do kaf i“, heißt das Motto, das der Gewerbeverein schon weit vor der Pandemie ausgegeben hat. Die Schaufenster der Geschäfte in der Innenstadt sind weihnachtlich geschmückt, an den Plätzen stehen Christbäume. So rechte Einkaufsstimmung mag aber nicht aufkommen.

Viele Menschen shoppen lieber zuhause am PC. Doch das ist es, was den Ladeninhaber die Luft zum Atmen nimmt. Der flammende Appell des Förderkreises: „Bitte kaufen Sie nur das Nötigste im Internet!“ Denn fast alles gebe es auch bei den Händlern vor Ort. Und gerade im Lockdown gelte: Was nicht dringend benötigt werde, könne ja später gekauft werden, so Förderkreis-Vorsitzender Stefan Tremmel.

Lokaler Handel und Gastronomie befänden sich teils in einer dramatischen Situation. Schon der erste Lockdown im Frühjahr habe massive Umsatzeinbußen gebracht. Auch wenn viele Geschäfte danach wieder einigermaßen in die Spur gekommen seien, sei der Ausfall nicht aufzuholen.

Jetzt, im seit Wochen andauernden Teil-Lockdown seien die Umsätze wieder massiv eingebrochen. Und weitere Verschärfungen drohen. „Das geht dann bei vielen endgültig an die Substanz“, sagt Tremmel. Aktuell seien immer noch Kunden in den Geschäften unterwegs, „aber deutlich gezielter“. Es stünden nicht mehr „die Shopping-Freuden von früher“ im Mittelpunkt, „wo man wegen Schuhen losging, dann aber mit Schuhen und Hosen und einem neuen Handy heimgekommen ist“.

Dabei gebe es in Dorfen fast nur Läden unter 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, „da ist die Sicherheit gegeben“, ist Tremmel überzeugt. Dafür würden die Geschäftsinhaber sorgen, „die die Vorgaben der Behörden strikt umsetzen“.

Jeder, der bei Amazon und Co. einkaufe, müsse bedenken, dass die Internet-Riesen keine lokalen Projekte unterstützen. Die heimischen Firmen dagegen schon. „Wir sind immer für die Allgemeinheit da. Sei es beim Sponsoring, bei Preisen für Feiern, Praktikumsplätzen und Ausbildungsplätzen. Das ist alles weg, wenn es den Handel nicht mehr gibt.“

Dass an Onlineshopping kein Weg mehr vorbei geht, weiß auch der Förderkreischef. „Wer nicht digital unterwegs ist, den gibt es bald nicht mehr. Darum fördern wir ja den Aufbau digitaler Strukturen im Dorfener Handel“, so Tremmel. Schon jetzt würden zahlreiche Dorfener Geschäfte ihre Produkte und Dienstleistungen online anbieten. Und selbst wenn nicht, könne man telefonisch bestellen: „Ich bin mir sicher, dass fast jeder der Dorfener Einzelhändler telefonisch bestellte Waren vor die Haustüre liefert.“ Tremmel: „Der Kunde muss halt dem Händler die Chance geben. Das macht er aber nicht, wenn er online bei großen Versandhäusern bestellt.“

Um die Kunden zum Nachdenken zu bewegen und den lokalen Einkauf anzukurbeln, hat der Förderkreis Aktionen gestartet. Neben Hinweisen sowie steuerlichen und rechtlichen Tipps für die rund 150 Mitgliedsbetriebe werden in den Sozialen Medien Angebote vorgestellt.

Dass die Online-Aktivitäten des Förderkreises Wirkung zeigen, bestätigt Georg Stöber, der diese mit seiner Werbeagentur „Designloge“ unterstützt. „Ein voller Erfolg war der abendliche Fotorundgang durch Dorfen mit Verlinkung zu den Gastronomen und Öffnungszeiten.“ Alleine über die Förderkreis-Facebookseite konnten über 10 000 Personen im nahen Umkreis erreicht und hunderte Likes erzielt werden.

„Informative Beiträge wie etwa zur DOGGs-Verlosung, Umleitungs- und Baustelleninfos, Gewinnspiel, oder Lockdown-Informationen erreichen mehere tausend Personen der relevanten Zielgruppe“, berichtet Stöger. Die Reichweiten der Social-Media-Angeboten seien „deutlich erhöht“, und es gebe noch großes Potenzial.

„Wenn es Ihnen etwas wert ist, in einem Ort zu leben, wo es Läden und Dienstleister gibt, dann kaufen Sie wenn möglich zuhause ein“, bittet Barbara Schmid von Schuh Schmid in Dorfen. Und auch sie verweist auf den Onlineshop ihres Geschäfts. Wenn immer weniger vor Ort gekauft würde, „dann leben die Leute in einem Ort, wo es nur noch leere Schaufenster gibt“, sagt die Geschäftsfrau.

Corona hat laut Tremmel aber nicht nur Schlimmes gebracht. „Die Zusammenarbeit unter Geschäftsleuten ist viel stärker geworden. Das Schicksal schweißt zusammen. Der Konkurrent, der Wettbewerber, wird so plötzlich zum Partner im Bestreben, gemeinsam einigermaßen gut durch die Krise zu kommen.“

In den letzten Monaten hätten Kunden aber „wahnsinnig viel gekauft unter dem Motto ,Ich mach’s mir zuhause schön’. Es wurde nicht oder nur wenig in Urlaub gefahren, das Geld ins Zuhause investiert. Das Geld, das da heuer dafür ausgegeben wurde, wird nächstes Jahr nicht mehr ausgegeben. Wer eine neue Waschmaschine, einen neuen Fernseher oder neue Möbel hat, braucht das die nächsten Jahre nicht mehr“, sagt der Inhaber des Elektronik-Geschäfts Der Heuschneider.

Alles in allem würden schwere Zeiten vor dem Einzelhandel liegen. Daher sei es für Dorfen so wichtig, „dass alle zusammenhalten“. Es gebe glücklicherweise immer mehr Leute, die sehen würden, wie wichtig Regionalität sei. Tremmel selbst will aber nicht nur schwarz malen. Vielmehr glaubt er , „dass wir das gemeinsam schaffen.“ Sein Credo: „Hoit ma zam!“

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