Vor Gericht 

Waffen im Koffer und unter dem Bett

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Mehrere Waffen und Munition hatte ein 61-Jähriger auf seinem Anwesen gebunkert – darunter eine Patrone, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt.

Östlicher Landkreis – Es war ein kleines Arsenal an Waffen, das die Dorfener Polizei auf dem Anwesen, auf dem ein 61-Jähriger mit seiner Frau und deren Mutter lebte, gefunden hat: Luftgewehre, ein Gas-Alarm-Revolver, eine doppelläufige Perkussions-Vorderlader-Pistole, ein Unterhebelrepetierer, eine Walther P 38, dazu mindestens 2000 Schuss Munition – darunter eine Leuchtspurpatrone, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Sie war nach einem Gutachten des LKA, wie der Großteil der Waffen, funktionsfähig.

Eine Erlaubnis zum Umgang damit hatte der Mann nicht, weshalb er vor dem Amtsgericht Erding zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Zwar zeigte er sich geständig. Straferschwerend war laut Richter Björn Schindler jedoch, dass er eine Waffe sogar benutzt hat.

Nach eigener Aussage hat der Mann vorigen Sommer mit der Walther P 38 in den Garten geschossen. „Meine Frau und ich sind seit 40 Jahren verheiratet. Wir leben eigentlich einen Traum miteinander“, erklärte er. Seine Frau sei für ihn der wichtigste Mensch, doch für sie zähle nur die Mutter. „Vor lauter Verzweiflung“ habe er, unter Alkoholeinfluss, geschossen. „Das war unsinnig und blöd“, sagte er und erklärte, er habe seine Frau damit „auf meine Seite ziehen“ wollen. Auf Nachfrage gab er zu, mit dem Gedanken gespielt zu haben, sich zu töten. Seine Frau sollte merken, „wie wichtig es ist, dass sie hinter mir steht“.

Die Ehefrau hatte daraufhin die Pistole entladen und versteckt sowie die Polizei informiert, die den Mann am 30. August mit Spezialkräften festnahm. Er kam in die Psychiatrie, es wurde eine depressive Störung diagnostiziert.

Bei der folgenden Hausdurchsuchung wurden die Waffen gefunden. Wo sie sich befinden, hatte der Mann der Polizei gesagt – unter anderem in einem verschlossenen Alukoffer und in einem Schrank mit Vorhängeschloss. Die Walther P 38 jedoch habe er im Schlafzimmer unter der Matratze aufbewahrt, eine antike Waffe zudem neben zahlreichen Hirschfängern in einer Vitrine.

Den Gas-Alarm-Revolver habe er selbst besorgt. Zur Herkunft der anderen Waffen erklärte der Rentner, dass sein Vater und sein Schwiegervater sie beim Abbruch alter Gebäude gefunden hätten. „Ich hab sie behalten. Das war ein Fehler, für den ich mich nur entschuldigen kann.“ Er habe nicht das Bewusstsein gehabt, „dass das eine Straftat ist“.

Zum Anwesen war die Polizei noch mehrmals ausgerückt. Etwa weil der Mann weitere Munition gefunden und diese gemeldet hatte. Einmal aber auch, weil er Silvesterböller vom Balkon in den Garten geworfen hatte, um „die Schwiegermutter zu ärgern“ – wieder unter Alkoholeinfluss. Auf Nachfrage erklärte der Mann, dass er zwar täglich Alkohol trinke, aber kein Alkoholiker sei – anders als seine Frau. Und: „Wäre ich nüchtern gewesen, wäre das alles sicher nicht passiert.“

Inzwischen ist der Mann, der bereits eine „psychosomatische Kur“ hinter sich hat, ausgezogen und lebt alleine im Landkreis Landshut. „Meine Frau hat mich davongejagt. Aber ich hoffe, die Zeit heilt die Wunden, und wir können doch noch unseren Traum leben“, sagte er dazu.

Das Gericht folgte Verteidigerin Clarissa Forster und verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Er soll einen Bewährungshelfer bekommen, eine Psychotherapie machen und 1000 Euro an Prop e.V. zahlen. Er habe vorsätzlich gehandelt, urteilte Richter Schindler: „Es war Ihnen bewusst, dass es sich um gefährliche Gegenstände handelt. Aber das war Ihnen egal.“ Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und zwei Monaten sowie weitere Auflagen gefordert.

Im Plädoyer kritisierte Rechtsanwältin Forster, warum nicht auch gegen die Ehefrau vorgegangen wurde. Sie kenne sich offensichtlich mit Waffen aus. Und: „Das Anwesen gehörte beiden, die Waffen auch ihrem Vater. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb / Denis Balibouse Pool

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